Während der dreijährige Leon noch auf einem der Esel sitzt, ist sein sechsjähriger Bruder Luca schon auf dem Weg zu einer der Katzen, die er entdeckt hat. Für die beiden ist das große Gelände der Familienferienstätte Arche Noah Marienberge in Katzwinkel-Elkhausen im Kreis Altenkirchen ein großer Abenteuerspielplatz. Die verschiedenen Tiere haben es ihnen besonders angetan.
"Zuhause kennen sie das nicht, dass es so viele Tiere zum Anfassen gibt", sagt Marina Thiel. Die alleinerziehende Mutter aus Koblenz freut sich, ihre beiden Söhne so glücklich zu sehen. Auch ihr geht es gut. "Es tut gut, den Alltag hinter sich zu lassen und sich zum Beispiel mal nicht ums Kochen zu kümmern", sagt sie.
Eine Woche kostenloser Urlaub dank Landesförderung
Eine Woche lang können die drei kostenlos in der Familienferienstätte im Westerwald Urlaub machen. Als Marina Thiel von diesem Angebot gehört und dann auch noch die Zusage bekommen hat, konnte sie es kaum glauben. Möglich macht das die "Familienferien Sommeraktion" des Landes Rheinland-Pfalz. Rund 80 Familien mit besonders geringem Einkommen profitieren davon.
Marina Thiel lebt derzeit von der Grundsicherung, das Geld reiche nur für das Nötigste. Urlaub sei da nicht drin. Für den dreijährigen Leon sei es der erste Urlaub. "Wir haben hier volle Verpflegung den ganzen Tag, können Ausflüge buchen und einfach viel Freizeit gemeinsam verbringen, das tut gut", so Thiel.
Warum gemeinsame Familienurlaube wichtig sind
Dass das wichtig ist, weiß auch Hans-Georg Rieth, der Leiter der Arche Noah Marienberge. "Jeder muss mal raus aus dem Alltag und was anderes erleben. Sechs Wochen Sommerferien sind eine lange Zeit, wenn man die nur zuhause verbringt." Der Alltag vieler Kinder sei heute durchstrukturiert, es bleibe oft kaum Zeit, mal frei in der Natur zu spielen.
Und es gebe da noch einen Faktor, der nicht zu unterschätzen sei. "Eine Mutter sagte mir nach einem Besuch bei uns mal, dass ihre Tochter jetzt endlich nach den Ferien in der Schule auch mal von einem Urlaub erzählen könne." Das habe ihn besonders bewegt. Denn wenn Kinder nie in Urlaub fahren könnten, führe das in der Schule auch zu Ausgrenzung.
Laut der Bundesarbeitsgemeinschaft Familienerholung gibt es mehr als 17 Millionen Menschen in Deutschland, die sich nach eigener Einschätzung keine einwöchige Urlaubsreise leisten können. Besonders Alleinerziehende und Familien mit geringem Einkommen seien betroffen. Gemeinsame Urlaube seien aber wichtig, weil sie etwa die familiären Beziehungen stärkten und die Gesundheit förderten.
Familienferienstätten haben es nicht leicht
Dass Menschen wie Marina Thiel in Einrichtungen wie der Arche Noah Marienberge Urlaub machen können, ist nicht selbstverständlich. Denn solche Familienferienstätten haben es teils schwer. "Wir sind gemeinnützig und schaffen es kaum, Rücklagen für nötige Investitionen zu bilden. Deshalb sind wir auf Hilfe angewiesen", sagt Hans-Georg Rieth. Das Geld reiche gerade dazu aus, um den laufenden Betrieb aufrechtzuerhalten.
Seit Monaten insolvent Familienferiendorf Hübingen braucht noch 77.000 Euro zur Rettung
Das Familienferiendorf in Hübingen im Westerwald ist seit Monaten insolvent. Die Einrichtung braucht bis Mitte Juli noch rund 77.000 Euro, sonst droht die Schließung.
Das Familienferiendorf in Hübingen im Westerwald hingegen ist schon seit Monaten insolvent. Die Einrichtung kämpft gerade ums Überleben. Sollten bis zum 15. Juli nicht noch mehrere tausend Euro an Spenden zusammenkommen, droht dem Feriendorf die Schließung. Dann gäbe es eine Einrichtung weniger, um Menschen mit wenig Geld auch mal einen Urlaub zu ermöglichen.