"Im Knast hätte ich es besser", sagt ein Mann, Mitte 30, der in einer Wohnung in der Kropsburgstraße in Ludwigshafen-Mundenheim wohnt. Er ist erst vor kurzem hergezogen und will nicht lange bleiben. Man könne nicht viel erwarten, sagt er, aber so viel Schmutz? Damit hätte er nun auch nicht gerechnet.
Die Wohnblöcke der Kropsburgstraße 7, 9 und 13 in Mundenheim sind ein sogenanntes Einweisungsgebiet der Stadt Ludwigshafen – das sind Notunterkünfte für Menschen, die obdachlos sind oder von Wohnungslosigkeit bedroht sind. Die Bewohner sind nach dem Polizei- und Ordnungsbehördengesetz untergebracht, sie zahlen eine Nutzungsentschädigung.
Notunterkünfte in der Kropsburgstraße sollten zunächst abgerissen werden
Die Stadt wollte die Häuser eigentlich abreißen, doch weil immer mehr Menschen in Ludwigshafen Notunterkünfte brauchen, entschied man sich dagegen. Stattdessen will man mehrere Wohnungen sanieren.
Jetzt teilte die Stadt dem Bauausschuss mit: Die Wohnungen sind teilweise mit Asbest belastet. Statt 860.000 Euro kostet die Sanierung 1.195.000 Euro. Außerdem werden statt 30 jetzt 32 Wohnungen saniert.
Betroffene Wohnungen stehen seit längerer Zeit leer
"Ich habe davon nicht gehört, es betrifft mich ja aber auch nicht", sagt ein Mann vor Ort, der mit Fahrrad und bellendem Chihuahua im Anhänger vorfährt. Er wohnt sein ganzes Leben lang in der Kropsburgstraße.
Das ganze Haus ist voller Kakerlaken, überall!
Keine Klingel, kein Aufzug, keine Heizung, das gebe es in den Klötzen ja eh nicht, sagt er. Was ihn stört, sind die Kakerlaken: "Überall, das ganze Haus ist voll damit."
Die Wohnungen, die saniert werden sollen, stehen laut Angaben der Stadt bereits seit mehreren Monaten leer. Im Juni sollen die Arbeiten starten, bis Oktober sollen sie laut Vorlage im Bauausschuss beendet sein.
Auf Nachfrage des SWR teilte die Stadt mit: Bei den Arbeiten sollen Waschbecken und Klos ausgetauscht werden, teilweise werde der Boden erneuert, in einigen Wohnungen auch Türen und Fenster.
Neuer Zeitplan für Abriss und Neubau "Es ist die Hölle hier" – das sagen die Bewohner der "roten Blöcke" in Ludwigshafen
Immer wieder Verzögerungen: Der Abriss der "roten Blöcke" in Ludwigshafen drohte zur unendlichen Geschichte zu werden. Nun ist ein Ende in Sicht, der neue Zeitplan steht. Was sagen die Bewohner?
Ludwigshafen: 600 Menschen leben in Notunterkünften
"Für die Menschen hier ändert sich nichts", sagt ein Sozialarbeiter vom Jugendzentrum. Er arbeitet seit zehn Jahren in der Kropsburgstraße. „Es ist unwürdig, wie sie hier leben müssen", sagt er.
Insgesamt gibt es knapp 600 Menschen in Ludwigshafen, die in Notunterkünfte leben. Neben den Wohnungen in der Kropgsburgstraße gibt es Wohnblöcke in der Bayreuther Straße – hier soll ein Wohnblock abgerissen werden.
Abriss wurde mehrfach verschoben Notunterkünfte in Bayreuther Straße Ludwigshafen: Sanierung erneut verschoben
Der Abriss von maroden Wohnblöcken in der Bayreuther Straße in Ludwigshafen verzögert sich erneut. Die Stadt verschiebt die dringende Sanierung und den Neubau der Notwohnungen für obdachlos gewordene Menschen und Familien seit Jahren.
Immerhin: Die Menschen in der Kropgsburgstraße halten zusammen, sagt der Sozialarbeiter. "Hier kennt man sich und hilft sich gegenseitig, während man an anderen Orten seinen Nachbarn schon ignoriert."
Manchmal gehe er rum und verteile Briefe und Post, weil die Menschen hier ja keine Anschrift haben, sagt er. Und über Spenden versuche man, an Öl zu kommen. Damit die Menschen heizen können.