"Das ist wie bei Game of Thrones, als die Nightwalker in die Straßen gekommen sind“ - Ein grausames Bild, das Omid mit diesen Worten zeichnet. Für alle, die die Serie nicht gesehen haben, die Nightwalker sind lebende Leichen, die ohne Gefühle wie Gnade oder Mitgefühl alles töten, was in ihren Weg kommt. Doch so deutlich will er sein, muss er sein, wenn er über die Umstände spricht, die Momentan in seinem Heimatland herrschen.
"Kinder, Frauen, ältere Menschen - alle werden getötet. Wir haben keine politische Situation im Iran, es ist nur ein Kampf zwischen Leben und Tod." Menschenrechtsaktivisten gehen derzeit von 4.000 Toten bei den Protesten aus.
Vor zehn Jahren aus Iran geflohen
Der 38-jährige ist vor zehn Jahren mit seiner Mutter aus dem Iran geflohen, aus politischen und religiösen Gründen, wie er sagt. Erst in die Türkei, später dann, vor drei Jahren, weiter nach Deutschland. Hier hat er bereits das Sprachniveau B2 erreicht, arbeitet als Pädagoge und als ehrenamtlicher Übersetzer für Diakonie und Caritas.
Von diesem hilfsbereiten, engagierten Menschen ist allerdings wenig zu sehen, wenn er über den Iran spricht, oder besser gesagt über das, was momentan aus ihm geworden ist. "Wir sind wirklich momentan in der dunkelsten Zeit im Iran, die letzten 100 Jahre schon", sagt er resigniert, doch dann fängt er sich wieder. "Aber wir haben Hoffnung. Der Protest ist immer besser organisiert, immer stärker. In der Geschichte zwischen Dunkelheit und Hoffnung haben wir immer gewonnen."
Gespräche über politische Lage im Iran - unmöglich
Wir - das ist das iranische Volk - auch Freunde und Bekannte von Omid leben noch im Iran. Wie es ihnen geht - er weiß es nicht genau. "Ich habe nur einmal ein Telefonat aus dem Iran bekommen, und das hat nur ein paar Sekunden gedauert", erzählt Omid. "Mein Freund hat mir gesagt, dass ich mir bitte keine Sorgen machen soll, alle seien gesund." Und dann war die Telefonverbindung abrupt beendet. Seit zwei Wochen gibt es eine Informationssperre im Iran, die fast jede Kommunikation verhindert. Omar bekommt kaum Nachrichten.
Aber vor wenigen Tagen hat er eine Möglichkeit gefunden, wenigstens ein bisschen Kontakt aufrecht zu erhalten - über E-Mails, die wohl an der Sperre vorbeikommen. Wirklich informativ sei das aber nicht, sagt er. "Natürlich kann man nicht Fragen wie "wie geht es dir?" stellen, denn das ist momentan eine dumme Frage!", findet Omid. Auch Gespräche über die politische Lage seien nicht möglich, "weil die Regierung das mitbekommt."
Im Gegensatz zu vielen anderen Iranern, die auch im Ausland nicht über das Regime sprechen wollen - aus Angst vor den möglichen Konsequenzen für sich oder ihre Angehörigen -, ist Omid aber zuversichtlich, dass selbst der lange Arm des Regimes ihn hier nicht erreichen kann.
"Die Mullahs müssen weg!"
Omid besucht Protestaktionen und Demonstrationen wie beispielweise in Mannheim, Mainz oder Frankfurt gegen das iranische Regime. "Was wir hier im Ausland machen können: Wir sind die Stimme der Menschen im Iran! Wir haben zusammengestanden und wir haben allen gesagt: Die Mullahs müssen weg, weg, weg!“
Die Proteste hatten sich Ende Dezember am Zorn über die schlechte Wirtschaftslage im Iran entzündet, weiteten sich aber rasch zu Massendemonstrationen gegen die Führung in Teheran aus. Nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen wurden beim gewaltsamen Vorgehen der Sicherheitskräfte gegen die Protestbewegung tausende Menschen getötet.
Freiheit für die iranischen Menschen
Trotzdem will Omid nicht aufgeben und immer weiter Protestieren. Und er hofft, das Deutschland auch ein Zeichen setzt und Druck auf das Regime ausübt. "So kann die Regierung uns helfen. Die Botschafter des Regimes sollten aus Deutschland und aus Europa geschickt werden und es sollte keinen Handel mehr geben."
Omid wünscht sich vor allem eines: Frieden und Freiheit für den Iran. "Die iranischen Menschen brauchen Freiheit, genau wie die Menschen in Europa. Eine Demokratie, eine Wahl und die Möglichkeit auf freie Meinungsäußerung."