Der 24-Jährige hat psychische Probleme. An Weihnachten geht es ihm immer besonders schlecht. Über die Feiertage ließ er sich in den vergangenen Jahren deshalb in eine psychiatrische Klinik einweisen. Das sei für ihn besser gewesen, als Heiligabend mit seinem Vater zu verbringen, sagt Matthias.
Sozialarbeiterinnen kümmern sich um psychisch belastete Menschen
Hilfe bekommt Matthias seit fünf Jahren von Sabrina Lemke. Sie ist Sozialarbeiterin und leitet die "Lebenskünstlerei" in Koblenz-Neuendorf. Dort begleitet sie zusammen mit ihrer Kollegin 23 psychisch belastete Menschen und ermöglicht ihnen einen geregelten Alltag. Dazu gehört es unter anderem, mit ihnen eine Wohnung oder einen Job zu finden.
Viele unserer psychisch belasteten Menschen haben keinen guten Umgang miteinander in der Familie.
Die Weihnachtszeit ist für Menschen mit psychischen Problemen oft sehr schwierig, sagt Lemke. Denn die Festtage hätten ganz viel mit Familie zu tun, man verbinde sie mit Nächstenliebe, Geborgenheit, Zusammenkommen. "Viele unserer psychisch belasteten Menschen haben aber keinen guten Umgang miteinander in der Familie. Das macht es besonders schwer."
Unbehagen, Angst und Panik wegen Weihnachten
Die Sozialarbeiterin beobachtet deshalb häufig, was Weihnachten bei den Menschen auslöst. Viele hätten mit "Unbehagen, Angstgedanken und Panikattacken" zu kämpfen, sagt Lemke.
Auch bei Matthias ist die Familie der Auslöser. Zu seiner Mutter hat er schon lange keinen Kontakt mehr. Die Kontaktversuche seines Vaters hat er bisher immer abgeblockt: "Für mich ist Weihnachten das Fest der Scheinheiligkeit."
Strategien für Heiligabend entwickelt
Weil die Feiertage für ihre Klienten so ein großes Thema sind, fängt Sabrina Lemke immer schon im Sommer an, mit ihnen darüber zu sprechen. Auch mit Matthias hat sie Strategien entwickelt, wie er sich an Weihnachten verhalten soll.
Generell kann laut Lemke helfen, nicht einsam in der Wohnung herumzusitzen und zu grübeln, sondern rauszugehen: zum Beispiel auf den Weihnachtsmarkt. Es sei wichtig, sich über kleine Dinge zu freuen und zu versuchen, Kontakt mit anderen Menschen zu knüpfen.
Telefonseelsorge ist rund um die Uhr erreichbar
Wer sich alleine fühlt, könne auch bei der Telefonseelsorge anrufen, empfiehlt die Sozialarbeiterin. Die ist an den Festtagen rund um die Uhr erreichbar.
Sabrina Lemke ist für die Menschen, die sie betreut, sogar an Heiligabend da. Im Notfall komme sie auch bei ihnen zuhause vorbei. In den vergangenen Jahren sei das immer mal wieder nötig gewesen, sagt die Sozialarbeiterin aus Koblenz-Neuendorf.
Dieses Jahr fährt Matthias zum Weihnachtsessen
Matthias hat sich vorgenommen, es dieses Jahr anders zu machen. Er möchte nicht in eine psychiatrische Klinik, sondern hat die Einladung seines Vater zum Festtagsessen angenommen. Einerseits freut er sich sehr, sagt er. Andererseits hat er große Bedenken: "Es ist auch mit Anspannung und negativen Gedanken verbunden."