In Rheinland-Pfalz werden die Beratungsangebote zur Anwerbung von Fachkräften aus dem Ausland ausgebaut. Das soll vor allem kleinen Handwerksbetrieben die Suche nach Personal erleichtern. An vier Orten sollen sogenannte Welcome Center die Firmen durch den Bürokratie-Dschungel lotsen. Aufbauen können die Welcome Center auf Erfahrungen, die die Industrie- und Handelskammern schon seit 2015 mit solchen Centern gemacht haben.
- Warum braucht es Welcome Center?
- Ist die Idee der Welcome Center neu?
- An wen richtet sich das Angebot?
- Wie lange dauert die Betreuung?
- Wie erfolgreich ist das Konzept bisher?
Warum braucht es Welcome Center?
Im Handwerk dominieren kleine Betriebe. Allerdings sei auch hier der Fachkräftemangel das Problem Nummer eins, sagt der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammern Rheinland-Pfalz, Axel Bettendorf. 60 Prozent der Betriebe hätten Schwierigkeiten, Beschäftigte mit abgeschlossener Ausbildung zu finden. Selbst in den osteuropäischen Staaten gebe es inzwischen einen Mangel an Fachkräften. Der Fokus müsse also auf Drittstaaten, also Nicht-EU-Ländern, liegen.
Weil 80 Prozent der Handwerksbetriebe weniger als zehn Mitarbeiter hätten, fehle es vielerorts aber an einer eigenen Personalabteilung, die sich um das komplexe Thema Fachkräfteeinwanderung kümmern könne.
Ist die Idee der Welcome Center neu?
Nein, diese Art von Beratung ist in Rheinland-Pfalz nicht neu: An den Industrie- und Handelskammern in Mainz, Koblenz, Trier und Ludwigshafen gibt es dieses Angebot schon seit 2015.
Neu ist, dass nun vier solche Center an den Handwerkskammer-Standorten Mainz, Koblenz, Trier und Kaiserslautern hinzu kommen. Alle acht Center sollen sich eng miteinander vernetzen. Sie sollen damit eine Art Lotsenfunktion erfüllen, sagt Bettendorf.
An wen richtet sich das Angebot?
Das kostenlose Angebot der Welcome Center richtet sich an Betriebe und an Arbeitskräfte aus dem Ausland - vor allem aus dem EU-Ausland. Hilfe angeboten wird in rechtlichen Fragen, es werden Kontakte geknüpft zur Arbeitsagentur oder zu Ausländerbehörden: "Wir helfen mit ganz konkreten Angeboten die Fachkräfte zu den Betrieben zu bringen und dort zu integrieren", so Bettendorf.
In den Welcome Centern wird an den jeweiligen Standorten jeweils eine Person für die Beratung zuständig sein. Themen der Beratung sind neben der Rekrutierung ausländischer Fachkräfte, unter anderem Arbeits- und Aufenthaltsrecht, die Anerkennung von Qualifikationen und Sprachförderung. Das kann zum Beispiel für Weingüter oder landwirtschaftliche Betriebe interessant sein.
Wichtig sei, dass sich Interessierte gleich zu Beginn meldeten, sagt Susanne Ditzer vom Welcome Center der IHK Koblenz. Manchmal machten sich Unternehmen zunächst ohne Hilfe auf den Weg und wählten nicht unbedingt den besten.
Wie lange dauert die Betreuung durch ein Welcome Center?
Eine Betreuung kann zwischen vier Wochen und einem Jahr dauern. "Jeder Fall ist anders", sagt Arne Rössel, Hauptgeschäftsführer der IHK-Arbeitsgemeinschaft Rheinland-Pfalz. Selbst wenn es zum Abschluss eines Arbeitsvertrages komme, sei nicht alles erledigt. Auch abseits der Arbeit brauche es Unterstützung. Gerade in den ersten Wochen helfe eine Integration in der Region, sagt auch die rheinland-pfälzische Wirtschaftsministerin Daniela Schmitt (FDP). Das könne der Gang zum örtlichen Fußballverein sein und vieles mehr.
Im Kampf um gute Köpfe reiche es nicht mehr, sich nur auf den Arbeitsplatz zu fokussieren, sagt auch die Landesvereinigung Unternehmerverbände (LVU). Es gehe um das Gesamtpaket, insbesondere wenn Fachkräfte mit ihren Familien einwandern. Da müssten die Rahmenbedingungen passen - vom Wohnungsangebot über Kitas und Schulen bis hin zu den Kultur- und Freizeitmöglichkeiten.
Wie erfolgreich ist das Konzept der Welcome Center bisher?
Den Angaben zufolge gab es im vergangenen Jahr 1.100 Beratungsfälle und damit 37 Prozent mehr als 2023. Es gibt also offenbar Bedarf nach solchen Beratungsgesprächen.
Die rheinland-pfälzische Wirtschaftsministerin Daniela Schmitt (FDP) verweist auf eine Umfrage, wonach sechs Prozent der Unternehmen bereits Personal im Ausland rekrutieren und 34 Prozent dies gerne tun würden. Potenzial für die Center sei also vorhanden.