In Rheinland-Pfalz haben von den zwölf kreisfreien Städten zehn Stadtverwaltungen einen Hauptkanal auf Instagram, etwa Mainz, Koblenz und Landau. Auch die Stadtverwaltung Frankenthal ist auf Social Media aktiv. Ihr Oberbürgermeister Nicolas Meyer (FWG) sagt: "Ich kenne das noch aus der Brille des Bürgers, der sich häufig fragt, ach was macht denn die Verwaltung, können die nicht schneller arbeiten oder warum geht da nichts vorwärts? Über die Kanäle können wir unsere Projekte zeigen."
Der 45-jährige Kommunalpolitiker ist auf dem Instagram-Account der pfälzischen Stadt präsent. Ob neue Pflanztröge in der Innenstadt oder ein neuer "Jump-Action-Park" in Frankenthal – der Oberbürgermeister hält sein Smartphone in Selfie-Perspektive vor sich, spricht in die Handykamera und informiert auch auf diesem Weg die Bürger.
Aufnahmen spontan im Selfie-Modus
"Bei mir ist das zur Routine geworden, das hat sich im Wahlkampf ergeben, da hatte ich niemanden der mich unterstützt oder die Kamera positioniert hat oder auf Play drückt", erinnert sich Meyer. "Ich mache das auch teilweise wirklich spontan auf dem Heimweg, deswegen mache ich das einfach schnell im Selfie-Modus. Da gibt es kein Redemanuskript oder Drehbuch." Ein großer Vorteil bei Instagram sei, dass man die Menschen schnell erreichen könne, so der Oberbürgermeister.
Social Media: Kreisfreie Städte im Vergleich
Um herauszufinden, wie erfolgreich die zwölf kreisfreien Städte aus Rheinland-Pfalz auf ihren Hauptkanälen auf Instagram sind, haben wir uns deren Accounts genauer angeschaut. Dafür haben wir die Follower-Zahlen am 22. August zu einem bestimmten Zeitpunkt abgelesen und in Relation zu den Einwohnerzahlen (Quelle: Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz) gesetzt.
Unserer Rechnung nach ist Landau besonders erfolgreich. Verglichen mit der Einwohnerzahl folgen der Stadt auf Instagram pro 10.000 Menschen 3.308 Personen. Insgesamt hat die Stadt Landau 15.947 Follower. Speyer und Zweibrücken sind in der folgenden Abbildung nicht aufgeführt, da sie auf Instagram keinen Hauptkanal haben.
Landau: "Wir ersetzen keine unabhängige Presse- und Medienarbeit"
Die Stadt Landau teilt mit: "Mit unserem offiziellen Instagram-Account verfolgen wir das Ziel, die Bürgerinnen und Bürger transparent, aktuell und direkt über das Geschehen in unserer Stadt zu informieren. Instagram ermöglicht uns eine moderne, niederschwellige und visuell ansprechende Kommunikation, die Bürgerinnen und Bürger dort abholt, wo sie ohnehin aktiv sind."
Landau betont: "Wir ersetzen keine unabhängige Presse- und Medienarbeit! Unser Ziel ist es, verwaltungsrelevante Informationen, Hinweise und Serviceangebote schnell und direkt zu teilen – ohne dabei journalistische Einordnung oder kritische Begleitung ersetzen zu wollen."
Mainz: Social Media hilft bei Personalanwerbung
Die Stadt Mainz will mit ihrem Instagram-Account Mitarbeitende anwerben. "Wir wollen damit auch die Arbeitgebermarke Stadtverwaltung profilieren und stärken", teilt die Stadt Mainz mit. Und weiter: "Wichtiger Begleiter war der Account - neben anderen - etwa bei einem Bombenfund im vergangenen Jahr, bei dem mehrere Tausend Bewohner ihre Wohnungen verlassen mussten."
Trier: "Wir stecken viel Zeit und Hirnschmalz in Insta"
Auch die Stadt Trier ist auf Social Media aktiv. "Wir stecken viel Zeit und Hirnschmalz in Insta. Instagram mitzudenken gehört für alle unsere redaktionell Mitarbeitenden im Amt für Presse- und Kommunikation zum Alltag." Inhalte zu produzieren sei aufwändig: "Deswegen haben wir mittlerweile eine eigene Stelle geschaffen, deren Aufgabe es ist, Content zu produzieren“, teilt die Stadt mit.
Kaiserslautern: täglich ein Post
Wieviel Aufwand die Stadt Kaiserslautern in Betreuung und Pflege ihres Accounts steckt, lasse sich schwer bemessen, teilt die Stadt mit. "Es werden im Schnitt täglich ein Post abgesetzt und bis zu zehn Story-Informationen sowie ein bis zwei Reels pro Woche."
Pirmasens: Rolle von Social Media bei Cyberangriff
Die Stadt Pirmasens teilt mit, dass sie ihren Hauptkanal auf Instagram seit dem 1. April 2025 betreibe und weist darauf hin, dass ihre Social-Media-Kanäle im Falle eines Cyberangriffs eine wichtige Rolle spielen würden: "Ein solcher Cyberangriff kann dazu führen, dass neben unserer Website auch unsere E-Mail-Kommunikation, das Telefonsystem und die dienstlichen IT-Geräte lahmgelegt sind. In dieser Sondersituation können Social-Media-Kanäle die letzten verbleibenden Kanäle sein, die der Stadt für eigene Kommunikation gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern noch zur Verfügung stehen."
Neustadt: Instagram bei Rheinland-Pfalz-Tag
Viele Städte informieren auf Instagram über Stadtfeste oder andere Veranstaltungen, so auch Neustadt: "Wir durften dieses Jahr den Rheinland-Pfalz-Tag veranstalten. Durch unsere Kanäle war es uns möglich das Eventwochenende fast live in den Stories zu begleiten. Außerdem konnten kurzfristige Platzsperrungen durch große Menschenmengen oder auch Einschränkungen durch Regen bekanntgegeben werden."
Worms: Eigene Videoreihe auf Instagram
Auf den Instagram-Accounts der kreisfreien Städte wird über viele unterschiedliche Themen berichtet – es werden Tipps bei Hitze gegeben oder über Baustellen informiert. Manche Städte entwerfen auch Videoformate, wie beispielsweise Worms. Die Stadtverwaltung schreibt auf Instagram, dass sie gemeinsam mit dem Beirat für Migration und Integration in einer Videoreihe "Wormserinnen und Wormser mit Migrationsbiografie" vorstellen.
Koblenz: Insta-Live mit Oberbürgermeister
Die Stadtverwaltung Koblenz hat sich etwas Besonderes für ihre Followerschaft ausgedacht: "Wir können wahrnehmen, dass Bürgerinnen und Bürger mit uns häufiger den Austausch suchen und die niederschwellige Kommunikationsform zu schätzen wissen. Bestes Beispiel hierfür ist die einmal im Quartal angebotene Sprechstunde des Oberbürgermeisters, wo die Userinnen und User direkt Fragen an den Oberbürgermeister in einem Insta-Live stellen können und hier auch in den direkten Austausch treten können."
Auch die Stadt Ludwigshafen ist auf Instagram aktiv. Auf die Anfrage vom Südwestrundfunk hat sich die Stadt Ludwigshafen nicht rechtzeitig mit weiteren Informationen zurückgemeldet.
Speyer und Zweibrücken ohne Hauptkanal auf Instagram
Die Stadtverwaltung Speyer betreibt aktuell keinen offiziellen Instagram-Account. Ein solcher Account sei jedoch in Planung, teilt die Stadt mit. Aber: Aktuell werde Instagram von verschiedenen städtischen Einrichtungen genutzt, darunter der Tourist-Information, dem Kulturbüro, der Musikschule, der Jugendförderung sowie der Stadtbibliothek. Allein der Account der Tourist-Information hat 15.200 Follower. Die Stadt teilt mit: "Die Tourist-Information nutzt Instagram vorrangig, um die Stadt Speyer als attraktives Reiseziel zu präsentieren."
Auch die Stadtverwaltung Zweibrücken verfügt über keinen offiziellen Instagram-Account. Hier fehle es zurzeit an den personellen Kapazitäten. Aktuell informiere die Stadt vorwiegend auf Facebook und über die "MeinZweibrücken-App".
Frankenthal: Weniger Beschwerden durch Präsenz auf Social Media
Frankenthals Oberbürgermeister Nicolas Meyer (FWG) zieht eine positive Bilanz. Er sagt, dass die Beschwerden bei der Stadt durch die Präsenz auf Social Media abgenommen haben: "Durch die direkte Kommunikation können wir kritische Themen direkt und bürgernah erklären."
Die Auswertung zeigt, dass sich Instagram bei den Stadtverwaltungen der kreisfreien Städte aus Rheinland-Pfalz als ernstzunehmendes Kommunikationsmedium etabliert hat.