Koblenzer Betrieb rechnet vor

Spritsteuersenkung: Warum 17 Cent im Handwerk nicht ausreichen

Die Spritpreise durch die Eskalation an der Straße von Hormus sind für alle eine große Belastung. Ein Koblenzer Firmenchef berichtet, was ihm die neue Spritsteuer bringt.

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Um 8 Uhr morgens sind die meisten Autos von Elektro Künster schon längst in alle Himmelsrichtungen vom Hof gerollt - zu verschiedenen Baustellen und Aufträgen im Großraum Koblenz. Teilweise gehen die Strecken aber zum Beispiel bis nach Mainz.

Marco Kraus ist der Inhaber des Handwerksbetriebs und Chef von etwa 70 Mitarbeitern. Beim Stichwort "17 Cent Steuersenkung beim Sprit" holt er tief Luft: "Das ist ein Tropfen auf dem heißen Stein. Ein Schritt in die richtige Richtung, aber noch lange nicht genug."

50.000 Euro Mehrkosten wegen Spritpreisexplosion

Der Unternehmer hat es in den letzten Tagen ausgerechnet: Durch die Spritpreisexplosion hat sein Betrieb eine Mehrbelastung von rund 50.000 Euro - aufs Jahr gerechnet. Bei 17 Cent Steuersenkung, die die Bundesregierung ab Mai für zwei Monate angekündigt hat, würde er dann hochgerechnet etwa 13.000 Euro "sparen". Marco Kraus hätte sich gewünscht, dass Berlin die Spritsteuer wenigstens um 30 Cent senkt.

Senkung der Spritsteuer hilft nur bedingt

Für seinen Handwerksbetrieb blieben also immer noch 37.000 Euro Mehrkosten im Jahr. Die kann er bei den laufenden Aufträgen aber nicht an die Kunden weiterreichen. Lediglich bei den Angeboten für zukünftige Aufträge kann Kraus den teuren Sprit miteinrechnen.

Beim Kraftstoffverbrauch kommt in seinem Handwerksbetrieb aufs Jahr gerechnet eine recht große Menge zusammen: "Ich schätze knapp 100.000 Liter Benzin und Diesel werden bei uns insgesamt schon verbraucht." Seine Mitarbeiter seien zwar angehalten, strategisch günstig zu tanken, also am Vormittag. Das sei aber oft schwierig - etwa wenn die Handwerker gerade auf einer Baustelle sind, sagt Kraus.

Handwerker planen kilometer- und spritsparende Strecken

Stattdessen tüftelt der Firmenchef gemeinsam mit seinem Sohn und den Projektleitern in einer Wochenbesprechung die Strecken für die Aufträge aus, wie sein Team Kilometer sparen kann. Ein Beispiel: die Generalsanierung in einem Hotel. Dort sind circa 15 Mitarbeiter auf der Baustelle eingesetzt. "Die ist zwar nur 22 Kilometer von Koblenz weg. Aber da schauen wir dann schon, dass sie mit möglichst wenig Autos fahren. Problem bei uns ist oft, dass die Mitarbeiter im Auto eben ihre ganzen Werkzeuge, Maschinen und Messgeräte drin haben. Deswegen geht das nur begrenzt, man kann nicht alles umladen."

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Arbeitgeber-Prämie für die Mitarbeiter im Gespräch

Zusätzlich zur Senkung der Spritsteuer plant die Bundesregierung, das Unternehmen eine steuer- und abgabenfreie Entlastungsprämie an Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auszahlen können. Bis zu 1.000 Euro - brutto gleich netto. Kraus würde diese Prämie noch einmal viel Geld kosten: "Selbst wenn ich sage, ich zahle 500 Euro aus, bei 70 Mitarbeiter wären das dann auch schon wieder 35.000 Euro. Viele denken, das kommt vom Staat, aber das kommt einzig und allein aus den Unternehmen. Ich sag mal, das geht 1:1 aus unserem Gewinn verloren."

Trotzdem zieht der Koblenzer Mittelständler für seine Belegschaft eine Prämie in Betracht, vielleicht gestaffelt: von Azubis bis Projektleiter und auch erst zum Ende des Jahres.

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