In Koblenz sind knapp 300 Menschen wohnungslos. Zumindest ist das die Anzahl an Menschen, die bei der Caritas und dem Verein "Die Schachtel" eine Postadresse haben. Die Dunkelziffer liege weit höher, heißt es von den Hilfsorganisationen.
Zwei Notunterkünfte für Wohnungslose in Koblenz
Wer bei den aktuell eisigen Temperaturen die Nacht nicht auf der Straße, sondern in einer Notunterkunft verbringen möchte, der hat die Wahl zwischen zwei Unterkünften. Zum einen ist es das städtische Übernachtungsheim im Stadtteil Lützel. Das wird von der Arbeiterwohlfahrt (AWO) betrieben. Nach Angaben der Stadt können Menschen ab 18 Jahren die Unterkunft nutzen. Dort gibt es 20 Plätze für Männer und acht Plätze für Frauen. Nach Angaben der Stadt wird die Notunterkunft in Lützel gut angenommen. Aktuell gebe es aber noch freie Plätze.
Wer dort übernachten möchte, muss laut Stadt seine Wohnungslosigkeit nachweisen. Entweder durch den Personalausweis oder die Abmeldebestätigung des Bürgeramtes. Für Bürgergeld- oder Sozialhilfeempfänger sei die Übernachtung kostenlos.
Notunterkunft in Lützel sei nicht für alle Wohnungslosen kostenlos
Die Notunterkunft in Lützel sei allerdings nicht für alle kostenlos. Denn wer beispielsweise Rente bezieht, muss knapp 30 Euro pro Nacht bezahlen. Und genau das sei ein Punkt, weswegen die Unterkunft für viele nicht in Frage kommt, sagt Jürgen Michel. Er ist Sozialarbeiter beim Hilfsverein "Die Schachtel". "Das kann sich niemand leisten, der auf der Straße lebt", sagt Michel. Das Haus sei außerdem nicht barrierefrei - zudem seien Tiere verboten.
Sozialarbeiter: Notunterkunft in Asterstein nur schwer zu erreichen
Die zweite Notunterkunft in Koblenz liegt am Luisenturm im Stadtteil Asterstein. Laut Stadt gibt es dort Unterbringungsmöglichkeiten für alleinstehende Personen. Das Gebäude teilt sich demnach auf vier Wohneinheiten mit je drei Zimmern und je einem Gemeinschaftsbad auf. Primär handele es sich um Zimmer, die eine Doppelbelegung zulassen. Zwei der Zimmer seien jedoch Mehrbettzimmer mit einer maximalen Belegung von vier Personen.
Das Ordnungsamt verfügt dort außerdem über zwei nach Geschlechtern getrennten "Kälteschutzräumen", die von Menschen genutzt werden können, die lediglich eine Unterkunft für eine Nacht benötigen. Den Angaben zufolge sind derzeit sechs Menschen dort untergebracht.
Für Jürgen Michel ist der Standort der Notunterkunft ein Problem, denn der Weg auf den Asterstein ist steil und weit von der Innenstadt entfernt. "Für Menschen, die all ihre Habseligkeiten dabei haben und nicht mehr ganz fit sind, ist das kaum zu schaffen." Dort gebe es außerdem keine Einkaufsmöglichkeiten und das Haus sei nicht immer geöffnet, man müsse mit dem Ordnungsamt einen Termin ausmachen. Das halten Mitarbeitende der Caritas und vom Verein "Die Schachtel" für nicht praktikabel.
Weitere Angebote für Wohnungslose in Koblenz
Gerade bei den kalten Temperaturen versuchen die Koblenzer Hilfsorganisationen den Wohnungslosen in der Stadt zusätzlich mit Decken, Schlafsäcken und warmer Kleidung zu helfen. Dafür sind sie unter anderem mit dem sogenannten Kältebus zweimal pro Woche in der Stadt unterwegs.
Die Caritas hat zusätzlich am Morgen die Haustür der Fachberatungsstelle für Wohnungslose geöffnet, so dass sich Menschen im Flur aufwärmen können. Außerdem ist das Wohnungslosencafé in der Neustadt tagsüber geöffnet, wie auch das Obdachlosenrestaurant "Mampf" in Lützel.