Videos in sozialen Netzwerken

KI-Fake statt Lost Place: "Burg Falkenruh" bei Cochem gibt es gar nicht

Eine Burg bei Cochem steht zum Verkauf, für schlappe 129.000 Euro. Das klingt zu gut um wahr zu sein - und ist es auch. Das Video, das durch die sozialen Netzwerke geistert, ist KI-generiert. Doch was steckt dahinter?

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Von Autor/in Christina Nover

"Verwunschen über der Mosel thront Burg Falkenruh"... so steht es unter einem Instagram-Reel, das eine Burg wie aus einem Märchen zeigt. Viele Türmchen, Tore und atemberaubende Einblicke ins Innere machen Lust, sich direkt ins Auto zu setzen und die Burg zu besuchen. Doch wer das machen will, der wird enttäuscht.

In Rheinland-Pfalz gibt es bekanntlich viele Burgen. Aber eine Burg "Falkenruh" bei Cochem, von der hat weder der dortige VG-Bürgermeister noch die deutsche Burgenvereinigung gehört. Das Video, das unter anderem von einem Kanal geteilt wurde, der sogenannte "Lost Places" zeigt, ist also offenbar nicht echt, sondern KI-generiert.

Ein Screenshot aus dem Instagram-Reel zur Burg Falkenruh
Screenshot Instagram

Reel zeigt klischeehafte Bilder einer Burg

Verschiedene Dinge machen stutzig. Nicht nur der Kaufpreis für die Burg ist seltsam, sondern auch das angebliche Baujahr 1895. Das Video besteht aus Kamerafahrten durch und über das Gebäude hinweg. Sie zeigen eine Burgküche mit zerbrochenen Gefäßen, ein Schlafgemach mit zerwühltem Bett und sogar ein Verließ mit einem verrosteten Eisenkäfig. Ein wahr gewordenes Klischee.

Es geht darum, Leute auf der Plattform zu halten, neugierig zu machen, die Verweildauer und Klickraten zu erhöhen

"Man muss sich immer fragen: Ist das realistisch, was dort angeboten wird? Kann das echt sein, ja oder nein?", meint Prof. Dr. Bernd Zimmermann von der Hochschule Koblenz. Angesichts von immer besser werdender Technik appelliert er beim Konsum von Internetvideos zur Skepsis: "Das muss ein natürlicher Reflex sein. Das hab' ich ja auch, wenn ich mit meiner Nachbarin spreche und denke: das kann eigentlich nicht stimmen."

Hochschulprofessor Dr. Bernd Zimmermann
Dr. Bernd Zimmermann ist Professor für Wirtschaftsinformatik an der Hochschule Koblenz. Privat

KI-generierte Videos sollen Aufmerksamkeit erwecken

Warum ein solches Deep-Fake-Video, wie das zur Burg Falkenruh produziert wurde, dazu kann Zimmermann nur Mutmaßungen anstellen. Er tippt weniger auf Betrug als eher darauf, Aufmerksamkeit zu erzeugen: "Es geht darum, Leute auf der Plattform zu halten, neugierig zu machen, die Verweildauer und Klickraten zu erhöhen, das ist da eher im Fokus."

Auch Geld ließe sich mitunter schon mit solchen Videos verdienen - dank Werbung - wenn denn genug Menschen sich die Reels denn anschauen. Die Plattformen selbst seien da keine große Hilfe, wie Zimmermann sagt. Es werden zwar Maßnahmen gegen Fakes ergriffen - doch mitunter eher halbherzig. "Diese Plattformen leben davon, dass Menschen möglichst lange da drauf sind und möglichst viele Videos hintereinander schauen."

Echte Burgenverkäufer ärgern sich über Fake-Videos

Während die einen sich an solchen Videos erfreuen, ärgert sich Matthias Helzel regelmäßig, wenn der Algorithmus mal wieder so etwas in seinen Feed spielt. Helzel verkauft tatsächlich Burgen - unter anderem gehört Burg Arras bei Alf an der Mosel dazu. Die Burg wird von der Vermittlung historischer Immobilien OHG für 2,75 Millionen Euro angeboten. Zu den Fake-Anzeigen in den sozialen Medien sagt er: "Es ist erschreckend, wie viel es davon gibt. Einfach dreist."

Burg Arras in Alf an der Mosel
Diese Burg steht wirklich zum Verkauf: Burg Arras in Alf an der Mosel. Pressestelle Vermittlung historischer Immobilien OHG

Immer wenn er über so ein Reel stolpert, meldet er es laut eigenen Aussagen. Doch mit wenig Erfolg: "Bisher kam da immer die Antwort, dass kein Fake feststellbar sei. Man hat das Gefühl, die haben gar kein ehrliches Interesse daran, dass diese Videos verschwinden", so Helzel. Ärgerlich für ihn: Die Reels würden ein komplett falsches Bild von historischen Immobilien vermitteln - vor allem, was die Preise betrifft.

Man hat das Gefühl, die haben gar kein ehrliches Interesse daran, dass diese Videos verschwinden.

"Die Leute fragen mich dann, warum unsere Burg, die wir verkaufen, so teuer ist." Wer wirklich eine Burg kaufen will, dem empfiehlt Helzel daher, Angebote intensiv zu prüfen und die Anbieter zu kontaktieren. Meistens würden diese sich auf Anfragen gar nicht erst zurückmelden.

Fake-Videos gelöscht, Follower sind geblieben

So bleibt auch eine SWR-Anfrage an eine Firma, auf deren Instagram-Kanal das Video mit großer Reichweite veröffentlicht wurde, bislang unbeantwortet. Laut ihrer Webseite sitzt sie in München und wirbt für Investitionen in Immobilien. Bis vor Kurzem waren auf ihrem Kanal noch zahlreiche ähnliche Videos von Burgen, Schlössern und anderen besonderen Objekten aus ganz Deutschland zu sehen - darunter auch eine angeblich verlassene Synagoge in Rheinhessen. Mittlerweile sind alle diese Reels gelöscht und der Kanal wurde umbenannt. Doch die 220.000 Follower sind geblieben.

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Christina Nover
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