Claudia Herok-Stahl steht im Kleiderladen der Caritas in Koblenz vor einem großen Haufen aus Kleidersäcken. "Das sind alles Kleidungsstücke, die wir nicht verwerten können, die müssen wir stattdessen auf eigene Kosten entsorgen", sagt die Leiterin des Kleiderladens. Rund acht Tonnen unbrauchbare Kleidung kommen dort jeden Monat zusammen.
Unbekannte laden Kleidersäcke einfach vor der Tür ab
"Es kommt mittlerweile regelmäßig vor, dass Unbekannte außerhalb unserer Geschäftszeiten säckeweise Altkleider vor unserer Tür abladen", sagt Herok-Stahl. Teilweise sind das die Kleider einer ganzen Haushaltsauflösung. Viel zu viele Kleider, die für den Kleiderladen oft nicht zu gebrauchen sind.
"Wir können grundsätzlich nur saubere und unbeschädigte Kleidung bei uns im Laden an bedürftige Menschen verkaufen", erklärt Claudia Herok-Stahl. Der Kleiderladen habe keine Möglichkeit die Kleidung zu waschen oder zu reparieren. Nur etwa zwölf Prozent der gespendeten Kleidung kann der Caritas Kleiderladen verwerten, der Rest muss entsorgt werden, sagt die Leiterin.
Ein weiteres Problem: Die Qualität der Kleidung allgemein habe stark abgenommen, so Herok-Stahl. "Viele Kleidungsstücke bestehen heute aus Kunststoffen, die nicht recycelt werden können. Die können dann teils nur noch verbrannt werden."
AWO-Kleiderkammer in Remagen mit ähnlichen Problemen
Auch bei der Kleiderkammer der Arbeiterwohlfahrt (AWO) in Remagen kennt man diese Probleme. Auch dort stellen Unbekannte regelmäßig Kleidersäcke vor der Tür ab. Und auch dort sind viele unbrauchbare Kleidungsstücke dabei, die die Kleiderkammer nicht gebrauchen kann. Die Kleiderkammer denkt nach eigenen Angaben bereits über eine Videoüberwachung nach.
"Unsere ehrenamtlichen Mitarbeiter müssen diese unbrauchbaren Kleider dann zu öffentlichen Altkleidercontainern bringen", erklärt Christian Reuther vom AWO-Ortsverein Remagen-Kripp. Denn die Kleiderkammer hat keine eigene Infrastruktur, um die Kleidung selbst zu entsorgen. "Weil die Altkleidercontainer oft überfüllt sind, kommt es vor, dass unsere Mitarbeiter mehrere Container anfahren müssen, um alle Säcke zu entsorgen", so Reuther.
Altkleidercontainer oft überfüllt und vermüllt
Dass die Altkleidercontainer in der Region oft überfüllt sind, bestätigt auch die Malteser Diözese in Mainz. Die Malteser betreiben nach eigenen Angaben 1.200 Altkleidercontainer in Rheinland-Pfalz. "Wo früher zwei Container standen, steht heute oft nur noch einer. Um diesen herum stapeln sich Säcke, die häufig aufgerissen werden", teilen die Malteser mit. Darüber hinaus würden die Plätze immer häufiger zu Müllhalden verkommen.
Probleme entstehen laut den Maltesern nicht nur durch qualitativ schlechte, verdreckte oder kaputte Kleidung, sondern auch durch den Einwurf von Gegenständen, die nicht in den Altkleidercontainer gehören – zum Beispiel Teppiche, Spielzeug, Müll, Sperrmüll oder Elektroschrott. All das muss von den Leerungsteams zeitaufwändig sortiert und beim öffentlichen Entsorger kostenpflichtig entsorgt werden.