Auch häusliche Gewalt nimmt zu

Kriminalität in der Region Kaiserslautern: Insgesamt weniger Straftaten, aber mehr Messerangriffe

Weniger Straftaten insgesamt und eine hohe Aufklärungsquote: Das bilanziert das Polizeipräsidium Westpfalz in seiner Kriminalstatistik. Es gibt aber auch eine Zunahme von Messerangriffen, Gewalt gegen Polizisten und von häuslicher Gewalt.

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Stand

"Die Region Westpfalz ist eine sichere und lebenswerte Region und die Polizei wird weiterhin bestrebt sein, die Fallzahlen zu senken und die Aufklärungsquote auf hohem Niveau zu halten." Das sagt Hans Kästner, der Präsident des Polizeipräsidiums Westpfalz. Am Dienstag hat das Präsidium seine Kriminalstatistik für das Jahr 2024 vorgestellt. Darin sind die Fälle erfasst, die die Polizei behandelt hat.

Demnach hat es in den Regionen Kaiserslautern, Pirmasens und Zweibrücken vergangenes Jahr 29.832 Straftaten gegeben - ein Rückgang um 2.579 Fälle im Vergleich zum Vorjahr. Die Aufklärungsquote ist gestiegen und mit 70,7 Prozent die zweithöchste seit zehn Jahren. "Die Quote liegt damit um 6,4 Prozentpunkte über dem Landesdurchschnitt von 64,3 Prozent", teilt das Polizeipräsidium mit.

Was Corona mit dem Rückgang der Straftaten zu tun hat

Gesunken sind unter anderem die Straßenkriminalität, Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung oder Eigentumskriminalität. Dazu gehören unter anderem Diebstähle. Auch gab es weniger Vermögens- und Fälschungsdelikte. Das wiederum führt die Polizei unter anderem auf das Ende von Corona zurück, denn es gebe keine gefälschten Genesenen-Zertifikate mehr.

Cannabis-Legalisierung sorgt für Straftaten-Rückgang

Wie auf Landesebene, so hat auch in der Westpfalz die Teillegalisierung von Cannabis im April 2024 dazu geführt, dass Straftaten zurückgegangen sind. 2024 gab es noch rund 500 Verstöße im Zusammenhang mit dem Rauschgift im Westen der Pfalz. Das ist nach Polizeiangaben ein Rückgang um knapp 1.000 Fälle.

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Einmal mehr gestiegen ist dagegen die Anzahl der Straftaten gegen Polizistinnen und Polizisten. "Gegen sie richteten sich im Jahr 2024 insgesamt 302 Taten", so das Polizeipräsidium. Im Vergleich zum Vorjahr ist dies ein Anstieg um 13 Fälle (4,5 Prozent). Außerdem gab es mehr Messerangriffe. "Im Jahr 2024 verwendeten Tatverdächtige in 86 Fällen bei der Tatbegehung ein Messer", berichtet die Polizei. Das sind 29 Fälle mehr als im Vorjahr.

Mehr Gewalt in Partnerschaften und Familien

Zugenommen hat auch die häusliche Gewalt in der Westpfalz. Innerhalb von Partnerschaften gab es im vergangenen Jahr 1.199 Fälle - das sind 21 Fälle mehr als im Jahr davor. Die Aufklärungsquote beträgt 99,6 Prozent. In der Westpfalz gibt es laut Polizei spezialisierte Beamte, die sich um diese Fälle kümmern und auch Ansprechpartner für die Opfer sind. "Es besteht seit vielen Jahren ein bewährtes Netzwerk zwischen Polizei, Staatsanwaltschaft, Justiz, Frauenunterstützungseinrichtungen, den Interventions- und Fachberatungsstellen sowie weiteren präventiven Gremien und Kooperationspartnern", berichtet das Polizeipräsidium.

Zugenommen haben auch Straftaten innerhalb von Familien. Hier gab es 649 Fälle - 30 mehr als im Jahr zuvor. Die Aufklärungsquote beträgt 99,5 Prozent.

Die meisten Tatverdächtige rund um Kaiserslautern sind Männer

Insgesamt hat die Polizei im vergangenen Jahr 14.196 Tatverdächtige ermittelt. Davon sind 10.492 männlich (73,9 Prozent) und 3.704 weiblich (26,1 Prozent). 4.530 Tatverdächtige (31,9 Prozent) haben eine ausländische Staatsangehörigkeit. "Die größte Gruppe nichtdeutscher Tatverdächtiger stellen syrische Staatsangehörige mit 15,65 Prozent dar", berichtet die Polizei.

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Und: Auch wenn es insgesamt weniger Straftaten gab, so hat es laut Polizei gegen mehr Menschen "strafbare Handlungen" gegeben - 2023 waren es noch 8.439, 2024 dann 8.751. Unter strafbaren Handlungen versteht man ein Verhalten, das vom Gesetz mit Strafe bedroht ist. 3.629 (41,47 Prozent) Opfer sind weiblich und 5.122 (58,53 Prozent) männlich. 80,85 Prozent der Opfer haben die deutsche Staatsangehörigkeit.

Wie die Polizei Straftaten verhindern will

Ein großes Thema ist nach eigenen Angaben die Präventionsarbeit. "Sie ist eine der Kernaufgaben polizeilicher Arbeit. Um eine größtmögliche Wirksamkeit zu entfalten, wird sie zielgruppen- und ursachenorientiert geplant, durchgeführt und überprüft", so Polizeipräsident Kästner.

Schwerpunkte der Präventionsarbeit seien die Themen sexueller Missbrauch von Kindern, Verbreitung von Kinderpornografie sowie Hass und Hetze. "Präventionsarbeit ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und erfordert eine enge Zusammenarbeit mit allen dafür in Frage kommenden staatlichen, kommunalen und privaten Einrichtungen", betont der Polizeipräsident.

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