Nach einer Sitzung in Karlsruhe hat die Deutsche Bahn am Montag bekannt gegeben: Die geplante Güterzugstrecke Mannheim - Karlsruhe soll auf rechtsrheinischem Gebiet gebaut werden, also komplett in Baden-Württemberg. Zwei linksrheinische Varianten, die durch den Rhein-Pfalz-Kreis und Speyer geführt hätten, werden nicht weiter verfolgt.
Bürgerinitiative freut sich
Große Freude löste die Entscheidung bei der Bürgerinitiative "BI David" aus, die seit 2023 gegen die linksrheinischen Varianten kämpft. Volker Ziesling aus Speyer sagte dem SWR: "Die Variantenwahl der Bahn ist ein Erfolg für unsere BI. Die Bahn hat unsere Argumente aufgenommen."
Auch der Ortsbürgermeister der Gemeinde Neuhofen, Ralf Marohn (FDP), begrüßte die Entscheidung. Er habe immer damit gerechnet, dass eine rechtsrheinische Trasse verwirklicht wird und kein Vorschlag, der die Vorderpfalz betrifft, sagte er.
Aus einer Präsentation der Deutschen Bahn geht hervor, dass die beiden linksrheinischen Varianten von allen acht Varianten bei der Umweltverträglichkeits- und der Wirtschaftlichkeitsprüfung am schlechtesten abgeschnitten.
Tunnel unter Mannheim und Ludwigshafen wird vermieden
Es galt im Vorfeld als unwahrscheinlich, dass sich die Bahn für eine Pfälzer Variante entscheidet, denn dafür müsste ein über zehn Kilometer langer Tunnel unter den Großstädten Mannheim und Ludwigshafen gebaut werden. Anschließend wären die Güterzüge oberirdisch gerollt - vorbei an Limburgerhof, Neuhofen, Waldsee, Otterstadt, Speyer, Heiligenstein und Mechtersheim.
Schreider: "Bahn hat ein Fass ohne Boden vermieden"
Christian Schreider, der verkehrspolitische Sprecher der SPD Ludwigshafen, sagte, ein Bahntunnel vom Mannheimer Waldhof bis Ludwigshafen-Rheingönheim hätte eine gigantische Summe gekostet. Das Geld hätte dann woanders gefehlt. Zudem bergen laut Schreider solche Bauten erhebliche topographische und damit finanzielle Risiken. "Die Bahn hat ein Fass ohne Boden vermieden", so Schreider.
Die sechs rechtsrheinischen Varianten lassen sich mit geringerem Aufwand realisieren. Allerdings muss auch für die Trasse "R4", für die sich die Bahn jetzt entschieden hat, ein Tunnel gebaut werden: Er führt unter der Stadt Schwetzingen hindurch, ist aber bei weitem nicht so lang wie das Bauwerk, dass für die Untertunnelung Mannheims und Ludwigshafens nötig gewesen wäre.
Bürgerinitiative will weitermachen
In der Vorderpfalz hatte die Bürgerinitiative "BI David" seit August 2023 auf die negativen Auswirkungen einer Güterzugstrecke aufmerksam gemacht. Sie hatte zahlreiche Exkursionen organisiert, um den Bürgern zu zeigen, wo die Bahntrasse die Landschaft zerstören würde. Es gab mehrere Demonstrationen, unter anderem vor dem Speyerer Dom. Die BI will weiter machen, sagte Volker Ziesling und jetzt die Kollegen der rechtsrheinischen Initiativen unterstützen.
Strecke Mannheim - Karlsruhe ist überlastet
Die Deutsche Bahn hatte das Projekt Mannheim - Karlsruhe im November 2020 vorgeschlagen. Hintergrund: Die bestehenden Strecken zwischen den beiden Großstädten sind stark belastet. Sie gehören zum sogenannten Mittelrhein-Korridor, auf dem Güter zwischen den Hochseehäfen Rotterdam und Genua transportiert werden.