Wehrdienst nach dem Schulende? Das wollen viele Schülerinnen und Schüler nicht. In Rheinland-Pfalz wurde deshalb demonstriert - unter anderem in Koblenz, Landau und in Trier. In Koblenz und Trier versammelten sich nach Angaben der Polizei jeweils rund 200 Schülerinnen und Schüler, in Landau waren es etwa 150. In der Landeshauptstadt Mainz wurde gleich mehrmals demonstriert - am Mittag und am Abend.
"Wehrpflicht"-Streik auch von Landesschülervertretung unterstützt
Die demonstrierenden Schüler werden auch von ihren Interessensvertretern unterstützt; die Landesschülerinnen- und Landesschülervertretung (LSV) spricht sich klar gegen eine Wiedereinführung der Wehrpflicht oder einer allgemeinen Dienstpflicht aus. Auch wenn es in dem Wehrdienstgesetz, das der Bundestag heute verabschiedet hat, keine Wehrpflicht gibt, wollen die Jugendlichen schon heute ihre Position klarmachen. Die Demonstrierenden lehnen das Wehrdienstmodernisierungsgesetz ab.
Die Protestaktionen werden zwar nicht von der LSV mitgestaltet. "Jedoch unterstützen wir die Meinung, dass die Wehrpflicht auch in der von der Bundesregierung vorgestellten Form nicht wieder eingeführt werden soll", erklärt eine LSV-Sprecherin.
Protest gegen Kaserne - für Zukunftsperspektive
"Wir wollen nicht als Kanonenfutter enden", heißt es auf Instagram in einem Aufruf der Organisatoren. "Wir schauen nicht stumm zu wie wir und unsere Freunde per Los zum Töten und Sterben gezwungen werden", schreiben die Protestierenden. Sie wollen nicht zu Drill und Gehorsam gezwungen werden und töten lernen. Krieg sei keine Zukunftsperspektive und zerstöre die Lebensgrundlage.
Wir fühlen uns als Generation vernachlässigt und wir sehen es als Generation dann nicht ein, für die Bundesregierung in den Schützengraben zu springen.
Leo Reinemann, der Versammlungsleiter des Streiks in Koblenz, sagt, es sei unrealistisch, dass wegen der Streiks das Wehrdienstmodernisierungsgesetz nicht verabschiedet werde. Aber die Streiks seien ein Zeichen an den Bundestag, dass die Generation sich vernachlässigt fühle und nicht bereit sei für die Bundesregierung in den Schützengraben zu springen.
Gesetzentwurf für Wehrdienst vom Kabinett beschlossen So finden Schüler aus Ludwigshafen das neue Gesetz zum Wehrdienst
Das Bundeskabinett will ein neues Gesetz zum Wehrdienst schaffen. Was halten betroffene Schülerinnen und Schüler aus Ludwigshafen davon?
Lehrerverband für Engagement gegen Streik
Der Philologenverband und das rheinland-pfälzische Bildungsministerium teilen mit, dass ein Schülerstreik die Falschen treffe. Man begrüße Engagement für Demokratie und Mitdiskutieren. "Es ist grundsätzlich legitim, seinem Anliegen Gehör zu verschaffen", so Cornelia Schwartz, Landesvorsitzende des Philologenverbandes.
Interview mit einem Streik-Organisator Schüler aus Koblenz: "Wir wollen nicht in den Schützengraben springen"
Aus Protest gegen das Gesetz zum Wehrdienst haben Jugendliche in mehreren Städten für heute zum Schulstreik aufgerufen. Einer der Organisatoren erklärt, warum.
Es ist grundsätzlich legitim, seinen Anliegen Gehör zu verschaffen – zur Mitsprache im demokratischen Prozess möchten wir unsere Schülerinnen und Schüler ja auch durchaus erziehe
Die Leidtragenden des Streiks während der Schulzeit seien allerdings Lehrkräfte und die Schüler und Schülerinnen selbst. Denn sie müssten Verpasstes nachholen.