Wohin mit alten Klamotten in der Vorder- und Südpfalz?

Altkleider-Problem in der Pfalz: Landkreise finden keine Recycling-Firma

Große Altkleidersammler und Recycler sind pleite oder bauen zumindest einige Container ab. In der Vorder- und Südpfalz bekommen Bürger und Kommunen erste Folgen zu spüren.

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Von Autor/in Birgit Baltes

In der Vorder- und Südpfalz sind sich viele kommunale Entsorger einig, dass es ein Problem mit der Altkleidersammlung gibt. Ein Grund dafür ist ein neues EU-Gesetz.

Demnach dürfen auch verschlissene und kaputte Kleider nicht mehr in den Restmüll, sondern müssen recycelt werden. Ein weiterer Grund ist die immer schlechtere Qualität von Textilien, die als billige Massenware die Märkte überschwemmen.

Auch viele Mischgewebe aus Kunstfasern machen das Aussortieren und Recyceln von Textilien für die Unternehmen immer aufwendiger, die Gewinne immer geringer. Schließlich landet immer mehr Müll in den Altkleider-Containern der Pfalz.

Etliche Firmen reagieren darauf, indem sie Container abbauen. Andere gehen Pleite wie jüngst die Firma Texaid. Das alles ist auch bei den kommunalen Abfallbetrieben bekannt. Allerdings wissen viele Entsorger in der Pfalz gar nicht, wie viele Altkleider-Container es bei ihnen gibt.

Altkleider-Container: Pfalz ist Flickenteppich bei Erfassung

So teilte der Landkreis Bad Dürkheim mit, dass er nicht wisse, welche Sammelstellen noch betrieben werden und welche nicht. Die Begründung: Private Altkleidersammler und auch gemeinnützige wie Malteser oder DRK müssen ihre Container nur einmalig bei der Kreisverwaltung anmelden.

Abmelden müssten sie diese aber nicht. Altkleidersammlungen auf privaten Grundstücken etwa auf Supermarkt-Parkplätzen würden gar nicht erfasst.

Vor diesem Hintergrund geht der Landkreis Bad Dürkheim aktuell noch von 44 Sammelstellen aus. Ähnliches berichtet die Stadt Ludwigshafen. Sie hat derzeit 50 Container im Stadtgebiet erfasst. Auch die Stadt Speyer, der Kreis Germersheim und der Rhein-Pfalz-Kreis haben nach eigenen Angaben keine genauen Zahlen vorliegen.

Speyer und Rhein-Pfalz-Kreis: Altkleidersammler gesucht

Dazu kommt, dass die kommunalen Entsorger jetzt verpflichtet sind, das Recycling für die Alttextilien sicherzustellen. Deshalb sind Firmen für Alttextilsammlungen und -recyling zurzeit sehr gefragt.

So müssen die Entsorgungsbetriebe Speyer (EBS) jetzt auch nach einer neuen Firma für die Altkleidersammlung auf ihren beiden Wertstoffhöfen suchen.

Dazu heißt es aus Speyer: "Die EBS sind selbst von der Texaid-Insolvenz betroffen. Das war ein Unternehmen, das unsere hohen Ausschreibungsauflagen zu den Rahmenbedingungen der fairen Altkleiderbehandlung auch erfüllen konnte."

Diese forderten unter anderem, dass das Unternehmen die Altkleider in Deutschland aufbereitet. Außerdem müsse es dafür sorgen, dass die aufbereiteten Textilien weiter verwertet werden.

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Auch der Rhein-Pfalz-Kreis hat offenbar noch keine Firma gefunden, die die Altkleidersammlung auf den Wertstoffhöfen übernimmt. So schreibt der Kreis auf SWR-Anfrage: "Der Eigenbetrieb Abfallwirtschaft arbeitet aktuell mit Hochdruck daran, die Bereitstellung von Altkleidercontainern auf den Wertstoffhöfen voranzutreiben."

Kreis Südliche Weinstraße: Keinen Altkleidersammler gefunden

Im Landkreis Südliche Weinstraße ist die Suche nach einem privaten Alttextilsammler und Recycler bereits gescheitert. Dazu schreibt der Eigenbetrieb WertstoffWirtschaft: "Unsere Anstrengungen, Sammelcontainer für Textilien auf unseren WertstoffWirtschaftszentren aufstellen zu lassen, waren leider nicht erfolgreich.

Wir behalten die aktuellen Entwicklungen im Bereich der Alttextilverwertung jedoch im Blick und werden adäquat darauf reagieren."

Container-Monitoring im Kreis Südliche Weinstraße

Deshalb erhebt der Landkreis Südliche Weinstraße die Zahlen der Sammelstellen fortlaufend. Dort ist das Netz trotz aufgegebener Container mit über 130 Sammelstellen und fast 200 Containern auch am dichtesten in der Pfalz.

Und der Landkreis hat auch für seine Bürger aufgelistet, wo die Altkleider-Container stehen. Die Sammelstellen sind auch in der Wertstoff-App des Landkreises abrufbar.

Sperrmüll lagert neben einem Altkleider-Container einer bayerischen Textilrecycling Firma, die noch mehrere Container in der Pfalz betreibt.
Sperrmüll lagert neben einem Altkleider-Container einer bayerischen Textilrecycling Firma, die noch mehrere Container in der Pfalz betreibt.

DRK sammelt in der Vorder- und Südpfalz weiter

Auch die gemeinnützigen Altkleidersammler wie Caritas, DRK oder Malteser arbeiten mit privaten Recyclingfirmen zusammen. Sie sind deshalb auch von Firmenpleiten und dem Abbau von Sammelstellen der Unternehmen betroffen.

Wie mehrere DRK-Kreisverbände auf SWR-Anfrage mittelten, gibt es aktuell von den Unternehmen kein Geld mehr für die Sammlungen. Und damit auch kein Zubrot für die ehrenamtliche Arbeit der Ortsvereine. Dennoch hält das Rote Kreuz seinen Service in vielen Kommunen der Vorder- und Südpfalz noch aufrecht.

Im Kreis Germersheim gibt es weiterhin 20 Sammelstellen des DRK. Und die sollen auch erhalten bleiben, so die Kreisgeschäftsstelle.

Im Kreis Bad Dürkheim sind es laut Kreisverband 60 Container. Dazu schreibt Kreisgeschäftsführer Ralf Tebrün, man versuche die Sammlung "aufrecht zu erhalten, da das Rote Kreuz sich hier immer sehr engagiert hatte, und das in der Bevölkerung auch so wahrgenommen wird."

DRK-Geschäftsführer See: "Wir machen das weiter ohne Ertrag"

Auch im Kreis Südliche Weinstraße wird noch gesammelt, mit insgesamt 65 Containern. Aber: Jürgen See, Geschäftsführer des DRK-Kreisverbands, betont auch, dass die Ortsvereine mit dem Sammeln keinen Cent mehr für ihre Vereinskasse einnehmen.

"Es ist Mehrarbeit für die Ortsvereine, ohne das was bei rumkommt. Wir machen da weiter, andernfalls würde das System zusammenbrechen." Denn der Entsorgungsbetrieb des Landkreises sei nicht darauf eingestellt, solche Mengen Altkleider zu sammeln.

Jürgen See macht dabei klar: "Wir halten jetzt mal bis Ende des Jahres die Füße still." Dann werde entschieden, ob das DRK die Container für Altkleider im Landkreis Südliche Weinstraße aufgibt oder weitermacht.

Wo bekomme ich meine alten Klamotten in der Pfalz los?

Klar ist also, die Container werden weniger und ich kann meine alten Klamotten nicht an allen Wertstoffhöfen in der Vor- und Südpfalz für die Wiederverwertung abgeben. Möglich ist das kostenlos in Frankenthal, Landau, Ludwigshafen sowie in den Landkreisen Bad Dürkheim und Germersheim.

Aber klar ist auch: Wenn ich will, dass gut erhaltene Lieblingskleider, Schuhe, Taschen oder Accessoires nicht sonstwo landen - dann gebe ich die am besten vor Ort ab, statt sie in den Container zu werfen.

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In der Pfalz gibt es zahlreiche Anbieter, bei denen gut erhaltene Klamotten direkt weiterverkauft werden und so auch in der Region bleiben. Beispielsweise die beiden Caritas-Sozialkaufhäuser der Caritas in Speyer und Germersheim.

Auch der Kinderschutzbund betreibt in vielen Städten Kleiderläden wie in Ludwigshafen, Landau und Germersheim. Dazu kommt das DRK , das in Frankenthal, Landau, Ludwigshafen, Speyer und Neustadt Second-Hand-Kleiderläden oder Kleiderkammern für Bedürftige betreibt.

Ludwigshafen: Kleidertreffs und Kleidertauschpartys

Die Stadt Ludwigshafen bietet darüber hinaus noch die Möglichkeit, gut erhaltene Kleidung an fünf Kleidertreffs für bedürftige Menschen abzugeben. Außerdem gibt es laut Stadtsprecher regelmäßig sogenannte Kleidertauschpartys, die sehr gefragt seien.

Dort könnten beispielsweise bis zu zehn gut erhaltene Kleidungsteile, Schuhe und Accessoires zum Tauschen mitgebracht und dafür beliebig viele Stücke mit nach Hause genommen werden.

Viele kommunale Entsorger in der Pfalz appellieren auch an die Bürgerinnen und Bürger, verantwortungsvoll mit Kleidung umzugehen. Das heißt beim Kauf auf Qualität zu achten und auch mal auf ein Billig-T-Shirt zu verzichten.

Und: Beim Entsorgen darauf zu achten, dass nur das in den Container kommt (und keinesfalls daneben), was da auch reingehört.

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