Rund um den Koblenzer Hauptbahnhof haben sich am Freitag ab 10 Uhr Schülerinnen und Schüler verschiedener Gymnasien, berufsbildender Schulen und Gesamtschulen aus Koblenz zu einer Kundgebung gegen die mögliche Wiedereinführung der Wehrpflicht versammelt. Anschließend brachen sie zu einem Protestmarsch durch die Stadt auf. Der Schulstreik ist Teil eines bundesweiten Aktionstags, zu dem Initiativen in mehreren Städten aufgerufen haben.
Die Polizei hat nach eigenen Angaben etwa 200 Teilnehmende gezählt. Der Demonstrationszug führte vom Bahnhofsvorplatz über den Markenbildchenweg, die Kurfürstenstraße und die Rizzastraße bis zum Löhrrondell. Entlang der Strecke gab es kurzfristige Sperrungen. Die Schülerinnen und Schüler wollen sich mit der Demonstration gegen das neue Wehrdienstmodell wehren, das im Januar 2026 eingeführt werden soll. Organisiert wurde der Protest von einer Koblenzer Schülerinitiative.
Organisatoren kritisieren mangelnde Mitbestimmung
Immer wieder riefen die Demonstrierenden Slogans wie "Bundeswehr! Raus aus den Schulen", oder "Eure Kriege, eure Waffen, werden keinen Frieden schaffen". Viele kritisierten, dass sie von einer möglichen Reaktivierung der Wehrpflicht betroffen wären, ohne jemals politisch mitbestimmt haben zu dürfen.
"Wir durften noch keine einzige Bundestagswahl mitmachen, jetzt sollen wir aber als erste eingezogen werden", sagt einer der Organisatoren der Demonstration, Leo Reinemann vom Eichendorff-Gymnasium. Das halte er für ungerecht.
Schüler fordern mehr Investitionen in Bildung
Die Schülerinitiative, die den Protest organisiert hat, fordert Investitionen in moderne Bildung und bessere Zukunftsperspektiven, statt einer Rückkehr zur Wehrpflicht. Diese könne sogar zusätzliche Mittel aus dem Bildungsbereich abziehen, argumentieren sie unter Verweis auf eine Analyse des ifo-Instituts.
Sicherheitspolitische Argumente überzeugen die Demonstrierenden dagegen nicht. Aufrüstung verhindere keine Kriege, so Reinemann. Teilnehmende warnten davor, eine "Generation von Kindern in den Krieg zu schicken" und sprachen sich für diplomatische Bemühungen aus. Am Straßenrand äußerten einige Passanten hingegen Unverständnis über die ablehnende Haltung der Jugendlichen gegenüber dem Wehrdienst.
Kein Konzept für Sicherheitspolitik
"Unsere Zukunft wird nicht gesichert, wenn Milliarden in die Bundeswehr fließen, während bei uns an Schulen gespart wird. Wir brauchen moderne Bildung, echte Chancen - nicht neue Pflichten", sagt Leo Reinemann im Gespräch mit dem SWR.
Schüler aus Koblenz: "Wir wollen nicht in den Schützengraben springen"
Das häufig genannte sicherheitspolitische Argument kontert er aus Sicht der Jugendlichen. Sie würden nicht daran glauben, dass "der Russe bald an der Grenze steht". Mehr Aufrüstung würde keine Kriege verhindern. "Wichtig ist Diplomatie. Und dass man die Gewaltspirale stoppt."