Am 26. August haben sich Kommunalpolitiker und Behördenvertreter aus der Region mit der Polizei Mayen getroffen. Es ging darum, wie man die Probleme rund um den Nürburgring in den Griff bekommen kann. Dort sind die Anwohner immer öfter von Autoposern und illegalen Rennen genervt, vor allem von nächtlichem Lärm.
Allein mit Polizeikontrollen bekommt man das Problem nicht in den Griff, ist der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Adenau, Guido Nisius (CDU), überzeugt. Er hat dem SWR gesagt, das ginge nur mit einem Gesamtpaket an verschiedenen Maßnahmen.
Suche nach Lösung - Treffen im September
Darüber wollen sich die Verbandsbürgermeister rund um den Nürburgring am 18. September bei einem Arbeitskreis mit Vertretern von der Polizei, den Kreisen Ahrweiler und Vulkaneifel, dem Landesbetrieb Mobilität und dem Nürburgring Gedanken machen.
Eine Lösung könnten möglicherweise verkehrsberuhigende Maßnahmen sein, sagt Nisius. Etwa feststehende Blitzer. Oder Verkehrsschikanen, wie zum Beispiel Schwellen auf der Fahrbahn, über die die Gäste nicht so schnell hinüber rasen können. Zudem müsse es Aufklärungskampagnen in mehreren Sprachen für die ausländischen Gäste des Nürburgrings geben.
Probleme durch "Autoposer" in Adenau
Die Probleme sind nicht neu, werden aber immer schlimmer, sagt Rudolf Bell aus Adenau-Breidscheid. Der Rentner kämpft seit 2019 gegen illegale Autorennen auf der B 257 sowie nächtliche Lärmbelästigungen durch aufheulende Motoren. Von den Behörden und der Politik fühlt er sich im Stich gelassen.
Auch zwei Familien, die an der Hauptstraße in Adenau wohnen, sind frustriert: Sie schreiben in einem offenen Brief von "Lärmterror" durch Autofahrer. Rund 80 Prozent der Pkw hätten ausländische Kennzeichen. Vermutlich seien es Touristen, die den Nürburgring ansteuerten. Die Familien haben Tonaufnahmen der Ruhestörungen gemacht:
Fehlzündungen knattern wie ein Maschinengewehr
Besonders nerven die bewusst herbeigeführten Fehlzündungen, sagt eine Anwohnerin, die anonym bleiben möchte. "Wenn Sie das 50-mal am Tag hören, finden Sie das nicht mehr lustig. Das ist, wie wenn ein Maschinengewehr durch den Ort rauscht."
Mit Tempo 159 durch Breidscheid gerast
Außerdem werde nachts mit halsbrecherischem Tempo durch den Ort gerast, klagen die Bürger. An der Geschwindigkeitsmessanlage, die in Adenau-Breitscheid steht, erreichte ein "Hobby-Rennfahrer" Tempo 159. Das geht aus Unterlagen der Behörden hervor, die Rudolf Bell vorliegen.
Adenaus Stadtbürgermeister unterstützt die Bürger
Adenaus Stadtbürgermeister Frank Wisniewski (SPD) bestätigt die Aussagen der Bürger. Er wohnt selbst an der Hauptstraße und ist dem nächtlichen Lärm ausgesetzt. Doch die Stadt Adenau kann nichts machen, schreibt er in einer Mail an den SWR:
"Als Stadtbürgermeister nehme ich diese Rückmeldungen sehr ernst, bin allerdings in dieser Angelegenheit formal nicht selbst handlungsbefugt." Zuständig sind laut Wisnieski die Verbandsgemeinde und die Polizei.
Auch Verbandsgemeindebürgermeister Nisius sieht Handlungsbedarf
Verbandsgemeindebürgermeister Nisius sagt, die Probleme hätten sich in den letzten Jahren deutlich verschärft. Sie hätten inzwischen ein Maß angenommen, das nicht mehr hinnehmbar sei. Es gebe sogar organisierte illegale Straßenrennen. Zwar tue die Polizei viel im Rahmen ihrer personellen Kapazitäten, und es gebe vereinzelt Lautstärkekontrollen - doch das reiche nicht aus.
Um die Probleme einzudämmen, wünscht sich Nisius über einen Zeitraum von vier Wochen eine Polizeipräsenz "wie sie der Landkreis Ahrweiler noch nie gesehen hat". Er glaubt, dann hätten sie wenigstens für ein Jahr mal Ruhe.
Bürger betonen: Wir sind nicht gegen den Nürburgring
Eine Bürgerin, die anonym bleiben möchte, betont, dass sie nicht gegen den Nürburgring ist. Ihre Familie mache seit langem Geschäfte mit dem Ring. "Die Veranstaltungen des Nürburgrings sind nicht das Thema", sagt die Frau. "Das Thema sind die Raser und Poser, die sich nicht benehmen."
Rudolf Bell aus Adenau-Breidscheid fordert mehr Unterstützung vom Nürburgring: "Der Ring soll auf seiner Internetseite an die Besucher appellieren, sich im Straßenverkehr normal zu verhalten."
Doch der Nürburgring ist schon seit Jahren tätig: Seit 2019 gibt es die Kampagne "Sei Vorbild!". Bekannte Fahrer und Funktionäre aus der Rennsport-Szene werben dort für gegenseitige Rücksicht im Straßenverkehr.
Neue Kampagne am Nürburgring geplant
Eine weitere Kampagne werde zur Zeit geplant, heißt es vom Nürburgring. Sie werde zum Beginn der Rennsportsaison 2026 starten. Imagekampagnen allein würden das Problem allerdings nicht lösen, schreibt der Nürburgring in einem Statement:
"Wer grundsätzlich kein Interesse daran hat, Regeln einzuhalten, lässt sich auch von Hinweisschildern oder Appellen nicht beeindrucken. Hier braucht es klare Grenzen - und genau dafür sind Polizei und Ordnungsamt zuständig. Deshalb stehen wir im Austausch mit den Behörden - und werden diesen Dialog weiter intensivieren."