Nach Jahrzehnten des Verhandelns ist das Mercosur-Abkommen nun unterschrieben. Das Abkommen zwischen der EU und vier südamerikanischen Staaten könnte dazu führen, dass Verbraucher bald beim Einkaufen weniger für importierte südamerikanische Produkte zahlen müssen. Dazu gehören Kaffee, Zucker, Obst oder südamerikanisches Fleisch.
Weinbau als mögliche Gewinner-Branche
Und dann gibt es noch eine Gewinner-Branche: Den Weinbau. Durch das Abkommen werden nämlich die Zölle auf Weinexporte nach Südamerika wegfallen und die Importe werden vereinfacht. Die Weinbauverbände setzen große Hoffnung darauf, dass sie dadurch neue Abnehmer für ihre Weine finden. Christian Schwörer, der Generalsekretär Deutscher Weinbauverband & Geschäftsführer Verband Deutscher Weinexporteure, teilte dem SWR schriftlich mit:
Für die Weinwirtschaft bringt das Mercosur-Abkommen spürbare Vorteile.
"Für die Weinwirtschaft bringt das Mercosur-Abkommen spürbare Vorteile: Die Abschaffung der bislang sehr hohen Zölle, insbesondere des brasilianischen Zollsatzes von 27 Prozent auf EU-Weine, der verbesserte Schutz geografischer Angaben sowie vereinfachte Importverfahren stärken die Wettbewerbsfähigkeit deutscher und europäischer Weine nachhaltig", so Schwörer. Brasilien sei ein wachsender Markt, auf dem europäische Weine hohe Anerkennung genießen und der wichtige Exportperspektiven eröffne.
Vorteile gibt es auch für verschiedene Branchen, die im Südwesten stark vertreten sind, zum Beispiel die Automobilbranche und die Chemiebranche. Bislang müssen Importeure von EU-Waren zum Teil sehr hohe Zölle zahlen, die der Wettbewerbsfähigkeit schaden. Auf Autos sind es beispielsweise 35 Prozent, auf Maschinen 14 bis 20 Prozent und auf Chemikalien bis zu 18 Prozent. Die Zölle sollen nun schrittweise abgebaut werden.
Mercosur: Mögliche Verlierer in der Landwirtschaft
Doch nicht alle landwirtschaftlichen Betriebe schauen positiv auf das Abkommen. In Europa sind in den letzten Wochen vielerorts Landwirte auf die Straße gegangen, um ihre Sorgen rund um das Mercosur-Abkommen kundzutun. Auch in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg sorgt das Abkommen bei landwirtschaftlichen Betrieben für Unruhe.
Walter Manz aus Rheinhessen baut Zuckerrüben an. Seine Branche wird wohl zu den Verlierern des Abkommens gehören. Denn wenn die Zölle auf südamerikanische Agrarprodukte fallen, könnten bald große Mengen Rohrzucker aus Brasilien dem deutschen Rübenzucker den Preiskampf ansagen. Walter Manz findet, dass die Politik den Befürchtungen seiner Branche nicht ausreichend Beachtung schenkt.
Kritik des Bauernverbandes an Mercosur-Abkommen
Dabei hat die EU-Kommission versucht, die Gemüter in der Landwirtschaft zu beruhigen - zum Beispiel durch die Aussicht auf Schutzklauseln, die neue Zölle erlauben, etwa wenn die Preise zu stark fallen. Der Präsident des Deutschen Bauernverbandes Joachim Rukwied hält alle bisherigen Vorschläge der EU aber für unzureichend: "Wir sind grundsätzlich für Freihandel, Freihandel braucht aber auch einen entsprechenden Rahmen und der ist leider bei Mercosur, was den Agrarteil anbelangt, nicht gegeben." Der Verband drängt auf feste Zusagen für finanzielle Unterstützung für die Landwirtschaft seitens der EU.
Ähnlich ist die Haltung des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Pfalz Süd: Der Verband lehne den Agrarteil des Mercosur-Abkommens weiterhin ab, sagte der stellvertretende Geschäftsfüher Andreas Köhr auf SWR-Nachfrage. Grund seien die großen Unterschiede bei Produktionskosten und insbesondere bei den Produktionsstandards zwischen den beiden Wirtschaftsräumen in der Landwirtschaft.
Rindfleisch-Preise aus Südamerika schwer zu unterbieten
Neben Zuckerrüben-Bauern müssen auch viele Tierhalter mit Konkurrenz rechnen. Denn künftig wird mehr Rindfleisch und Geflügel aus Südamerika im deutschen Handel landen. Gerade die Rindfleisch-Preise in den Mercosur-Staaten sind für europäische Viehhalter schwer zu unterbieten.
Agrarökonom Sebastian Hess von der Universität Hohenheim gibt allerdings zu bedenken, dass die landwirtschaftlichen Betriebe viel Zeit hatten, um sich auf die Konkurrenz aus Übersee vorzubereiten: "Man hat über 20 Jahre an diesem Abkommen verhandelt. Es stand immer im Raum und es war immer klar, dass eben der Rindfleischsektor in Europa möglicherweise aus anderen Erdteilen wie zum Beispiel Südamerika erhebliche Konkurrenz erwarten könnte."
Landwirtschaftsverbände halten dagegen und beklagen unfairen Wettbewerb. Richtig ist: Mastbetriebe innerhalb der EU müssen strengere Tierschutz- und Umweltstandards erfüllen als die südamerikanische Konkurrenz.
Natürlich gelten die Import-Standards der EU auch für die südamerikanischen Erzeuger. Die Agrarbranche fordert aber, diese zu verschärfen. Damit zum Beispiel keine Produkte in die EU gelangen, die mit Pestiziden behandelt wurden, die Ackerbauer hierzulande gar nicht anwenden dürfen. Und sie weisen darauf hin, dass die Import-Regeln auch effektiv kontrolliert werden müssen.
Manche Branchen stark betroffen, andere ohne große Auswirkungen
Mit mehr Konkurrenz müssen neben Fleisch- und Zucker-Erzeugern auch Betriebe rechnen, die Mais, Eier oder Bioethanol produzieren. Daneben gibt es aber auch Landwirte, für die es keine großen Auswirkungen geben wird. Im besonders für die Pfalz oder Südbaden wichtigen Gemüsebau zum Beispiel wird sich vermutlich wenig verändern. Frischer Salat, Frühlingszwiebeln oder Kohlköpfe werden wohl auch in Zukunft nicht über den Ozean zu uns transportiert.