Meinung zur Oberbürgermeister-Wahl in Ludwigshafen

Kommentar: "Hört und seht die Bürgerinnen und Bürger in Ludwigshafen!"

Ludwigshafen hat einen neuen Oberbürgermeister: Klaus Blettner von der CDU. Ein Kommentar unserer Redakteurin Nicoletta Prevete zur geringen Wahlbeteiligung.

Teilen

Stand

Von Autor/in Nicoletta Prevete

Sich um diesen Job zu bewerben, verdient erst einmal Respekt. Ihn zu machen, erst recht. Das Oberhaupt einer Stadt zu sein, die zu den meist verschuldeten Deutschlands gehört, erfordert Mut und Kreativität. Zu wissen, dass der finanzielle Spielraum so eng ist, dass man oft nicht einmal weiß, wie man auch nur die Pflichtaufgaben erledigen und bezahlen soll, erfordert Nerven wie Drahtseile.

Zu glauben, dennoch etwas Gutes für die Bürger auf die Beine stellen zu können, grenzenlosen Optimismus. Ob Klaus Blettner all diese Eigenschaften mitbringt, bleibt abzuwarten.

Und auch wenn er mit großer Mehrheit gewählt wurde, man darf eines nicht vergessen: Sowohl beim ersten als auch beim zweiten Wahlgang blieben die meisten Ludwigshafener und Ludwigshafenerinnen schlichtweg zu Hause und sie füllten auch keinen Briefwahl-Zettel aus.

In Wahlrunde eins gingen knapp 30 Prozent der 118.000 Wahlberechtigten zur Urne, in Wahlrunde zwei waren es sogar nur noch 24 Prozent. Und in beiden Wahlrunden gab es eine nicht unerhebliche Anzahl von ungültigen Stimmen.

OB-Wahl in Ludwigshafen: Gründe für die niedrige Wahlbeteilung herausfinden

Wenn sich Bürgerinnen und Bürger nicht mehr dafür interessieren, wer die Geschicke ihrer eigenen Stadt in die Hand nimmt, ist das ein Trauerspiel und das oberste Gebot der Stunde, herauszufinden, woran es liegt, dass Menschen nicht mehr zur Wahl gehen.

Frau wirft Wahlunterlagen in Wahlurne

Ist es Fatalismus? So nach dem Motto "Ist ja eh wurscht, wen ich wähle, es wird ja hier eh nix besser". War es falsch vom Ludwigshafener Wahlausschuss den AfD-Kandidaten Joachim Paul von vornherein von der Wahl auszuschließen, weil auch die Nicht-AfD-Wähler sagen, "Ne, so kann man mit dieser Partei dann auch nicht umgehen?"

Oder fühlen sich die Ludwigshafener von den Programmen und Zielen aller Kandidaten, die sich hatten aufstellen lassen, einfach nicht gesehen?

Ludwigshafen: Die Politik hat nicht mehr das Ohr beim Volk

Meiner Meinung nach spielt der letzte Punkt eine ganz entscheidende Rolle: Politiker und Politikerinnen haben schon lange nicht mehr das Ohr beim Volk. Auch in Ludwigshafen nicht. Die Bürger treibt meiner Meinung nach weder die von Klaus Blettner vorgeschlagene KI-unterstützte Videoüberwachung in der Ludwigshafener Innenstadt um, noch die Frage, ob Ludwigshafen eine internationale Schule für BASF-Manager-Kinder braucht, wie SPD-Kandidat Jens Peter Gotter vorgeschlagen hatte. Und für die Ansiedlung von mehr Start-Ups, glaube ich, interessieren sich auch die wenigsten Ludwigshafener.

Klaus Blettner (CDU), der Sieger der Stichwahl um den OB-Posten in Ludwigshafen
Klaus Blettner (CDU/FWG), der Sieger der Stichwahl um den OB-Posten in Ludwigshafen

Was interessiert Bürger wirklich?

Sie interessieren sich dafür, wann es endlich ausreichend Kita-Plätze gibt und wie man diese schnellstmöglich schaffen kann. Sie interessieren sich für eine gute Schulbildung ihrer Kinder und eine ausreichende Unterstützung durch das Land für die Ludwigshafener Schulen, auf dass Bildungsgerechtigkeit nicht eine ewige Utopie bleibt.

Klaus Blettner braucht gute Augen und noch bessere Ohren

Sie interessieren sich für eine ernst gemeinte, fundierte, erfolgreiche Integration von Menschen mit Migrationshintergrund und einem Ende ewiger Parallelgesellschaften in dieser Stadt.

Und sie interessieren sich für eine lebenswerte Innenstadt, in der man mit Genuss einkaufen kann, sich auf einen Kaffee treffen kann und in der man sich einfach gerne aufhält.

"Ludwigshafen ist doch total verkommen und für die jungen Leute wird doch gar nichts getan", hat ein Erstwähler uns ins Mikrofon gesagt. Hört ihn! Auf dass er und viele andere jungen Leute in acht Jahren bei der nächsten Oberbürgermeister-Wahl den Weg zur Wahlurne finden. Denn der Mensch will gesehen und gehört werden. Ich wünsche Klaus Blettner beides: gute Augen und noch bessere Ohren.

Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
Nicoletta Prevete
Autorin Nicoletta Prevete im Einsatz.

Unsere Quellen

Transparenz ist uns wichtig! Hier sagen wir Ihnen, woher wir unsere Infos haben!