Alle Welt schickt (Weihnachts-)Päckchen und bestellt Geschenke im Netz. Und natürlich soll alles rechtzeitig vor dem Fest ankommen. Wir haben Steven Gerhard, Paketbote aus Mainz, gefragt, wie es ihm gerade geht und was ihn beim Endspurt vor Weihnachten noch erwartet.
SWR1: Wie vollgeladen ist denn dein "Schlitten", wenn Deine Tour als Paketbote Richtung Weihnachten startet?
Steven Gerhard: Das Auto ist schon voll. Man kann sagen, die Menge geht bis 150 Pakete oder manchmal auch mehr.
SWR1: Ist das mehr oder weniger als rund um den Black-Friday-Wahnsinn?
Gerhard: Jahr für Jahr steigert sich das mit den Paketen, da der Online-Markt boomt. Aber ich denke, es wird sich die nächsten Jahre immer weiter steigern. Auch was den Weihnachtsverkehr betrifft.
Paketbote Gerhard erlebt die Kunden vor Weihnachten relativ entspannt
SWR1: Wie erlebst du die Kunden, wenn Du klingelst? Sind die eher gestresst oder froh, weil endlich der Paketbote und das ersehnte Paket kommt?
Gerhard: Die freuen sich und sagen auch schon mal "ich bin jetzt durch" oder "leider sehen wir uns morgen auch wieder". Oder sie sagen: "Du hast es geschafft, du hast uns alles ermöglicht".
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SWR1: Musst du auch mal in den 3. Stock laufen oder hast du dafür gar keine Zeit beim Ausliefern?
Gerhard: Ich habe zum Glück bei mir nicht zu viele dritte Stockwerke oder solche Bereiche wie in der Innenstadt. Ich habe ein paar Mehrfamilienhäuser, aber zum Glück nicht viele. Es ist ganz, ganz selten, dass ich mal in den dritten Stock muss.
SWR1: Aber Sport kann dann doch als Paketbote im kompletten Dezember ausfallen, oder? Und an Weihnachten futterst du dir die verlorenen, die abtrainierten Kilos wieder drauf ...
Gerhard: So sieht es aus. Ich mache jeden Tag – das hat ein Kunde vor ein paar Jahren mal ausgerechnet – meine zehn bis 14 Kilometer pro Tag.
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SWR1: Und wie oft gibt es für den Paketboten ein Lächeln, ein herzliches "Dankeschön", vielleicht sogar auch mal ein Trinkgeld?
Gerhard: Das gibt es auch mal. Oder die Leute sagen: "Das haben sie sich jetzt verdient." Oder: "Wir sehen, wie sie manchmal kämpfen und Gas geben."
Ich werde auch schon mal als Marathonläufer bezeichnet. Die Leute sagen dann, ich könnte einen Marathon laufen. Sie bedanken sich, dass ich gute Arbeit mache. Und dann gibt es auch mal so ein kleines Dankeschön.
Die Leute retten mir mit der Bestellerei auch meinen Job.
SWR1: Gibt es irgendwas, das du dir als Paketbote von den Kunden vor allem vor Weihnachten wünschen würdest?
Gerhard: Ja, so einfach so weitermachen, die Freundlichkeit so lassen. Auch wenn es manchmal von meiner Seite auch mal stressig ist, wo es mir auch manchmal doch zu viel ist. Aber trotzdem versucht man die Harmonie irgendwie zu haben, die Stimmung aufrechtzuerhalten. Sonst hab ich keine Wünsche.
Also einfach so weitermachen, weil ich ja auch weiß, die Leute retten mir mit der Bestellerei oder mit den vielen Paketen auch meinen Job.
(Textfassung des Audios)