Wie einfach Hacker-Angriffe sind und wie schnell die eigenen Daten im Internet zur Gefahr werden, das haben heute rund 700 Schülerinnen und Schüler sowie Azubis in Kaisersesch bei einer gemeinsamen Veranstaltung der Wirtschaftsförderung Cochem-Zell sowie des Netzwerks SCHULEWIRTSCHAFT Cochem/Kaisersesch hautnah erlebt.
Die Veranstaltung wurde in Kooperation mit mehreren Partnern umgesetzt, darunter auch die Industrie- und Handelskammer Koblenz und die Handwerkskammer Koblenz. Unter dem Motto "Zu schlau für Fake. Zu stark für Hate" wurde den Schülern gezeigt, wie sie sicherer in einer digitalen Gesellschaft leben können.
Hacking braucht oft nicht viel Wissen
Im Mittelpunkt der Veranstaltung - der ethische Hacker Immanuel Bär, der sonst digitale Sicherheitslücken bei Unternehmen aufspürt und in der Bundesfachkommission für Cybersicherheit die Regierung berät. Bär sagt selbst, er engagiere sich aber auch schon seit seinem Zivildienst 2001 in der Jugendarbeit. Und: "Seit meine beiden Kinder zur Welt kamen, habe ich angefangen nochmal anders über das Thema nachzudenken. Und es ist mir klar geworden, dass gerade die Jugend und ältere Menschen bei dem Thema forciert werden."
Zum Einstieg der Veranstaltung hackt Immanuel Bär in wenigen Sekunden eine Webcam in Russland und zeigt, wie das funktioniert. Sozusagen ein "kleiner Schocker", um die Jugendlichen zu sensibilisieren, wie leicht es ist, dass Fremde in den intimsten Raum vordringen können. Hier schauen 700 Jugendliche nun einer Frau zu, die wohl an einer Art Empfang sitzt und arbeitet. Aber es könnte genauso gut ein Schlafzimmer sein. Für die Aktion brauche man kein großes Wissen, das könne jeder, sagt er.
Schlechte Cybersicherheit kann Leben kosten
Das hat bei vielen gewirkt, so auch bei Azubi Gabriel: "Man sieht das sonst immer in Filmen, dass es über Software läuft und er geht einfach ins normale Internet und innerhalb von zwei Sekunden hat er da Kameras offen. Das ist schon gruselig." Gruselig blieb es auch. Bär übernimmt danach noch die Steuerung für einen Hochofen in Nordkorea. Den er so auch zur Explosion bringen könnte.
Bär demonstriert den jungen Leuten, dass Hacking eben nicht wie im Film ist und mit wenig Wissen viel Schaden angerichtet werden kann. Als konkretes Beispiel nennt er seinen Co-Firmengründer. Dessen Frau hätte wegen einer Krebsbehandlung ins Krankenhaus gemusst und konnte nicht behandelt werden, weil dort gerade die Geräte gehackt waren. "Hackingangriffe kosten schon seit einigen Jahren Menschenleben", sagt Immanuel Bär.
Jugendliche sollen gut überlegen, wie sie Daten teilen
Ein weiterer eindrücklicher Moment: Bär fragt die Jugendlichen in der Sporthalle wer seinen Standort über die Social Media Plattform "Snapchat" teile. Rund die Hälfte hebt den Arm. Daraufhin zeigt er, wie viele dieser Daten bereits im Netz zum Verkauf stehen und wie schnell damit der Wohnort der Nutzer und Nutzerinnen ausfindig gemacht werden kann. Mit der Folge, dass es zu Stalking kommt.
Also dem digitalen oder analogen Nachstellen. Zum Beispiel: "Der Schülerin Emma kann passieren, dass Pädophile diese Daten nutzen. Sie gestalked wird. Ein Foto von ihr an der Bushaltestelle gemacht wird. Sie per KI nackt gemacht wird und sie danach Pornodarstellerin ist", sagt Bär. Ein sehr reales Beispiel. Sexualisierte Gewalt im digitalen Raum nimmt drastisch zu. Gerade sogenannte Deepfakes von Frauen.
Tipps für die eigene Cybersicherheit
Immanuel Bärs wichtigste Tipps: Sparsam mit den eigenen Daten umgehen. Bei jeder App-Intallation überlegen, welche Daten möchte ich wirklich preisgeben. Und möchte ich diese Daten wirklich diesem Unternehmen geben, sagt er. Er macht deutlich, dass alles was im Internet vorhanden ist, nur schwer bis unmöglich wieder aus dem Internet zu entfernen ist. Am Ende wisse man nie, wo die Infos landeten.
Der für ihn am einfachsten umsetzbare Tipp ist die zwei Faktor-Authentifizierung für möglichst alle Apps und Plattformen aktivieren. Das würde Angreifern das Leben schwer machen. Die wichtigste Regel sei: "Niemals im Affekt auf irgendwelche Chats oder Anfragen reagieren. Denkt nach, bevor ihr Klickt. Die meisten fallen auf Fake-Mails oder Mobbing-Geschichten in den ersten 25-45 Sekunden rein. Kurz durchatmen und dann nochmal überlegt."
Die Gesellschaft muss wehrhaft werden im digitalen Raum
Die Jugendlichen sollen nicht nur heute "geflashed" sein, sondern das Wissen solle auch in den nächsten Wochen weiterleben, sagt Bär. Alle müssten sich informieren, es gebe mittlerweile sehr gute Informationsquellen, wie man sich schützen könne. "Kein Elternteil kann heutezutage mehr sagen, ich weiß nicht, was ich machen soll. Einfach die Suchmaschine oder die KI benutzen und schreiben: Ich heiße Herman Mustermann, bin 45 Jahre alt und will wissen, wie ich meine Familie schützen kann." Das könne jeder morgen beim Frühstück anfangen, sagt Bär.