In Mayschoß im Ahrtal haben sich rund 50 Betroffene der Flutkatastrophe versammelt. Eingeladen hat die Initiative Bahnsteig 1, ein Zusammenschluss von Menschen, deren Häuser und Wohnungen bei der Flut zerstört wurden. Bereits ein erstes Treffen im vergangenen Jahr hatte Missstände aufgezeigt. Klar wird am Abend: Viele Anwesende warten weiterhin auf Gelder für zerstörte Häuser und Wohnungen, die sie bei der Investitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz (ISB) beantragt haben.
Ahrflut-Betroffene sind verzweifelt und am Ende ihrer Kräfte
Die Stimmung bei der Veranstaltung war ruhig und geordnet, aber die Menschen schwankten zwischen Verzweiflung und Ärger. Immer wieder berichten Betroffene von sehr ähnlichen Erfahrungen. Monatelanges Warten auf Antworten der ISB, dann mehrfach dieselben Nachfragen. Sie berichten von Unterlagen, die angeblich fehlen oder nicht mehr auffindbar sind und von neuen Gutachten - ohne dass das Verfahren sichtbar voran ginge.
Die Auseinandersetzung mit der ISB ist für die Betroffenen zermürbend
Viele hier sind am Ende ihrer Kräfte. "Erschöpft, müde und manchmal fragt man sich, werden wir das wirklich nochmal hinkriegen, das Haus aufzubauen? Denn je länger das dauert, desto unrealistischer wird das an manchen Tagen einfach für einen." Ein anderer Anwesender ergänzt: "Man sitzt fünf Jahre nach der Flut immer noch da und weiß nicht, wie es weitergehen soll."
Die ISB lässt keine direkte Kommunikation mit Verantwortlichen zu
Die Menschen schildern eine große psychische Last, weil unklar ist, wie es mit ihren Anträgen weitergeht. Sie wünschen sich direkte Kommunikationswege mit der ISB. Nicht nur den Upload von Unterlagen über ein Online-Portal. Häufig genannt wird der Wunsch nach einer festen Ansprechperson zu ihrem Fall bei der ISB. Und dass ihre Gutachter direkt mit den Gutachtern der ISB sprechen können. Das lasse die Bank aber nicht zu, berichten sie.
Thorsten Rech, selbst Betroffener und einer der Organisatoren des Treffens, sieht die Landesregierung in der Pflicht: "Das muss die Landesregierung sein, die das initiiert und anstößt. Das Problem kann man glaube ich nur noch auf Regierungsebene lösen und da liegt der Hebel in Mainz." Er und seine Mitstreiterin Annelise Baltes versuchen seit Monaten Brücken zwischen der ISB, der Politik und den verbleibenden Antragsstellenden zu bauen. Bewegt habe sich aber nur in einigen wenigen Fällen etwas.
Antragsfrist für Fluthilfe im Ahrtal läuft aus
Rech beklagt, dass simple Probleme auf eine sehr komplizierte Art angegangen würden und dass die Initiative gerade der Mittler sei, der eigentlich aus der Politik kommen sollten. Die ISB selbst war bei dem Treffen nicht vertreten. Auf Anfrage des SWR teilte die ISB mit, dass ein direkter Kontakt mit Antragstellenden hilfreich sei, um Verfahrensschritte und Nachforderungen zu erläutern und das weitere Vorgehen aufzuzeigen.
"Dies gelingt wie bei unserem umfangreichen Beratungsangebot sehr gut im 1:1-Kontakt mit den Betroffenen und bezogen auf ihre individuelle Antragssituation. Daher bieten wir weiterhin unsere Austauschformate an, wie zuletzt am 11. Juni in der Kreisverwaltung Ahrweiler durchgeführt. Eine Teilnahme seitens der ISB heute Abend ist daher nicht vorgesehen."
Gerade diese Beratungsangebote bemängeln jedoch die Betroffenen hier. Viele sagen, sie hätten diese wahrgenommen und auch Nachforderungen eingereicht und trotzdem würde es nicht weitergehen. Die Menschen, die sich in Mayschoß versammelt haben, versuchen sich gegenseitig weiter Mut zu machen und hoffen, jetzt noch einmal gehört zu werden.
Antragsfrist für Fluthilfen: Was Betroffene jetzt wissen müssen
Fast fünf Jahre nach der Flut reichen noch immer Betroffene Erst-Anträge ein. Seit März sind bei der ISB noch mehr als 100 Erst-Anträge eingegangen. Für diese läuft nun aber die Frist Ende Juni aus. Wer schon einen Antrag gestellt hat, muss nach Angaben der ISB nichts befürchten. Wer noch keinen Antrag eingereicht hat, sollte das schnell tun. Nach dem 30. Juni soll dies nicht mehr möglich sein.