Rosige Haut, niedlicher Pulli, weiße Windel: Vom Kopf abwärts sieht die Schüttelpuppe der Kinderklinik im Koblenzer Kemperhof aus wie ein normales Baby. Wer nur den Kopf sieht, könnte allerdings auch an den Terminator oder an Außerirdische denken. Denn der ist aus Plexiglas und ganz bewusst durchsichtig. Darin sieht man ein Gehirn aus dunkelrotem Plastik. Und wenn es durch Schütteln "Schaden" nimmt, dann leuchten LEDs auf.
Schüttelpuppe ist seit Mitte Februar im Einsatz
Die Schüttelpuppe gibt es seit rund zwei Monaten in der Kinderklinik. Sie ist eine Spende des Löhr Centers und wird in Präventionskursen dazu genutzt, werdende und junge Eltern über die Gefahren eines Schütteltraumas bei Babys aufzuklären. "Jahr für Jahr werden bei uns zwei bis drei Kinder mit Schütteltrauma eingeliefert. Jedes Kind ist eines zu viel", sagt Oberarzt Thomas Hoppen. Er leitet die Kurse regelmäßig.
Am 8. April sind dafür mehr als 20 Teilnehmende in die Kinderklinik gekommen. Alle mit ähnlicher Motivation. "Man hat immer Angst, etwas falsch zu machen, wenn man es noch nicht selbst durchlebt hat", erklärt die Teilnehmerin Lena aus Bendorf. Und Ole aus Koblenz sagt, Ausnahmesituationen könnten einen "schnell überfallen. Deshalb mache ich diesen Kurs." Die Kurse sollen allgemeines Wissen zu Notfällen mit Kindern vermitteln. Direkt zu Beginn wird die Schüttelpuppe demonstriert.
Puppe schreit auf Knopfdruck
Oberärztin Kathrin Wittig drückt auf einen Knopf am Rücken und die Puppe fängt an zu schreien. Dann schüttelt die Ärztin sie ein erstes Mal: "Mit dem bisschen, was ich jetzt geschüttelt habe, ist hier im hinteren Teil des Gehirns, wo vor allen Dingen das Sehzentrum ist, Schaden entstanden." Am Hinterkopf flackert eine LED, Wittig schüttelt weiter, jetzt blinkt es an der Stirn der Puppe: "Da sitzen Emotionen, Gedächtnis. Wenn es dann noch schlimmer wird, nimmt das gesamte Gehirn Schaden. Und was Sie gemerkt haben: Das Kind ist jetzt ruhig.“
Nicht nur die Puppe ist verstummt, sondern auch die Teilnehmer. Die Schocktherapie hat gewirkt. "Es sah von weitem gar nicht so heftig aus, wie es geschüttelt wurde", beschreibt eine Teilnehmerin. Und eben das soll die Puppe leisten. Aufzeigen, dass schon ganz wenig ausreichen kann, um das eigene Kind schlimm zu verletzen.
Schütteltrauma kann tödlich enden
Laut dem Nationalen Zentrum Frühe Hilfen sind misshandlungsbedingte Kopfverletzungen, zu denen in erster Linie das Schütteltrauma zählt, bei Säuglingen und Kleinkindern die häufigste nicht natürliche Todesursache. "Deshalb betreiben wir Prävention", sagt Oberärztin Kathrin Wittig.
Das Kind einfach auf den Arm der anderen Person geben oder auch schlicht mal ablegen und Abstand nehmen. Das ist ein Weg, um Schlimmeres zu vermeiden.
Ihr Kollege Thomas Hoppen rät Eltern, sich in Ausnahmesituationen Hilfe zu holen. Zum Beispiel vom eigenen Partner oder auch einfach von einer lieben Nachbarin: "Dann sollte man gucken, ob noch jemand zweites in der Nähe ist. Das Kind einfach auf den Arm der anderen Person geben oder auch schlicht mal ablegen und Abstand nehmen. Das klingt jetzt etwas kalt, aber es ist ein Weg, um Schlimmeres zu vermeiden."
Weitere Kurse geplant
Die Kurse mit der Puppe, die die Kinderklinik in Zusammenarbeit mit dem Verein Basis e.V. für werdende Eltern anbietet, sollen fortgeführt werden. Ein Termin im zweiten Halbjahr 2026 ist schon fix. Interessierte können sich dafür bei der Elternschule der Kinderklinik im Kemperhof anmelden.