Extremwetter-Mythen-Check

Gab es früher auch schon so viele Extremwetter wie heute?

Im vergangenen Sommer gab es immer wieder Extremwetter in Rheinland-Pfalz. Gab es Hitze, Starkregen und Niedrigwasser früher auch schon so oft und heftig? Das klären wir in unserem Extremwetter-Mythen-Check.

Teilen

Stand

Von Autor/in Luca Both

Der Sommer in Rheinland-Pfalz hatte es in sich. Erst gab es über Wochen Hitze und Dürre, die zu Rekord-Niedrigwasser führten. Dann gab es schwere Unwetter wie zum Beispiel bei Höhr-Grenzhausen (Westerwaldkreis). Das Wetter schlug von einem in das andere Extrem. Aber gab es diese Extremwetter in der Vergangenheit nicht auch schon? Und wenn ja, auch in dieser Häufigkeit?

Mit dem möglichen steigenden Risiko von solchen Ereignissen beschäftigen sich Expertinnen und Experten in dieser Woche auf dem Extremwetterkongress in Hamburg. Dabei wurde ein Faktenpapier zu Extremwetter vom Veranstalter, dem Deutschen Wetterdienst (DWD) und von der Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel (DAS-Basisdienst) veröffentlicht.

Auf dieser Basis checken wir Kommentare, die wir in den vergangenen Monaten häufiger auf unseren Kanälen bei Social Media gelesen haben, ob sie richtig liegen oder, ob es sich um Falschaussagen handelt.

Früher war es auch heiß

Ja, es gab auch schon früher heiße Sommer, aber nicht so häufig und intensiv. Langfristige Messungen des DWD zeigen, dass die heißen Tage mit mindestens 30 Grad von durchschnittlich etwa drei auf heute etwa zwölf Tage pro Jahr gestiegen sind.

Kommentar unter einem Beitrag von SWR Aktuell auf Facebook mit der Behauptung, dass es in früheren Sommern auch so heiß war wie 2026.

Auch haben intensive, länger anhaltende Hitzewellen deutlich zugenommen. 2026 waren es nach Angaben des DWD im Durchschnitt 22 heiße Tage auf ganz Deutschland bezogen.

Früher gab es auch Niedrigwasser

Einzelne Niedrigwasser-Ereignisse sind nicht neu, aber Häufigkeit, Dauer und Entstehungsweise haben sich im Zuge der Erwärmung klar verändert. Die Bundesanstalt für Gewässerkunde spricht von einer "Sequenz von Niedrigwasserjahren, die 2011 begann". Seitdem treten ausgeprägte Niedrigwasser-Sommer deutlich häufiger auf als in den Jahrzehnten davor.

Kommentar unter einem Beitrag von SWR Aktuell auf Facebook mit der Behauptung, dass es in früher auch Niederigwasser gab.

Zudem haben sich die Entstehungsprozesse verschoben. Weniger Schnee im Winter, mehr Verdunstung im Sommer, veränderte Niederschlagsmuster. Typische Niedrigwasserphasen treten heute vor allem im Sommer und Herbst auf, statt wie früher häufiger im Winter.

Parallel dazu steht Deutschland jedes Jahr weniger Wasser aus erneuerbaren Quellen zur Verfügung. Wenn man die Jahre 1961 bis 1990 mit 1991 bis 2020 vergleicht, steht Deutschland im Durchschnitt pro Jahr um etwa zwölf Milliarden Kubikmeter Wasser schlechter da. In den letzten 15 Jahren lagen elf Jahre deutlich unter dem Durchschnitt der neueren Periode 1991 bis 2020.

Früher gab es auch Unwetter

Ja, Unwetter hat es schon immer gegeben. Ein einzelner Sturm, eine Flut oder Hitzewelle beweist für sich allein noch keinen Klimawandel. Bei Hitze ist die Datenlage klar: Heiße Tage mit 30 Grad und mehr haben sich seit den 1950er Jahren etwa vervierfacht und starke Hitzewellen sind deutlich häufiger geworden.

Kommentar unter einem Beitrag von SWR Aktuell auf Instagram mit der Behauptung, dass es früher auch schon Unwetter gab.

Bei Starkregen und Gewitter ist das Bild komplizierter: Aus Radar- und Stationsdaten erkennt der DWD vielerorts eine Tendenz zu mehr heftigen Regengüssen, aber wegen der großen Schwankungen von Jahr zu Jahr und der noch relativ kurzen Datenreihe sind die Trends noch nicht eindeutig.

Das Wetter schwankt so oft, das ist doch kein Klimawandel

Klimawandel bedeutet laut dem DWD nicht, dass es jeden Sommer wärmer sein muss als im Vorjahr. Auch in Zukunft wird es kalte Winter, kühle Sommer und Spätfroste geben. Die Wahrscheinlichkeit nimmt nach Angaben des DWD aufgrund der globalen Erwärmung aber ab.

Kommentar unter einem Beitrag von SWR Aktuell auf Instagram mit der Behauptung, dass das Wetter so oft schwankt, dass es kein Klimawandel sei.

Demnach endete Anfang 2026 eine ungewöhnlich lange Phase. Etwas über drei Jahre war es im Durchschnitt jeden Monat wärmer als in den "alten" Durchschnittswerten aus den Jahren 1961 bis 1990.

Dass nach den Hitzewellen im Sommer eine kalte Wetterphase kam, sage wenig über den langfristigen Klimatrend aus. Dafür betrachtet die Klimaforschung Zeiträume von mehreren Jahrzehnten.

Die Messdaten von heute sind nicht mit denen von früher zu vergleichen

Der DWD misst mit extra Stadtklimastationen. Das heißt aber nicht, dass die Temperaturdaten insgesamt „nicht vergleichbar“ wären. Für Aussagen zum Klima in Deutschland nutzt der DWD langfristige, geprüfte Messreihen und Gebietsmittel – nicht nur einzelne Messpunkte mitten in der Innenstadt.

Kommentar unter einem Beitrag von SWR Aktuell auf Facebook mit der Behauptung, dass Messdaten von früher nicht mit denen von heute vergleichbar sind.

Es stimmt aber, dass Städte wärmer sind als ihr Umland: viel Beton, Asphalt und enge Bebauung speichern Hitze, vor allem nachts.

Andere Länder kommen auch mit der Hitze klar

Für die Frage, wie gefährlich Hitze ist, kommt es nicht darauf an, wie zum Beispiel in Südeuropa kulturell anders mit Hitze umgegangen wird, sondern wie stark sich das Klima in Deutschland im Vergleich zu früher verändert hat – und wie gut die Infrastruktur darauf eingestellt ist. Die Daten zeigen, dass sich Deutschland seit 1881 um etwa 2,5 Grad erwärmt hat. Doppelt so schnell wie der globale Durchschnitt.

Kommentar unter einem Beitrag von SWR Aktuell auf Instagram mit der Behauptung, dass andere Länder auch mit der Hitze klar kommen.

Mit dieser schnellen Erwärmung haben gerade ältere Menschen, Kinder, Schwangere und Kranke in Deutschland und Rheinland-Pfalz zu kämpfen. Das Robert Koch-Institut (RKI) schätzt allein für den Sommer 2026 fast 2.000 hitzebedingte Todesfälle.

BW, RP

Experten diskutieren auf Klima-Kongress Extremwettergefahr im Südwesten steigt - Menschen müssen sich auf Veränderungen einstellen

Die Extremwettergefahr nimmt weltweit zu: Auch bei uns wird es immer heißer, das Risiko für Starkregen steigt. Fachleute beraten jetzt wieder, wie wir uns besser schützen können.

SWR Aktuell am Vormittag SWR Aktuell

Geographie spielt wichtige Rolle Darum treffen Hitzewellen RLP oft besonders stark

Ist es nur ein subjektives Gefühl oder ist es wissenschaftlich nachvollziehbar, dass Rheinland-Pfalz übermäßig stark von Hitzewellen betroffen ist?

Was haben wir aus dem Hitzesommer gelernt? Hitzeschutz in Rheinland-Pfalz: So können wir uns vorbereiten

Der Sommer 2026 hat Rheinland-Pfalz außergewöhnlich viele Hitzetage und fast 2.000 hitzebedingte Todesfälle gebracht. Was können wir daraus lernen? Wie können sich Menschen schützen oder bereiten sich Städte und Krankenhäuser auf kommende Hitzesommer vor?

Landesschau Rheinland-Pfalz SWR RLP

RLP

Sturmböen und Starkregen Unwetter im Norden von RLP: Frau von Baum erschlagen, viele Häuser schwer beschädigt

Über den Norden von Rheinland-Pfalz sind am Mittwochabend Unwetter mit Starkregen und Windböen von bis zu 100 Stundenkilometern gezogen. Die Schäden sind groß.

SWR Aktuell Rheinland-Pfalz SWR RLP

Dudenhofen

Polizei, Feuerwehr und THW im Einsatz Umgestürzte Bäume und fliegende Ziegel: Sturm wütet in Dudenhofen

Nach mehreren Tagen mit Temperaturen über 30 Grad dürfte sich die gesamte Pfalz zumindest einen leichten Wetterumschwung gewünscht haben. In Dudenhofen war es etwas zu viel des Guten: Am Sonntagabend mussten Polizei, THW und Feuerwehr ausrücken.

SWR4 am Montag SWR4

Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
Luca Both

Unsere Quellen

Transparenz ist uns wichtig! Hier sagen wir Ihnen, woher wir unsere Infos haben!