Gut fünf Monate ist es her, dass das Assad-Regime in Syrien gestürzt wurde. Für viele geflüchtete Syrer bedeutet das: Sie können erstmals wieder in das Land reisen, das so lange unerreichbar schien. Mohammad Hazaa und Khalil Doubal aus Neuwied sind zwei von ihnen. Beide leben seit über zehn Jahren in Deutschland und haben jetzt erstmals ihre Heimat wieder gesehen.
Heimatbesuch in Syrien: Freude und Schmerz
"Der erste Blick am Flughafen war ein unglaubliches Gefühl. Ich habe meine Mutter, meine Schwester und meinen Bruder in die Arme geschlossen - das erste Mal seit zehn Jahren", erzählt Khalil Doubal sichtlich berührt. Doch es war auch ein schwerer Moment für den 33-Jährigen. Denn seinen Vater konnte er nicht wiedersehen. Dieser wurde während der Assad-Diktatur in das Foltergefängnis Saidnaja verschleppt, erzählt Khalil. Wie es mit ihm weiterging, wissen er und seine Familie nicht. Sie haben ihn nie wieder gesehen.
Nach dem Krieg sieht man in Syrien überall Armut.
Syrien ist ein zerstörtes Land
Auch für Mohammad Hazaa war der Besuch in seiner Heimat eine bewegende Zeit. Das frohe Wiedersehen mit seiner Familie - aber auch Eindrücke aus einem kriegszerstörten Land. Auf seinem Handy zeigt er ein Video: Eine Straße, gesäumt von Schuttbergen, zerstörte Häuser - der Krieg hat deutliche Spuren hinterlassen. "In dieser Straße war früher buntes, bewegtes Leben, Geschäfte, Wohnhäuser. Jetzt lebt da niemand mehr", erzählt Mohammad. Und Khalil ergänzt: "Nach dem Krieg sieht man in Syrien überall Armut. Manche Menschen leben von 20 Euro im Monat."
In Neuwied angekommen - eine zweite Heimat
Mohammad und Khalil sind vor über zehn Jahren aus Syrien nach Deutschland geflohen. Beide sind jetzt 33 Jahre alt, sie haben jeweils ein Kind, sprechen gut Deutsch und sind gut in ihrem Leben in Neuwied angekommen. Khalil arbeitet als Zahntechniker, Mohammad war lange an einer Förderschule tätig.
Sie haben das Einbürgerungsverfahren durchlaufen, sind jetzt offiziell deutsche Staatsbürger, und beide sind auch ehrenamtlich aktiv. Bei der Friedensorganisation Eirene in Neuwied haben Mohammad und Khalil eine Ausbildung zum Konfliktvermittler abgeschlossen, weil sie ein gutes Miteinander und gegenseitiges Verständnis zwischen den Kulturen fördern möchten, wie sie sagen. Deutschland ist für beide zur zweiten Heimat geworden.
Deutschland fühlt sich für mich auch wie mein Land an.
Dauerhafte Rückkehr nach Syrien?
Doch gleichzeitig stellen sich Mohammad und Khalil die Frage: Könnte eine Rückkehr nach Syrien dauerhaft möglich sein? Wenn Khalil von Syrien erzählt, spürt man, wie sehr er an seinem Heimatland hängt. "Wenn ich mit dem Herz denke, dann würde ich am liebsten wieder ganz nach Syrien gehen", sagt er. "Aber mein Kopf sagt mir, dass das keine gute Idee ist. Die Situation dort ist ganz schwierig." Es gebe kaum Arbeit, kaum Wohnungen, keine guten Schulen, beschreibt er. Und wie es politisch weitergehe, wisse niemand. In der Frage, ob er zurückgehen oder in Deutschland bleiben soll, ist Khalil unsicher.
Mohammad hingegen hat sich bereits entschieden: Er will in Deutschland bleiben. "Dieses Land hat uns ein neues Leben gegeben und dafür bin ich sehr dankbar", sagt er. Mohammad betont, dass er seit Jahren arbeitet, sein eigenes Geld verdient und dass er sich in Deutschland heimisch fühlt. "Deutschland fühlt sich für mich auch wie mein Land an", sagt er.
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Die syrisch-aramäische Gemeinde in Koblenz blickt nach dem Sturz von Machthaber Assad besorgt nach Syrien. Die Lage dort sei für Christen im Moment sehr unsicher.
Politik diskutiert über Rückkehr geflüchteter Syrer
Die Frage nach einer möglichen Rückkehr von geflüchteten Menschen nach Syrien beschäftigt auch die deutsche Politik. Nach dem Sturz des Assad-Regimes im Dezember wurden sogleich Stimmen laut, die die Rückkehr von Geflüchteten nach Syrien forderten; andere warnten vor vorschnellen Reaktionen.
Im April hatte schließlich die damalige Bundesinnenministerin Nancy Faeser Syrien besucht, um Rückkehr-Möglichkeiten nach Syrien auszuloten. Straftäter und Islamisten sollten schnellstmöglich nach Syrien zurückkehren, sagte die SPD-Politikerin. Doch sie betonte auch: "Viele haben in Deutschland Arbeit gefunden, Deutsch gelernt und sich ein neues Leben aufgebaut - sie sollen natürlich bleiben können." Der neue Innenminister Dobrindt hat sich zu diesem Thema noch nicht geäußert.
Zukunft in Deutschland - oder doch in Syrien?
Mohammad Hazaa und Khalil Doubal sind froh, in Neuwied einen Ort gefunden zu haben, an dem sie sich wohl und heimisch fühlen. Dass sie ihr Heimatland Syrien nach dem Ende des Krieges jetzt wieder bereisen können, ist für sie wertvoll.
Für Khalil bleibt die Hoffnung: Wenn sich die Situation in Syrien positiv entwickelt, kann er vielleicht irgendwann wieder dauerhaft in seine Heimat zurück. Für Mohammad dagegen ist klar: Seine Zukunft sieht er in Deutschland.