Wo sich sonst Stoßstange an Stoßstange reiht, haben Geographie-Studierende der Universität Trier im Rahmen eines Lehrprojekts ein kleines Stadtlabor aufgebaut. Neben einer Chillout-Area und einem Informationsstand konnten die Menschen vor Ort ihre Ideen für einen neuen, kühlen Platz einbringen.
Ideen aus der Stadt für die Stadt
Die Aktion entstand in engem Austausch mit der Stadtplanung Trier. Der Rindertanzplatz ist Teil des integrierten Stadtentwicklungskonzepts, bislang allerdings ohne konkrete Planungen. Dr. Yvonne Kunz, die das Projekt leitet, erzählt, dass die Studierenden herausfinden wollten, welche Ideen die Triererinnen und Trierer haben.
Auch kleine Flächen machen einen Unterschied
Gerade im Hinblick auf immer heißere Sommer und steigende Temperaturen durch den Klimawandel gewinnen kleine innerstädtische Flächen zunehmend an Bedeutung. Dr. Yvonne Kunz hält solche Orte für unterschätzte Ressourcen: "Ich würde sagen, dass auch kleine Flächen sehr wichtig für die Stadt sind."
Entsiegelung, Begrünung und sogar ein Wasserelement könnten im Mikroklima eines Platzes wie diesem eine spürbare Abkühlung bringen, sagt sie. "Vor allem für ältere oder geschwächte Menschen wäre ein beschatteter Ort wie dieser wichtig, um sich in der Hitze kurz zu erholen." Entscheidend sei aber nicht nur der einzelne Platz: "Wenn wir viele kleine Orte wie diesen umgestalten, könnten sie in der Summe genauso viel bewirken wie ein großer."
Jugendliche sind im Stadtbild oft nicht vorgesehen.
Kunz betont, dass in der Innenstadt vielfach Räume für junge Menschen fehlen. Ihr ganz persönlicher Wunsch, abseits der Forschung: "Eine begrünte Fläche, die explizit auch Jugendlichen zugedacht ist." Der bestehende Baumbestand des Platzes sei dafür eine gute Grundlage. Der Rindertanzplatz könnte sich zu einem niedrigschwelligen Aufenthaltsort entwickeln, der kühlt und verbindet.
Die Triererinnen und Trierer sind für die Gestaltung ihres Platzes an der Rindertanzstraße. Einige Menschen wünschten sich mehr Grün und Sitzgelegenheiten. Andere äußerten Sorge um den Wegfall von Parkplätzen – gerade mit Blick auf Menschen mit Mobilitätseinschränkung. Doch auch diese Stimmen signalisierten grundsätzlich Offenheit für eine neue Nutzung, sofern barrierefreie Angebote bestehen bleiben.
Erkenntnisse sollen in die Planung einfließen
Das Projekt der Uni Trier läuft über zwei Semester. Im Winter sollen die gesammelten Ideen ausgewertet und der Stadt zur Verfügung gestellt werden – in Form einer öffentlichen Veranstaltung. Laut Kunz besteht seitens der Stadt großes Interesse an den Ergebnissen.
Was tut die Stadt Trier gegen Hitze?
Laut Baudezernent Thilo Becker gehört Trier zu den am stärksten von Hitze betroffenen Städten in Deutschland. Entsprechend sei es notwendig, sich intensiv mit den Folgen auseinanderzusetzen.
Wie ein Sprecher der Stadt dem SWR mitteilte, befindet sich ein Hitzeaktionsplan derzeit in Arbeit. Eine ursprünglich für den Winter 2024 vorgesehene Verabschiedung wurde verschoben. Nun ist ein Beschluss nach der Sommerpause 2025 geplant. Einzelne Maßnahmen laufen aber bereits – etwa Baumpflanzungen, Entsiegelungen oder Parklets in der Innenstadt. Auch eine interaktive Karte mit "kühlen Orten" wurde von der Stadt veröffentlicht.
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Noch kein Gesamtkonzept für die Stadt Trier
Die Stadt Trier setzt damit erste Schritte in Richtung Hitzeschutz um. Ein übergreifendes Konzept fehlt bislang. Welche Rolle kleinere Orte wie der Rindertanzplatz in einer langfristigen Klimaanpassungsstrategie spielen könnten, bleibt offen. Das Projekt der Universität zeigt jedoch, das vieles möglich sein kann.