Beispiel für andere Kommunen?

In Bad Hönningen entstehen Sozialwohnungen im Einkaufscenter

Bad Hönningen hat mit Leerstand zu kämpfen, auch in einem markanten Gebäude. Im Bad Hönninger Forum stehen schon länger Ladenlokale leer, jetzt entstehen hier Sozialwohnungen.

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Eine Bäckerei, eine Postfiliale und ein Kampfsport-Studio im ersten Obergeschoss: So sah zuletzt das Angebot im Bad Hönninger Forum im Kreis Neuwied aus. Aber die Shopping-Welt wandelt sich: Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes kaufen seit Jahren immer mehr Menschen online ein - 2024 bestellten demnach vier von fünf Erwachsenen im Internet.

Investor Paul Sauermann (von links) und Beigeordneter Werner Lahme (CDU) vor der Baustelle in Bad Hönningen.
Investor Paul Sauermann (von links) und Beigeordneter Werner Lahme (CDU) vor der Baustelle in Bad Hönningen.

Das spürt auch das kleine Einkaufscenter in Bad Hönningen. Die Postfiliale ist geschlossen, das Sportstudio 2023 ausgezogen. Nur ein Küchenstudio und die Bäckerei sind geblieben, ansonsten herrscht hier Leerstand in guter Lage. Investor Paul Sauermann, der selbst aus Bad Hönningen stammt, wollte das nicht länger mit ansehen. Er baut hier seit September 2025 zusammen mit einem Geschäftspartner 17 neue Wohnungen - Sozialwohnungen wohlgemerkt und keine Luxusappartements.

Förderung macht das Projekt attraktiv

Bis Frühjahr 2027 sollen die Wohnungen fertiggestellt werden. Acht sollen im bereits entkernten Obergeschoss entstehen, weitere neun in einem zusätzlichen, zweiten Stockwerk. "Die Aufstockung wird in Holzbauweise erfolgen. Zum einen aus Gewichtsgründen, zum anderen lassen sich durch die Dämmung besser die Standards einhalten", erklärt Investor Paul Sauermann.

Denn: Das Projekt erhält unter anderem eine KfW-Förderung, die an eine energetische Sanierung gebunden ist. Weiterhin stellt die Investitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz (ISB) Mittel zur Verfügung. Nach Angaben der ISB handelt es sich um ein Darlehen von rund 3,3 Millionen Euro sowie Tilgungszuschüsse von rund 1,5 Millionen Euro. Sauermann sagt, das Förderangebot sei ein entscheidendes Kriterium dafür gewesen, dass er sich mit seinem Partner für sozialen Wohnungsbau entschieden habe.

Investor: Sozialwohnungen finden garantiert Mieter

"Bad Hönningen hat sehr viele Wohnungssuchende und deshalb auch eine sehr gute Förderstufe im sozialen Wohnungsbau", erklärt der Investor. Sauermann sagt: Sozialer Wohnungsbau ohne Förderung würde sich erst gar nicht rechnen. Um die Förderung zu erhalten, haben sich die Bauherren zu einer Mietpreisbindung über 7 Euro pro Quadratmeter für 30 Jahre verpflichtet.

Das Angebot des sozialen Wohnungsbaus hat es für uns finanziell sinnvoll gemacht.

Ohne Förderung, rechnet Sauermann vor, hätte er 15 Euro pro Quadratmeter nehmen müssen. Ein zu hohes Risiko in der kleinen Stadt Bad Hönningen, meint er: "Das Angebot des sozialen Wohnungsbaus hat es für uns finanziell sinnvoll gemacht. Wenn man in Bad Hönningen neu baut, sind hohe Mieten schwierig einzunehmen."

Beigeordneter: Bedarf in Bad Hönningen ist gegeben

Die Stadt Bad Hönningen heißt das Engagement des Investors willkommen. Der erste Beigeordnete Werner Lahme (CDU) bestätigt dem SWR: "Wir begrüßen das, denn im sozialen Wohnungsbau ist ein großer Bedarf." Die Stadt habe hierfür nicht die Mittel und nach Ansicht des Beigeordneten sei die Aufgabe des sozialen Wohnungsbaus ohnehin besser bei einem privaten Investor aufgehoben: "Der Staat sollte sich aus solchen Projekten raushalten. Ein privater Investor ist freier in seinen Entscheidungen."

Landesweit fehlen immer mehr Sozialwohnungen

Im Vergleich der vergangenen zehn Jahre hat sich die Zahl neu gebauter und geförderter Sozialwohnungen in Rheinland-Pfalz fast verdoppelt. 2024 sind laut einer Studie des Pestel-Instituts 1.041 neue Sozialwohnungen gebaut worden, 2017 waren es demnach noch 553 gewesen. Obwohl mehr gebaut wird, gibt es mittlerweile trotzdem immer weniger Sozialwohnungen im Land.

Gab es 2017 noch fast 60.000 Sozialwohnungen in Rheinland-Pfalz, waren es Ende 2024 nur noch knapp 36.000. Denn: Es fallen mehr Wohnungen aus der Mietpreisbindung raus als neu gebaut werden. Ohne gedeckelten Mietpreis dürfen die Wohnungen wieder auf dem freien Markt angeboten werden und zählen damit nicht mehr als Sozialwohnungen.

Investor: Zu viel Bürokratie bremst sozialen Wohnungsbau

Der Bad Hönninger Investor Paul Sauermann ist der Meinung, dass teils zu kurzfristig angesetzte Förderprogramme und hohe bürokratische Hürden in der Vergangenheit den sozialen Wohnungsbau im Land ausgebremst haben: "Es muss um einiges einfacher und schneller sein, Baugenehmigungen und Förderzusagen zu erhalten."

Auch er habe bereits 2023 Anträge gestellt und zunächst lange auf Rückmeldungen gewartet: "Zweieinhalb Jahre hat es bei uns gedauert. Das macht es schon sehr schwierig, eine Planung umzusetzen." Damit Projekte wie seines auch auf andere Kommunen mit Leerstand übertragbar werden, bräuchten Bauherren mehr Sicherheiten: "Man weiß nie, wie lange ein Förderprogramm noch läuft. Niemand steckt viel Arbeit in ein Projekt, von dem er nicht weiß, ob er dafür in Zukunft noch eine Förderung erhält."

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SWR

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