Glück am Sonntagmorgen

Neuer Weltrekord: Väter und ihre Kinder haben längste Kugelbahn der Welt gebaut

Am Sonntagmorgen hat es doch noch geklappt: Bei Mertloch im Kreis Mayen-Koblenz rollte eine Murmel durch die längste Kugelbahn der Welt - hunderte Familien waren an der Aktion beteiligt.

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Von Autor/in Christina Nover, Martina Gonser

Sonntag, kurz nach 10 Uhr in Mertloch. Zahlreiche Kinder und Erwachsene stehen entlang eines Plastikrohrs und lauschen auf das verheißungsvolle Klickern. Einzelne Rufe wie "Sie kommt!" ertönen im Publikum und dann ist es endlich so weit: eine Metallkugel kullert aus dem Rohr und landet auf einem Teller. Die Menge jubelt und bei dem ein oder anderen fließen sogar Tränen.

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Es ist der finale Moment, auf den tagelang hingearbeitet wurde: Der Weltrekordversuch ist geglückt. Das Rekord-Institut für Deutschland (RID) mit Sitz in Hamburg teilt später mit, die Kugelbahn habe eine Länge von 2.868,64 Metern erreicht. Das sind knapp zehn Meter mehr als die bisherige Bestmarke.

Kugelbahn zwischen Kollig und Mertloch

"Das war atemberaubend", fasst Mitorganisator Volker Drefs am Montag nochmal das Erlebte zusammen. Für die Strecke zwischen dem Hochkreuz auf dem Sammetzkopf in Kollig und dem Wasserspielplatz in Mertloch brauchte die Kugel am Ende 11:28 Minuten, wie Drefs erklärt. Entscheidend für den Weltrekord war, dass sie die Strecke aus eigener Kraft überwindet. Die Edelstahl-Kugel hatte einen Durchmesser von zwei Zentimetern und wog 33 Gramm.

Luftaufnahme Feld bei Mertloch, wo eine Kugelbahn aufgebaut wurde
Die Kugelbahn verlief quer über Felder zwischen Kollig und Mertloch.

Der Weltrekordversuch fand im Rahmen einer Vater-Kind-Aktion statt, an der Kinder im Alter von drei bis 21 Jahren und ihre Väter teilnahmen. Die Aktion wurde monatelang akribisch vorbereitet. Laut Drefs steckten mehr als 4.700 Planstunden darin. Ursprünglich sollte die Kugelbahn rund 3,6 Kilometer lang werden.

Erster Weltrekordversuch am Samstag schlug fehl

Rund 350 Väter und ihre Kinder hatten Freitag und Samstag zwischen Kollig und Mertloch die Kunststoffrohre ineinander gesteckt, auf Gerüste gehoben und Gräben gezogen. Doch die ersten Versuche am Samstag-Abend schlugen fehl. Probleme bereitete kurz vor dem Zieleinlauf in Mertloch eine Senke.

Väter bauen an einer Kugelbahn aus Rohren und Holzkonstruktionen in Mertloch
Die Kunststoffrohre mussten an vielen Stellen auf Holzkonstruktionen gelegt werden, damit die Kugel ungehindert durchrollen konnte.

Immer wieder musste umgesteckt, die eigentliche Route verändert werden. Schließlich war es fast nur noch eine "Vater ohne Kind“-Aktion. Die meisten Mädchen und Jungen hatten die Geduld verloren und tobten auf dem Festgelände und auf dem Wasserspielplatz herum, während ihre Väter versuchten, den Weltrekordversuch noch zu retten.

Jurorin hat Strecke der Murmelbahn ausgemessen

Dafür verabschiedeten sie sich sogar von der offenen Holzkonstruktion, die für die letzten paar hundert Meter gedacht war. Auf ihr hätte die Kugel eigentlich für jedermann sichtbar ins Ziel rollen sollen. Die angepeilte Länge wurde schließlich soweit reduziert, dass man den bisherigen Rekord gerade noch so brechen konnte.

Eine Jurorin des Rekord-Instituts für Deutschland hatte die Strecke extra nochmal ausgemessen. Der bisherige Rekord lag bei 2.858,9 Metern. Diese Bahn wurde im Herbst 2017 in der Schweiz im Rahmen eines Teambuilding-Events errichtet. Es waren damals rund 600 Menschen daran beteiligt, die Bahn an einem Tag aufzustellen.

In Mertloch war der Bau der Kugelbahn hingegen Familiensache. Nach vielen Tests lagen die Nerven der Väter am Samstagabend jedoch blank und die Enttäuschung war groß, als der eigentliche Weltrekordlauf wieder zum Stocken kam, nachdem ein Testlauf geklappt hatte. Möglicherweise war ein Autofahrer dafür verantwortlich, der laut Organisationsteam über ein Rohr gefahren war. Man einigte sich schließlich auf einen neuen Versuch am Sonntagmorgen.

Gemeinschaft ist entscheidend bei Weltrekordversuch

Wichtig bei so einer Aktion, so die Jurorin des Deutschen Rekordinstituts, sei vor allem, dass Menschen generationenübergreifend zusammenfinden, um ein gemeinsames Ziel zu verfolgen - und dabei Spaß haben und als Team zusammenwachsen. Und das sei bei dieser Aktion auf jeden Fall so gewesen, haben viele Väter und Kinder dem SWR bestätigt.

Weltrekordversuch in Mertloch: Die Edelstahlkugel hat einen Durchmesser von zwei Zentimetern.
In Mertloch fand die 82. Vater-Kind-Aktion statt. Dabei sollte eine 3,6 Kilometer lange Murmelbahn gebaut werden. Bild in Detailansicht öffnen
Anmeldung zum Weltrekordversuch in Mertloch
Mehr als 350 Menschen hatten sich für die Vater-Kind-Aktion in diesem Jahr angemeldet. Bild in Detailansicht öffnen
Weltrekordversuch in Mertloch: Kinder werden mit dem Traktor zum Abladepunkt für die Rohre gefahren
Mit dem Traktor ging es für die Kinder zum Abladepunkt. Bild in Detailansicht öffnen
Für die längste Kugelbahn der Welt wurden vor allem Kunststoffrohre genutzt
Am Freitagabend wurden die ersten Rohre verteilt, die hoch auf den Hügel gebracht werden mussten. Bild in Detailansicht öffnen
Weltrekordversuch in Mertloch: Väter und Kinder bringen die Rohre auf den Sammetzkopf
Im Gänsemarsch ging es hoch auf den Sammetzkopf bei Kollig. Bild in Detailansicht öffnen
Weltrekordversuch in Mertloch: Startpunkt für die Kugelbahn war das Gipfelkreuz auf dem Sammetzkopf
Das Gipfelkreuz war der Startpunkt für die Kugelbahn. Bild in Detailansicht öffnen
Weltrekordversuch in Mertloch: Ein Mann steckt zwei Kunststoffrohre zusammen für die Kugelbahn
Die Rohre mussten alle zusammengesteckt werden. Bild in Detailansicht öffnen
Weltrekordversuch in Mertloch: Kinder und Erwachsene schauen über ein Feld
Luftlinie sind es von Kollig bis Mertloch nur etwa 1,5 Kilometer. Die Kugelbahn sollte jedoch ursprünglich 3,6 Kilometer lang werden. Bild in Detailansicht öffnen
Die Metallkugel für den Weltrekordversuch in Mertloch liegt auf einer Handfläche
Die Edelstahlkugel hatte einen Durchmesser von 2 Zentimetern und wog etwa 33 Gramm. Sie musste den Weg aus eigener Kraft überwinden. Bild in Detailansicht öffnen
Weltrekordversuch in Mertloch längste Kugelbahn der Welt
Die meisten der Teilnehmer der Vater-Kind-Aktion haben in Zelten in Mertloch übernachtet. Bild in Detailansicht öffnen

Viele der Teilnehmer kommen seit vielen Jahren zur Vater-Kind-Aktion. Der zweifache Vater Björn Bunse war bereits zum sechsten Mal dabei: "Die Aktionen machen einfach immer Bock. Der Weltrekordversuch ist aber echt der Knaller", meint er. Wie viele andere schätzt er neben den Aktivitäten auch die Gemeinschaft. Man kennt sich, zeltet vor Ort und trinkt auch das ein oder andere Bierchen zusammen.

Vater-Kind-Aktion auf dem Maifeld gibt es seit vielen Jahren

Frauen sieht man bei den Aktionen kaum - höchstens als Helferinnen im Hintergrund. Volker Drefs erklärt dazu: "Die Papas erlauben ihren Kindern etwas mehr. Das kommt bei den Aktionen immer gut an. Bei uns dürfen die Kinder auch mal Werkzeuge in die Hand nehmen - sei es ne Säge, nen Hammer, nen Schrauber."

Die Kugelbahn wurde nach dem geglückten Weltrekordversuch wieder abgebaut. Einen Plan für die Vater-Kind-Aktion im nächsten Jahr gibt es laut Drefs noch nicht. Doch eins ist laut seinen Worten sicher: "Wenn uns den Weltrekord einer klaut, dann holen wir uns den wieder. Wir wissen ja jetzt wie es geht."

Schwäbisch Gmünd

Familienspaß in Schwäbisch Gmünd

Die Stauferstadt Schwäbisch Gmünd am Fuße der Schwäbischen Alb hat neben Kloster und Kirche auch einiges für die ganze Familie zu bieten. Da gibt es zum Beispiel den Himmelsgarten oder die Murmelbahn.

Landesschau Baden-Württemberg SWR BW

Erstmals publiziert am
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Autor/in
Christina Nover
Autorin Christina Nover
Martina Gonser

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