- Früher war es auch heiß
- Früher gab es auch Niedrigwasser
- Früher gab es auch Unwetter
- Das Wetter schwankt so oft, das ist doch kein Klimawandel
- Die Messdaten von heute sind nicht mit denen von früher zu vergleichen
- Andere Länder kommen auch mit der Hitze klar
Der Sommer in Rheinland-Pfalz hatte es in sich. Erst gab es über Wochen Hitze und Dürre, die zu Rekord-Niedrigwasser führten. Dann gab es schwere Unwetter wie zum Beispiel bei Höhr-Grenzhausen (Westerwaldkreis). Das Wetter schlug von einem in das andere Extrem. Aber gab es diese Extremwetter in der Vergangenheit nicht auch schon? Und wenn ja, auch in dieser Häufigkeit?
Extremwettergefahr im Südwesten steigt - Menschen müssen sich auf Veränderungen einstellen
Mit dem möglichen steigenden Risiko von solchen Ereignissen beschäftigen sich Expertinnen und Experten in dieser Woche auf dem Extremwetterkongress in Hamburg. Dabei wurde ein Faktenpapier zu Extremwetter vom Veranstalter, dem Deutschen Wetterdienst (DWD) und von der Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel (DAS-Basisdienst) veröffentlicht.
Auf dieser Basis checken wir Kommentare, die wir in den vergangenen Monaten häufiger auf unseren Kanälen bei Social Media gelesen haben, ob sie richtig liegen oder, ob es sich um Falschaussagen handelt.
Früher war es auch heiß
Ja, es gab auch schon früher heiße Sommer, aber nicht so häufig und intensiv. Langfristige Messungen des DWD zeigen, dass die heißen Tage mit mindestens 30 Grad von durchschnittlich etwa drei auf heute etwa zwölf Tage pro Jahr gestiegen sind.
Auch haben intensive, länger anhaltende Hitzewellen deutlich zugenommen. 2026 waren es nach Angaben des DWD im Durchschnitt 22 heiße Tage auf ganz Deutschland bezogen.
Früher gab es auch Niedrigwasser
Einzelne Niedrigwasser-Ereignisse sind nicht neu, aber Häufigkeit, Dauer und Entstehungsweise haben sich im Zuge der Erwärmung klar verändert. Die Bundesanstalt für Gewässerkunde spricht von einer "Sequenz von Niedrigwasserjahren, die 2011 begann". Seitdem treten ausgeprägte Niedrigwasser-Sommer deutlich häufiger auf als in den Jahrzehnten davor.
Zudem haben sich die Entstehungsprozesse verschoben. Weniger Schnee im Winter, mehr Verdunstung im Sommer, veränderte Niederschlagsmuster. Typische Niedrigwasserphasen treten heute vor allem im Sommer und Herbst auf, statt wie früher häufiger im Winter.
Parallel dazu steht Deutschland jedes Jahr weniger Wasser aus erneuerbaren Quellen zur Verfügung. Wenn man die Jahre 1961 bis 1990 mit 1991 bis 2020 vergleicht, steht Deutschland im Durchschnitt pro Jahr um etwa zwölf Milliarden Kubikmeter Wasser schlechter da. In den letzten 15 Jahren lagen elf Jahre deutlich unter dem Durchschnitt der neueren Periode 1991 bis 2020.
Früher gab es auch Unwetter
Ja, Unwetter hat es schon immer gegeben. Ein einzelner Sturm, eine Flut oder Hitzewelle beweist für sich allein noch keinen Klimawandel. Bei Hitze ist die Datenlage klar: Heiße Tage mit 30 Grad und mehr haben sich seit den 1950er Jahren etwa vervierfacht und starke Hitzewellen sind deutlich häufiger geworden.
Bei Starkregen und Gewitter ist das Bild komplizierter: Aus Radar- und Stationsdaten erkennt der DWD vielerorts eine Tendenz zu mehr heftigen Regengüssen, aber wegen der großen Schwankungen von Jahr zu Jahr und der noch relativ kurzen Datenreihe sind die Trends noch nicht eindeutig.
Das Wetter schwankt so oft, das ist doch kein Klimawandel
Klimawandel bedeutet laut dem DWD nicht, dass es jeden Sommer wärmer sein muss als im Vorjahr. Auch in Zukunft wird es kalte Winter, kühle Sommer und Spätfroste geben. Die Wahrscheinlichkeit nimmt nach Angaben des DWD aufgrund der globalen Erwärmung aber ab.
Demnach endete Anfang 2026 eine ungewöhnlich lange Phase. Etwas über drei Jahre war es im Durchschnitt jeden Monat wärmer als in den "alten" Durchschnittswerten aus den Jahren 1961 bis 1990.
Dass nach den Hitzewellen im Sommer eine kalte Wetterphase kam, sage wenig über den langfristigen Klimatrend aus. Dafür betrachtet die Klimaforschung Zeiträume von mehreren Jahrzehnten.
Die Messdaten von heute sind nicht mit denen von früher zu vergleichen
Der DWD misst mit extra Stadtklimastationen. Das heißt aber nicht, dass die Temperaturdaten insgesamt „nicht vergleichbar“ wären. Für Aussagen zum Klima in Deutschland nutzt der DWD langfristige, geprüfte Messreihen und Gebietsmittel – nicht nur einzelne Messpunkte mitten in der Innenstadt.
Es stimmt aber, dass Städte wärmer sind als ihr Umland: viel Beton, Asphalt und enge Bebauung speichern Hitze, vor allem nachts.
Andere Länder kommen auch mit der Hitze klar
Für die Frage, wie gefährlich Hitze ist, kommt es nicht darauf an, wie zum Beispiel in Südeuropa kulturell anders mit Hitze umgegangen wird, sondern wie stark sich das Klima in Deutschland im Vergleich zu früher verändert hat – und wie gut die Infrastruktur darauf eingestellt ist. Die Daten zeigen, dass sich Deutschland seit 1881 um etwa 2,5 Grad erwärmt hat. Doppelt so schnell wie der globale Durchschnitt.
Mit dieser schnellen Erwärmung haben gerade ältere Menschen, Kinder, Schwangere und Kranke in Deutschland und Rheinland-Pfalz zu kämpfen. Das Robert Koch-Institut (RKI) schätzt allein für den Sommer 2026 fast 2.000 hitzebedingte Todesfälle.