Eine Tote, eine Schwerverletzte, etliche abgedeckte Dächer, zerstörte Hauswände, zwischenzeitliche Stromausfälle und zahlreiche umgeknickte Bäume - das ist die erste Bilanz der Unwetter, die am Mittwochabend über den Norden des Landes hinweggezogen sind.
Frau stirbt durch umstürzenden Baum bei Waldorf
Ein Todesopfer in Folge des Unwetters verzeichnet die Polizeidirektion Mayen. Bei Waldorf im Kreis Ahrweiler suchten zwei Spaziergängerinnen bei einer überdachten Sitzgruppe an einem Wirtschaftsweg Schutz vor dem Unwetter. Ein dahinter stehender Baum wurde durch das Unwetter entwurzelt und stürzte auf die Frauen. Beide wurden von dem Baum getroffen, die 47-jährige Frau wurde schwer verletzt, die 58-Jährige verstarb infolge der erlittenen Verletzungen.
Große Zerstörung in Orten im Westerwaldkreis
Im Westerwaldkreis wird teilweise weiterhin vor herabfallenden Teilen gewarnt. Die Integrierte Leitstelle warnt davor, sich im Freien aufzuhalten und rät, Abstand zu Bäumen, Türmen und Masten zu halten.
Nach den heftigen Unwettern gehen die Einsatzkräfte gegen die zahlreichen Sturmschäden vor. "Wir sind noch dabei, uns einen Überblick über die Lage zu verschaffen", sagte eine Polizeisprecherin in Montabaur. Noch sei das ganze Ausmaß der Schäden nicht absehbar.
Die Netzbetreiber werden im Verlauf des Donnerstags mit der Wiederherstellung der Stromversorgung beschäftigt sein. Zudem ist mit Einschränkungen im öffentlichen Nahverkehr, insbesondere auch bei der Schülerbeförderung, zu rechnen.
Kreisverwaltung rät vorerst von eigenständigen Sicherungsarbeiten ab
Besonders betroffen sind die Verbandsgemeinden Höhr-Grenzhausen, Montabaur, Ransbach-Baumbach, Wallmerod und Wirges. "Feuerwehren und weitere Hilfsorganisationen sind mit umfangreichen Kräften im Einsatz", teilte der Kreis mit. Der Schwerpunkt liegt derzeit auf der Abwehr akuter Gefahren, der Sicherung beschädigter Gebäude sowie der Unterstützung betroffener Bürgerinnen und Bürger. Die Lage wird fortlaufend bewertet, aktuelle Hinweise gibt es auf der Seite des Westerwaldkreises.
Die Bevölkerung werde gebeten, die betroffenen Bereiche zu meiden, Zufahrtswege für Einsatzfahrzeuge freizuhalten und den Anweisungen der Einsatzkräfte Folge zu leisten. Angaben zu verletzten Personen lägen derzeit nicht vor. Von eigenständigen Aufräum-, Sicherungs- oder Reparaturarbeiten an beschädigten Gebäuden wird derzeit ausdrücklich abgeraten.
Sturm reißt Wände aus Häusern in Höhr-Grenzhausen
In Höhr-Grenzhausen (Westerwaldkreis) fegte der Sturm nach Angaben von Anwohnern gegen 19:20 Uhr durch die Stadt und riss Wände aus Häusern. Mindestens zwei Gebäude seien betroffen. Es gab Schäden durch abstürzende Fassadenteile und umherfliegende Gegenstände. Und überall seien Bäume umgestürzt. Auch Trampoline flogen durch die Luft. Das Unwetter soll laut den Menschen vor Ort nur wenige Minuten gedauert haben.
Danach packten Anwohner sofort mit an, um die Schäden des Unwetters zu beseitigen. Die Grundschule soll am Donnerstag erst einmal geschlossen bleiben. Für Menschen in der Verbandsgemeinde Höhr-Grenzhausen, die ihre Häuser oder Wohnungen derzeit nicht nutzen können, wurden Notunterkünfte eingerichtet.
Umgestürzte Bäume und abgedeckte Dächer
In der Gemeinde Bannberscheid (ebenfalls Westerwaldkreis) wurden Teile der Fassade der Aubachhalle weg geweht. Zudem fiel dort großflächig der Strom aus.
Im Bereich des Polizeipräsidiums Trier habe es mehrere umgestürzte Bäume gegeben, sagte ein Sprecher.
In Sankt Thomas (Eifelkreis Bitburg-Prüm) sei ein Baum auf die Straße und die Bahngleise gefallen. Von Verletzten sei nichts bekannt, sagte der Sprecher weiter.
Schäden gab es auch in der Region Koblenz. Von dort meldete die Polizei am Mittwochabend umgestürzte Bäume und beschädigte Häuser.
Auf der A61 stürzte ein Lastwagen wegen Sturmböen um. Aufgrund unzähliger Bäume auf der Fahrbahn mussten sowohl die A3 in Fahrtrichtung Köln als auch die Überleitung auf die A48 in Fahrtrichtung Trier für etwa zwei Stunden voll gesperrt werden.
In Neuwied wurden Dächer abgedeckt und Bäume, sogar Strommasten, umgelegt. Mehrere Wohngebäude hatten vorübergehend keinen Strom. Die Stadtwerke Neuwied (SWN) stellten noch in der Nacht die Versorgung wieder her. Die Aufräumarbeiten werden einige Zeit dauern.
Warnung des Deutschen Wetterdienstes wieder aufgehoben
Der Deutsche Wetterdienst hatte am Mittwochabend in ganz Rheinland-Pfalz vor schweren Unwettern gewarnt. Inzwischen ist die Warnung wieder aufgehoben.