Bürgerentscheid gefordert

Bürgerinitiative hat über 1.500 Unterschriften gegen Geothermie in Waldsee überreicht

Eine Bürgerinitiative will verhindern, dass in Waldsee (Rhein-Pfalz-Kreis) eine Tiefengeothermie-Anlage entsteht. Sie hat am Donnerstag im Rathaus ein Bürgerbegehren mit mehr als 1.500 Unterschriften eingereicht.

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Stand

Von Autor/in Nancy Lau

"Die Bürgerinnen und Bürger in Waldsee wollen diese Tiefengeothermie-Anlage hier nicht!", sagt Tamas Biro, Mitglied der Bürgerinitiative gegen Tiefengeothermie in Waldsee.

"Wir haben jetzt innerhalb von nur drei Wochen über 1.500 Unterschriften gesammelt - nötig gewesen wären nur 416". Die Ablehnung ziehe sich durch alle Altersgruppen und soziale Schichten und sei auch im Dorf nicht zu übersehen - durch ganz viele gelbe Protest-Plakate, sagte Biro.

Tamas Biro, Mitglied der Bürgerinitiative gegen Tiefengeothermie in Waldsee.
Tamas Biro, Mitglied der Bürgerinitiative gegen Tiefengeothermie in Waldsee. Tamas Biro

Geothermie-Bohrungen auf Acker in Waldsee geplant

Deshalb haben am Donnerstagnachmittag Mitglieder der Bürgerinitiative vor dem Rathaus der 6.000-Einwohner-Gemeinde Waldsee getroffen. Ein Vertreter der BI hat die Liste mit genau 1.541 Unterschriften dann einem Mitarbeiter der Verwaltung überreicht. Ursprünglich war geplant, die Unterschriften an die Ortsbürgermeisterin Claudia Klein (CDU) zu übergeben.

Dieses Bürgerbegehren richtet sich konkret gegen die geplanten Geothermie-Bohrungen in 3.500 Metern Tiefe auf einem Ackergelände in Waldsee. Es grenzt unter anderem an ein Naherholungs- und Naturschutzgebiet.

Ein Plakat der Bürgerinitiative gegen Tiefengeothermie in Waldsee.
Ein Plakat der Bürgerinitiative gegen Tiefengeothermie in Waldsee. Tamas Biro

Bürgerbegehren gegen geplante Geothermie-Bohrungen in Waldsee

Bürgerinnen und Bürger fürchten unter anderem, dass durch die Bohrungen das Grundwasser verschmutzt wird und durch Beben Risse an ihren Häusern entstehen.

Nun prüft die Verwaltung, ob bestimmte Kriterien erfüllt sind. Zuständig ist die Verbandsgemeinde Rheinauen, zu der Waldsee gehört. Ein Sprecher sagte dem SWR, es werde beispielsweise kontrolliert, ob alle, die den Antrag unterschrieben haben, auch ihren festen Wohnsitz in Waldsee haben und damit überhaupt stimmberechtigt sind.

Wie gehts dann weiter?

Danach teilt die Verwaltung dem Gemeinderat Waldsee das Ergebnis dieser Prüfung mit.

Je nachdem, wie der Ortsgemeinderat entscheidet, kann es zu einem Bürgerentscheid kommen. Und dann könnten alle Bürger in Waldsee über das geplante Geothermie-Vorhaben direkt abstimmen.

Geothermie in Waldsee: Das ist der aktuelle Stand

Um die Geothermie in Waldsee kümmert sich die Projektgesellschaft "Geopfalz" zusammen mit den Stadtwerken Speyer und Schifferstadt. Zu Beginn eines Tiefengeothermie-Projekts wird der Untergrund durch die Auswertungen von geologischen, seismischen und sonstigen Daten bewertet, hier habe Waldsee gut abgeschnitten.

Geopfalz prüft zurzeit, welcher Platz sich für die Bohrungen in Waldsee eignet. Sobald ein geeigneter Bohrplatz feststeht, braucht das Unternehmen eine Genehmigung vom Landesamt für Geologie und Bergbau. Sollte das Amt grünes Licht geben, könnten die Bohrungen Ende 2026 beginnen. Das Projekt in Waldsee bezeichnet Geopfalz auch als Geothermieprojekt "Rhein-Pfalz".

Warum Geothermie?

Nach Unternehmensangaben steht die Region um Schifferstadt und Speyer vor einer tiefgreifenden Veränderung in der Wärmeversorgung. Denn "bis 2030 endet die bestehende Wärmelieferung aus Mannheim für das Fernwärmenetz der Stadt Speyer", heißt es. Mannheim will die Erdgasversorgung einstellen und plant drei Geothermie-Kraftwerke.

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Geopfalz zufolge sind Städte und Gemeinden gleichzeitig gesetzlich verpflichtet, ihre Wärmenetze C02-neutral zu machen, das bedeutet, fossile Lösungen wie Kohle oder Gas haben keine Zukunft mehr.

Das Unternehmen will mit der Tiefengeothermie-Anlage nach eigenen Angaben auf eine nachhaltige und klimafreundliche Weise Wärme erzeugen. Eine Rohstoffgewinnung - wie etwa von Lithium - sei nicht geplant.

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Nancy Lau
SWR-Autorin Nancy Lau

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