"Eingebaute Sonnenbrillen" bei Erdmännchen

Wie Zoos und Tierheime im Norden von RLP mit der Hitze umgehen

Freibad, Ventilator, Klimaanlage - all das hilft vielen Menschen bei Hitze im Sommer. Aber wie ist das eigentlich bei Tieren? Wir haben in Tierparks und Tierheimen nachgefragt.

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Vielen Tieren macht der Sommer mit Temperaturen bis zu 38 Grad in dieser Woche im Norden des Landes genauso zu schaffen wie uns Menschen. Dabei haben die Tiere ihre ganz eigenen Tricks, um cool zu bleiben - und die sind oft sehr simpel. Sie machen zum Beispiel einfach das, was manche von uns heimlich auch gerne tun würden: den ganzen Tag Siesta. "Die sind dann morgens, bevor es heiß wird, und abends, wenn es schon etwas abgekühlt hat, aktiver", sagt Alexandra Japes, Biologin und Sprecherin des Zoos Neuwied.

Je nach Herkunft bleiben Tiere bei Hitze ganz cool

Wie gut Tiere mit der Hitze zurechtkommen, hänge oft von ihrer Herkunft ab, sagt Biologin Japes. Erdmännchen zum Beispiel fühlen sich bei hohen Temperaturen pudelwohl. Kein Wunder, schließlich sind sie an Wüstenklima gewöhnt.

"Die haben um die Augen rum ein dunkles Fell. Das ist im Prinzip wie eine eingebaute Sonnenbrille", sagt Japes. Dadurch gebe es weniger Reflektionen und die Erdmännchen werden weniger geblendet. Andere Tiere, wie die Roten Varis - eine Lemurenart - oder Reptilien, genießen bewusst die Sonne, bis es ihnen zu heiß wird.

Das Erdmännchen genießt die Wintersonne im Tiergarten Worms.
Erdmännchen haben schwarzes Fell um die Augen, das hilft, wenn die Sonne scheint (Symbolbild). Karin Pezold

Zoo Neuwied kühlt den Boden für Tiere

Aber nicht alle Tiere stecken die Hitze so locker weg. Für die Roten Pandas, die aus dem kühleren Himalaya-Gebirge stammen, sei das Wetter eine Herausforderung. "Da haben wir vorgesorgt, indem wir ein besonders schattiges Gehege mit einem dicken Baumkronendach haben", erklärt Japes.

Zudem werde der Boden im Gehege täglich befeuchtet, um durch die Verdunstungskälte Abkühlung zu schaffen. Manche Tiere bekommen laut Japes auch immer mal wieder eine Dusche mit dem Wasserschlauch. Andere nutzen auch die Innengehege, um sich zurückzuziehen.

Schimpanse sitzt vor großem Eisblock mit eingefrorenem Gemüse
Beschäftigung mit Abkühlungs-Faktor: Ein Schimpanse bekommt im Zoo Neuwied eine "Eisbombe", also in Wasser eingefrorenes Futter (Archivbild). Zoo Neuwied

Eisbomben und Fleisch-Eis: Abkühlung durch Ernährung

Im Zoo Neuwied, aber auch im Tierpark Bell im Hunsrück sei oberstes Gebot: Immer genug kühles Wasser für die Tiere bereit stellen. Auch bei der Ernährung gebe es Möglichkeiten, wie die Tiere besser mit der Hitze klarkommen. Im Zoo Neuwied bekommen die Schimpansen "Eisbomben", also Gemüse, das in Wasser eingefroren wurde.

Im Tierpark Bell im Hunsrück geht es noch eine Spur ausgefallener zu. Leiter Remo Müller sagt: "Wir machen extra für die Tiere Eis mit Fruchtsäften oder auch mit Fleischstückchen drin für die Raubtiere." Zum Beispiel werde Hackfleisch eingefroren, dazu kommen Blut und Wasser. Die Schweine genießen in Bell eine kühle Schlammsuhle und auch die Tiger gehen baden. Wie bei uns Menschen müsse man besonders auf die älteren Tiere achten, sagt Müller.

Tierheim im Westerwald hat Pools für Hunde zum Abkühlen

Schatten, Wasser, Ruhe am Tag: Was vielen großen Tieren hilft, hilft auch kleineren wie Katzen und Hunden, sagt Anna Januszek vom Tierheim in Ransbach-Baumbach (Westerwaldkreis). Für Tiere, die ohnehin Probleme mit der Atmung haben, sei die Hitze natürlich eine Zusatzbelastung - etwa für Old English Bulldoggen. "Aber wenn es so richtig warm ist, merkt man es wirklich bei allen", sagt sie.

So wird Hitze im Sommer erträglich: Ein Mops badet in einem Planschbecken
Hunden hilft bei der Hitze, wenn sie sich in einem Planschbecken abkühlen können. picture alliance / dpa | Stephan Jansen

Für Hunde gibt es in Ransbach-Baumbach zum Teil kleine Pools in den Gehegen. "Die nutzen die eigentlich recht gerne und planschen dann mal kurz und kühlen sich ein bisschen ab", sagt Januszek. Weil das Tierheim am Feld liege, könnten bei morgendlichen Spaziergängen Asphalt und Schotter häufig vermieden werden. Das rät sie allen Hundebesitzern, um die Pfoten der Hunde zu schützen, denn der Asphalt heizt sich schnell auf.

Tierheim gibt Tipps für den Umgang mit Haustieren bei Hitze

Wer ein Haustier bei sich daheim hat, kann die Maßnahmen des Tierheims genauso nutzen. Außerdem rät Januszek dazu, immer genug kühles Wasser bereit zu stellen. Ein feuchtes Handtuch auf dem Boden könnte ein kühler Schlafplatz sein. Tierbesitzer müssen sich darauf einstellen, dass es durch den Klimawandel künftig immer mehr warme und heiße Tage geben wird und sollten sich deshalb überlegen, wie sie ihren Lieblinge dabei helfen, damit klarzukommen.

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