Für Denys Ntegerejumukiza startet am ersten August bereits sein drittes Ausbildungsjahr. Nach seinem Bauingenieur-Studium vor rund zwei Jahren war er aus seiner Heimat Ruanda nach Dörth im Hunsrück gekommen, um hier eine Ausbildung zum Metallbauer für Konstruktionstechnik zu beginnen. Er erinnert sich noch gut an den Start in dem für ihn fremden Land: "Am Anfang hat man Angst, zu sprechen und neue Leute kennenzulernen."
Heute fühlt er sich hier wohl. Er hat Freunde gefunden und mag die Arbeit in seinem Ausbildungsbetrieb Reko, einem Hersteller für automatische Türen und Tore in Dörth. Außer ihm werden dort zurzeit vier weitere junge Ruanderinnen und Ruander ausgebildet.
Viele Unternehmen haben noch freie Ausbildungsstellen
Für das Unternehmen sind die ausländischen Azubis ein echter Gewinn, sagt Personalreferentin Carina Landau. Denn "wir haben gemerkt, dass wir auf dem deutschen Azubi-Markt nicht mehr so erfolgreich waren, die Bewerbungen weniger wurden." Das liege neben dem demografischen Wandel auch daran, dass die Konkurrenz um Azubis am Standort Dörth groß ist.
Wir haben gemerkt, dass wir auf dem deutschen Azubi-Markt nicht mehr so erfolgreich waren, die Bewerbungen weniger wurden.
Dort gebe einige deutlich größere Unternehmen. Deswegen sei es für Reko schwer gewesen, geeignete Azubis zu finden. Nach Angaben der Industrie- und Handelskammern in Rheinland-Pfalz geht es vielen Unternehmen so. Zum Ausbildungsstart 2025 sind demnach viele Azubi-Stellen noch unbesetzt.
Ausbildungsprojekt bringt Betriebe und ruandische Bewerber zusammen
Reko hat inzwischen eine Lösung für das Problem gefunden: 2022 sei das Unternehmen auf das Projekt "Spa(n)nende Perspektiven" aufmerksam geworden, sagt Carina Landau. Mit dessen Hilfe werden junge Menschen aus Ruanda an rheinland-pfälzische Firmen für eine Ausbildung vermittelt. Selbsterklärtes Ziel des Projekts ist, junge Menschen aus Ruanda in technischen Berufen auszubilden.
Das solle sowohl helfen, die ruandische Industrie aufzubauen, als auch den Fachkräfte-Mangel in Deutschland abzufedern. Unternehmen mit freien Ausbildungsplätzen werden dabei mit passenden Bewerbern aus Ruanda zusammengebracht. Weil sich so viele bewerben, gibt es einen Auswahlprozess: Die jungen Ruanderinnen und Ruander müssen unter anderem nachweisen, dass sie schon ein bisschen Deutsch sprechen und technische Vorkenntnisse haben.
Ruandische Azubis brauchen anfangs mehr Unterstützung
Personalreferentin Carina Landau sagt, es sei aber auch wichtig, die ruandischen Azubis zusätzlich zu unterstützen. Der angehende Metallbauer Denys Ntegerejumukiza bestätigt das: Als er nach Deutschland kam, war vieles neu für ihn - auch ganz Alltägliches wie Einkaufen gehen oder Bus fahren. Gücklicherweise habe er dabei Hilfe bekommen. Sowohl von den beiden ruandischen Azubis, die schon länger da waren als er, als auch vom Unternehmen selbst.
Beispielsweise geht Carina Landau am Anfang mit zu Behörden oder zur Bank, erzählt sie. Reko stelle den Azubis außerdem eine Werkswohnung. Und weil ruandische Führerscheine in Deutschland nicht anerkannt werden, bietet das Unternehmen auch ein Arbeitgeberdarlehen an, damit die Azubis hier einen Führerschein machen können, wenn sie wollen.
Personalreferentin: Erfahrungen mit ruandischen Azubis überwiegend positiv
Trotzdem lohne sich der Aufwand, meint die Personalreferentin. Das Unternehmen habe überwiegend positive Erfahrungen mit dem Projekt gemacht: "Wir haben jetzt auch den Ersten, der erfolgreich seine Ausbildung sogar mit Verkürzung abgeschlossen hat. Daran sieht man: Auch die schulischen Noten sind sehr gut und von daher sind wir sehr froh, dass wir den Weg gegangen sind."
Es sind super engagierte Mitarbeiter, die ultraschnell lernen und wissbegierig sind.
Der Erfolg war aber nicht von Anfang an klar, sagt Vincent Mittelstädt, Teamleiter der Fertigung: "Als der erste Azubi aus Ruanda gekommen ist, war ich erstmal skeptisch, wie das mit der Kommunikation funktioniert." Es habe sich aber sehr schnell herausgestellt, dass seine Bedenken umsonst waren. "Es sind super engagierte Mitarbeiter, die ultraschnell lernen und wissbegierig sind." Die ruandischen Azubis würden auch jede gebotene Chance wahrnehmen und bereits schon während der Ausbildung über spätere Weiterbildungen nachdenken. "Das kenne ich so von anderen Azubis nicht", sagt Mittelstädt.
Nach der Ausbildung: In Deutschland bleiben oder zurück nach Ruanda?
Ob die Azubis aber auch nach abgeschlossener Ausbildung dauerhaft in Dörth bleiben, muss sich noch zeigen. Bisher ist erst einer von ihnen fertig und er bleibt. Nach seiner Zukunft gefragt, sagt Denys Ntegerejumukiza: "Wenn die Ausbildung vorbei ist, möchte ich weiter arbeiten. Am besten hier, bei Reko."
Vielleicht für fünf Jahre oder mehr, danach wolle er entscheiden, wie es weitergehen soll. Denn irgendwann möchte er schon wieder zurück in seine Heimat Ruanda und da vielleicht eines Tages selbst einen eigenen Betrieb aufbauen.