Markus Voge zeigt auf ein quadratisches Feld, das stark an die heimische Modelleisenbahn erinnert: Plastik-Bäumchen stehen da neben Modellautos. Windräder aus Holz neben Bauklötzen, die als Häuser dienen. Aber Voge hat kein Faible für Modellbahnen. Er hat einen Doktor in Astrophysik und leitet am Institut für qualifizierende Innovationsforschung und -beratung (IQIB) das sogenannte Innovation Lab. Und das Modell ist auch kein Spielzeug, es zeigt ein virtuelles Kraftwerk.
Nimmt man zum Beispiel ein Windrad aus dem Feld heraus, verändert sich die Leistung, die auf einem angeschlossenen Bildschirm angezeigt wird. "Hier verdeutlichen wir plastisch, wie die Energieversorgung der Zukunft aussehen kann", erklärt Voge. Nur eines von vielen Forschungsfeldern des Instituts, das jetzt im Thermal-Badehaus eingezogen ist.
Seit fast 30 Jahren in Bad Neuenahr-Ahrweiler
Das IQIB blickt auf eine fast drei Jahrzehnte lange Tradition in Bad Neuenahr-Ahrweiler zurück. 1996 noch unter anderem Namen gegründet, steht das IQIB seit 2019 für Forschung zu Zukunftsthemen. Die Wissenschaftler beschäftigen sich unter anderem damit, zukunftsfähige Energiesysteme zu entwerfen, Energienetze belastbarer gegen Naturkatastrophen oder Cyberangriffe zu machen sowie auch mit der Frage, wie Städte und Kommunen smarter werden können.
Außenstelle des DLR in Rheinland-Pfalz
Das IQIB ist eine 100-prozentige Tochter des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR). Als "Stellvertreter des DLR in Rheinland-Pfalz", bezeichnet Co-Geschäftsführer Roman Noetzel sein Institut deshalb auch bei der Eröffnung der neuen Räume im historischen Thermalbad. Es sei ein Wunsch-Standort, betont er gemeinsam mit Co-Geschäftsführer Wigand Fleischer.
Wissenschaftlicher Partner für den Wiederaufbau
Denn spätestens seit der Flutkatastrophe 2021 sind das IQIB und die Kreisstadt Bad Neuenahr-Ahrweiler sehr eng zusammengerückt. Das Institut ist seitdem wissenschaftlicher Partner für den Wiederaufbau im Ahrtal und sorgt als Transferpartner dafür, dass Erkenntnisse aus der Forschung zum Beispiel beim Technischen Hilfswerk (THW), dem Deutschen Roten Kreuz (DRK) und den Freiwilligen Feuerwehren vor Ort in die Praxis überführt werden.
"Wir präsentieren neue Technologien und in Rücksprache mit den Anwendern sind dann Anpassungen möglich."
"Wir präsentieren neue Technologien und in Rücksprache mit den Anwendern sind dann Anpassungen möglich", erklärt Dr. Konstanze Lechner. Sie ist Co-Leiterin des Zentrums für satellitengestützte Kriseninformation (ZKI) im DLR. Das Zentrum kooperiert nach eigenen Angaben eng mit dem IQIB.
Drohnenbilder zur Lagebeurteilung
Ein Forschungsprojekt habe zum Beispiel zum Ziel, während einer Krisenlage mithilfe von Drohnen Echtzeit-Bilder aus der Luft liefern zu können. "Die Drohne kann dabei KI-gestützt erkennen, wo sich Gebäude, Fahrzeuge oder Personen befinden", verdeutlicht Lechner. Erste Drohnen-Gruppen bei den Feuerwehren im Ahrtal seien hieraus hervorgegangen.
40 Forschende auf 1.600 Quadratmetern
Durch das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt, andere öffentliche Stellen und durch Kooperationen mit Wirtschaftsunternehmen sei die Forschung sicher finanziert. Das IQIB betont, langfristig im historischen Thermal-Badehaus und am Standort Bad Neuenahr-Ahrweiler bleiben zu wollen.
In der ersten Etage stehen dem IQIB 1.600 Quadratmeter zur Verfügung. Hier ist Platz für 40 Forschende, Beratungsräume und ein Streaming-Studio für Schulungen und Seminare. Der neue Standort sei ideal, um mit der eigenen Forschungsarbeit nah an den Kommunen im Ahrtal und ihren Themen zu bleiben, sagt IQIB Co-Geschäftsführer Roman Noetzel: "Wir haben die Region im Herzen und die Zukunft im Blick."