Er soll eine Orientierung vom Land sein: Der Hitzeaktionsplan. Die Idee: Kommunen schützen Menschen vor extremer Hitze. Bereits im Juni gab es in der Pfalz Temperaturen von mehr als 40 Grad, Bad Bergzabern erreichte in einer Nacht einen Höchstwert von 26,2 Grad. Wie weit sind die Kommunen in der Pfalz gekommen?
Hitzeaktionsplan nicht verpflichtend in Rheinland-Pfalz
Weil die Hitzeaktionspläne der Landesregierung nicht verpflichtend sind, haben weder Ludwigshafen, Speyer, Bad Dürkheim oder Landau einen abschlossenen Plan. Das geht aus einer SWR-Recherche hervor. Die Kommunen fordern aber: Land und Bund sollten die Kommunen mehr unterstützen, heißt es zum Beispiel in Speyer.
Zudem schreibt die Stadt Landau: Die Klimakrise sei eine Daueraufgabe, die die Kommunen finanziell nicht alleine stemmen können. Daher seien verässliche Finanzierungen und Förderprogramme von Bund und Land notwendig.
Fokus auf Kindergärten und Schulen wegen zu starker Hitze
Dennoch haben die Kommunen bereits verschiedene Pläne umgesetzt. So zum Beispiel bei Kitas. Um die Hitze für Kinder erträglicher zu machen, hat die Stadt Bad Dürkheim eine Kita "energetisch saniert" - dadurch sei das Raumklima angenehmer. Zudem habe die Stadt weitere EU-Fördermittel für die Sanierung einer Grundschule bekommen.
Überhitzte Kitas machen in der ganzen Pfalz Probleme Ludwigshafen: Kita macht wegen Hitze mittags dicht
"Hitzefrei" in der Kita ist für berufstätige Eltern kein Grund zur Freude. Die Kita Christ König etwa in Oggersheim macht derzeit um 14 Uhr Schluss. Es ist einfach zu heiß.
Auch in Landau haben Kitas im Zuge des Hitzeaktionsplans die Abläufe angepasst: Zum Beispiel mit zusätzlichen Trinkpausen. Über ein Förderprogramm habe man zudem Sonnensegel, Markisen und zusätzliche Bäume in Kitas finanziert. Nach den Kitas seien in Landau die Schulen an der Reihe, so eine Sprecherin der Stadt.
Frischluftschneisen, Trinkwasserbrunnen und Refill-Stationen gegen Hitze
Weiterhin gibt es in Landau Frischluftschneisen und Trinkwasserbrunnen gegen die Hitze. Auch in Speyer, Frankenthal und Neustadt gibt es Trinkbrunnen und Refill-Stationen. In Ludwigshafen sind solche Trinkwasserstationen, an denen Bürgerinnen und Bürger kostenlos trinken können, noch in Planung.
Bisher wurde nicht genug gegen Hitze getan
Auf SWR-Nachfrage bestätigt die Stadt Speyer, dass die Maßnahmen gegen extreme Hitze bisher nicht ausreichen. Notwendig seien vor allem klare Warnstufen für die Bevölkerung bei Extremlagen. Zudem müssten gefährdete Menschen bei extremer Hitze gezielt angesprochen werden.
"Mehr als fünfmal so viele Fälle wie üblich" Nach Hitzewelle: Bestatter sind im Dauereinsatz
Wie viele Menschen durch die Hitze gestorben sind, ist offiziell schwer zu ermitteln. Aber: Bestattungsunternehmen haben gerade so viel zu tun wie selten.
Hitze hat enorme gesundheitliche Folgen
Aus einem Lagebericht des Bundesministeriums für Gesundheit geht hervor, dass Hitze zu Schwindel, Erschöpfung, Atemwegsproblemen und Hitzschlägen führen kann. Betroffen seien vor allem Menschen ab 65, Säuglinge und Kleinkinder. Im schlimmsten Fall könne extreme Hitze zum Tod führen. Das Robert Koch Insitut schätzt, dass Ende Juni in Deutschland rund 5.120 hitzebedingte Sterbefälle eingetreten sind.