Frauen aus Hachenburg im Westerwald fordern, dass sie auch Mitglied der Kirmesgesellschaft werden können. Dafür haben sie eine Petition im Internet gestartet, die rund 1.000 Menschen unterschrieben haben.
"Diese Entscheidung ist nicht nur schwer nachzuvollziehen, sondern zeigt deutlich, dass überholte Strukturen und Denkweisen weiterhin Bestand haben", schreibt die Hachenburgerin Leonie Bürger, die die Online-Petition gestartet hat. Und es widerspreche grundlegenden Werten der heutigen Gesellschaft. Die Initiative solle aber keine Spaltung vorantreiben, sondern zu einer gemeinsamen Lösung beitragen.
Offenes Treffen in Hachenburg war gut besucht
Leonie Bürger und fast 1.000 andere Menschen fordern, dass künftig auch Frauen aufgenommen werden dürfen. Und dass die Satzung der Kirmesgesellschaft dahingehend geändert werden soll. Am 11. April gab es deshalb auch ein offenes Treffen in einem Hachenburger Gasthaus, zu dem laut Bürger rund 70 Interessierte gekommen sind. "Das Treffen lief aus meiner Sicht sehr gut und ich habe auch positives Feedback von vielen bekommen", sagt die Hachenburgerin.
Der Umgang sei überwiegend respektvoll gewesen und manches Missverständnis sei ausgeräumt worden. "Manche Mitglieder der Kirmesgesellschaft fühlten sich zum Beispiel von dem Begriff Frauenfeindlichkeit angegriffen. Das war unsererseits aber nicht persönlich gemeint, sondern bezog sich lediglich auf den Vorgang allgemein", erklärt Leonie Bürger. Die Frauen wollen jetzt weiter mit der Kirmesgesellschaft und dem Stadtbürgermeister Stefan Leukel über das Thema in Kontakt bleiben.
Präsident der Kirmesgesellschaft begrüßt die Initiative
Sascha Jahn wurde bei der jüngsten Sitzung des Vereins zum neuen Präsidenten der Kirmesgesellschaft Hachenburg gewählt. Er begrüßt und unterstützt die Initiative der Frauen. "Das zeigt ja auch, dass es unsererseits richtig war, die Öffnung für Frauen innerhalb des Vereins anzustoßen." Er selbst habe das Thema in den vergangenen Jahren mit vorangetrieben. "Es hätte mich gewundert, wenn das Ergebnis der Abstimmung keine Reaktionen hervorgerufen hätte."
Bei der jüngsten Sitzung des Vereins wurde geheim über die Aufnahme von Frauen abgestimmt. Rund 80 Mitglieder haben dafür gestimmt, rund 50 dagegen. Laut Jahn ist eine Zweidrittelmehrheit für den Beschluss nötig. "Vielleicht haben wir in dem Prozess nicht alle Mitglieder abgeholt."
Jahn wünscht sich, dass alle Beteiligten jetzt weiter sachlich mit dem Thema umgehen und dass der Verein daran nicht zerbricht. Die Kirmesgesellschaft plant deshalb bald eine vereinsinterne Versammlung, um weiter über die Aufnahme von Frauen zu diskutieren. Der Verein besteht seit 1952, seitdem dürfen dort nur Männer als Mitglied aufgenommen werden.