Asbest-Befall in der Kropsburgstraße

Ludwigshafen: Sanierung der Wohnungen für Obdachlose teurer als geplant

Wegen Asbest-Befalls kostet die Sanierung der Notunterkünfte in der Kropsburgstraße knapp 1,2 Millionen Euro. Was ändern die Maßnahmen für die Menschen vor Ort?

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Stand

Von Autor/in Paul Lütge

"Im Knast hätte ich es besser", sagt ein Mann, Mitte 30, der in einer Wohnung in der Kropsburgstraße in Ludwigshafen-Mundenheim wohnt. Er ist erst vor kurzem hergezogen und will nicht lange bleiben. Man könne nicht viel erwarten, sagt er, aber so viel Schmutz? Damit hätte er nun auch nicht gerechnet.

Wohnblöcke in der Kropsburgstraße in Ludwigshafen-Mundenheim.
Der Flur in der Kropsburgstraße 7 in Ludwigshafen. Bewohner sprechen von Schimmel und Kakerlaken im Gebäude.

Die Wohnblöcke der Kropsburgstraße 7, 9 und 13 in Mundenheim sind ein sogenanntes Einweisungsgebiet der Stadt Ludwigshafen – das sind Notunterkünfte für Menschen, die obdachlos sind oder von Wohnungslosigkeit bedroht sind. Die Bewohner sind nach dem Polizei- und Ordnungsbehördengesetz untergebracht, sie zahlen eine Nutzungsentschädigung.

Notunterkünfte in der Kropsburgstraße sollten zunächst abgerissen werden

Die Stadt wollte die Häuser eigentlich abreißen, doch weil immer mehr Menschen in Ludwigshafen Notunterkünfte brauchen, entschied man sich dagegen. Stattdessen will man mehrere Wohnungen sanieren.

Wohnblick in der Kropsburgstraße 7 und 9 in Ludwigshafen-Mundenheim.
Ursprünglich wollte die Stadt die Notunterkünfte abreißen und neue Wohnungen bauen.

Jetzt teilte die Stadt dem Bauausschuss mit: Die Wohnungen sind teilweise mit Asbest belastet. Statt 860.000 Euro kostet die Sanierung 1.195.000 Euro. Außerdem werden statt 30 jetzt 32 Wohnungen saniert.

Betroffene Wohnungen stehen seit längerer Zeit leer

"Ich habe davon nicht gehört, es betrifft mich ja aber auch nicht", sagt ein Mann vor Ort, der mit Fahrrad und bellendem Chihuahua im Anhänger vorfährt. Er wohnt sein ganzes Leben lang in der Kropsburgstraße.

Das ganze Haus ist voller Kakerlaken, überall!

Keine Klingel, kein Aufzug, keine Heizung, das gebe es in den Klötzen ja eh nicht, sagt er. Was ihn stört, sind die Kakerlaken: "Überall, das ganze Haus ist voll damit."

Wohnblöcke in der Kropsburgstraße in Ludwigshafen-Mundenheim.
Flur im Wohnblock. Die Häuser in der Kropsburgstraße haben keine Klingel und stehen jederzeit offen.

Die Wohnungen, die saniert werden sollen, stehen laut Angaben der Stadt bereits seit mehreren Monaten leer. Im Juni sollen die Arbeiten starten, bis Oktober sollen sie laut Vorlage im Bauausschuss beendet sein.

Auf Nachfrage des SWR teilte die Stadt mit: Bei den Arbeiten sollen Waschbecken und Klos ausgetauscht werden, teilweise werde der Boden erneuert, in einigen Wohnungen auch Türen und Fenster.

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"Für die Menschen hier ändert sich nichts", sagt ein Sozialarbeiter vom Jugendzentrum. Er arbeitet seit zehn Jahren in der Kropsburgstraße. „Es ist unwürdig, wie sie hier leben müssen", sagt er.

Möbelberg in der Kropsburgstraße.
Vor den Wohnblöcken liegen kaputte und von Tieren befallene Möbel.

Insgesamt gibt es knapp 600 Menschen in Ludwigshafen, die in Notunterkünfte leben. Neben den Wohnungen in der Kropgsburgstraße gibt es Wohnblöcke in der Bayreuther Straße – hier soll ein Wohnblock abgerissen werden.

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Immerhin: Die Menschen in der Kropgsburgstraße halten zusammen, sagt der Sozialarbeiter. "Hier kennt man sich und hilft sich gegenseitig, während man an anderen Orten seinen Nachbarn schon ignoriert."

Manchmal gehe er rum und verteile Briefe und Post, weil die Menschen hier ja keine Anschrift haben, sagt er. Und über Spenden versuche man, an Öl zu kommen. Damit die Menschen heizen können.

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Paul Lütge
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