Wie das Wasser- und Schifffahrtsamt dem SWR mitteilte, werden zunächst nur Schiffe geschleust, die moselabwärts unterwegs sind. Nach jedem Schiff muss das Tor wieder begutachtet werden. Die Schleusung des ersten Schiffs am Samstag hatte 45 Minuten gedauert.
Schleusungen flussaufwärts schwieriger
Ab Dienstag könnten dann eventuell auch Schiffe flussaufwärts die Schleuse passieren, hieß es. Da stromaufwärts ein größerer Wasserdruck auf dem defekten Tor laste, seien diese Schleusungen schwieriger. Am Dienstag soll es nochmal eine Krisenstabssitzung geben, so das Wasser- und Schifffahrtsamt. Auch das Tor werde nochmal durch Taucher begutachtet. Wenn dann alles gut sei, könne am Dienstagnachmittag das erste Schiff bergauf geschleust werden.
Berichte, dass keine Passagierschiffe geschleust werden, korrigierte die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (WSV). Ein Mitarbeiter sagte dem SWR am Samstag, dass sie zwar keinen Tagesbetrieb schleusen werden, aber Kabinenschiffe schon - nur müssen die Passagiere vorher runter. Mehrere Schiffe mit jeweils über 100 Passagieren hängen an der Mosel fest. "Die Stimmung an Bord ist angespannt", sagte einer der Kapitäne dem SWR.
Neues Tor wird Ende September erwartet
Den Angaben zufolge wurde das beschädigte Schleusentor weitestgehend repariert. Auch wenn ein neues Tor nicht auf Lager liegt, ist zumindest eines für Aldegund schon im Bau: "Dieses Tor war schon geplant, bevor diese Havarie in Müden war. Dieses Tor wird demnächst fertig, erklärte Stephan Momper, Leiter der Wasserstraßen- und Schifffahrtsamts Mosel-Saar-Lahn. Man gehe davon aus, dass das Tor Ende September oder Anfang Oktober eingebaut werden könne. Danach könne der Betrieb wieder normal laufen.
Auswirkungen des Schiffsunfalls Trotz Testschleusungen: Ärger bei Mosel-Kreuzfahrt-Touristen
Nach der Sperrung der Schleuse Sankt Aldegund liegen mehrere Kreuzfahrtschiffe an der Mosel vor Anker. Hunderte Touristen, viele aus den USA wissen nicht, ob ihre Reise weitergeht.
Erreichen Kreuzfahrtschiffe ihr Ziel?
Auf einem der Kreuzfahrtschiffe sind internationale Passagiere, die eine Tour von Luxemburg nach Nürnberg gebucht haben. Einige sind mit dem Flugzeug angereist und stecken jetzt auf der Mosel fest. Wenn es mit der Schleusung noch länger dauere, komme das Schiff vielleicht gar nicht mehr in Nürnberg an. Die Ungewissheit sei sowohl für die Passagiere als auch für die Crew ein Problem.
Auch Mosel-Rundfahrten betroffen
Auch die Moselrundfahrten für Touristen sind vom Ausfall der Schleuse Sankt Aldegund betroffen. Nach Angaben der Firma Gebrüder Kolb sei der Ausfall aber gering. Auf zwei Routen könnten drei Anlegestellen nicht angefahren werden. Daher würden die Fahrten kürzer.
Der Großteil der Verbindungen könne wie geplant stattfinden. Die Betreiber des Moselhafens Mertert in Luxemburg glauben, dass die Auswirkungen für das Frachtgeschäft überschaubar bleiben.
Wir sind optimistisch und gehen davon aus, dass sich die Situation nächste Woche normalisiert.
Hafenchef Gilles Braquet sagte dem SWR, dass die Ausfälle im Moment gering seien. "Wir reden hier über eine Handvoll Schiffe, die betroffen sind. Wir sind noch immer optimistisch und gehen davon aus, dass sich die Situation nächste Woche normalisiert."
Braquet fordert allerdings, dass man an der Mosel dringend darüber reden müsse, wie man auf solche Vorfälle besser vorbereitet sein könne. "Da wo es keine zwei Schleusenkammern gibt, ist man natürlich anfälliger für solche Unfälle." Der Ausbau der Schleusen sei daher wichtig für die Mosel.
Kreuzfahrtschiff rammte Tor
Ein Kreuzfahrtschiff war am Mittwochnachmittag mit dem Tor der Schleuse Sankt Aldegund (Landkreis Cochem-Zell) kollidiert. Danach musste der Schleusenbetrieb komplett eingestellt werden. Der Reiseveranstalter hat die 128 Passagiere am Donnerstagvormittag mit Bussen zum Ziel des Schiffs nach Düsseldorf gebracht.
Am Beispiel der Schleuse in Lehmen Darum dauert der Ausbau der Moselschleusen so lange
Nach dem Schleusenunfall in Müden auf der Mosel wird deutlich, wie wichtig der Ausbau der Schleusen wäre. Manches Projekt dauert schon Jahre. Warum geht es nicht voran?
Erinnerung an Unfall an Moselschleuse Müden
Erst im vergangenen Dezember hatte ein Unfall an der Moselschleuse bei Müden für bundesweites Aufsehen gesorgt. Damals war ein Frachter mit eingeschaltetem Autopilot ungebremst in die Schleuse gefahren. In einem bislang einzigartigen Verfahren wurden anschließend etwa 70 Frachter notgeschleust. Anfang Februar konnten wieder regulär Schiffe durch die reparierte Schleuse fahren.