Kreis Südliche Weinstraße sucht Pflegeeltern

Mehr als ein Zuhause: Was Pflegeeltern Kindern geben können

Sie erfüllen eine sehr verantwortungsvolle Aufgabe: Pflegeeltern im Kreis Südliche Weinstraße. 90 Eltern betreuen aktuell 109 Pflegekinder. Und es werden noch deutlich mehr Pflegeltern gesucht. Wir haben eine Pflegemutter mit ihrer kleinen Pflegetochter besucht.

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Von Autor/in Nicoletta Prevete

Marielle (Name von der Redaktion geändert) ist fünf Jahre alt und ein echter Wirbelwind. An diesem heißen Julitag springt sie in den Kinderpool auf der Terrasse, flitzt zwischendurch zu den selbstgebackenen Muffins und macht sich einen leckeren kalten Kaba dazu. Ein traumhafter Sommernachmittag für die Kleine.

"Marielle ist eine wunderbare Persönlichkeit. Sehr selbstbewusst. Sie ist sehr fröhlich, lacht sehr viel. Sie erzählt sehr viel, ist sehr gesellig. Sie hat viele Freundinnen. Sie hält uns auf Trab. Und ist ein ganz wunderbares, munteres, kleines Wesen." Wenn Pflegemutter Doris Müller (Name von der Redaktion geändert) über das Kind spricht, gerät sie ins Schwärmen.

Pflegefamilie Jugendamt
Lieblingsspielzeug - Marielles Holzpferd

Und wer wollte ihr es verdenken, wenn man den süßen Fratz sieht. Kaum einer ahnt, was Marielle in ihrem kurzen Leben schon alles durchmachen musste. Mit 15 Monaten wurde sie vom Jugendamt des Kreises Südliche Weinstraße in Obhut genommen - vernachlässigt, verängstigt, verstört.

Sie hat den Kopf gegen den Boden geschlagen

"Sie hat den Kopf gegen den Boden geschlagen. Sie hat sich blutig gekratzt. Sie hatte Angst vor Gürteln. Sie ist erstarrt, wenn sie Gürtel gesehen hat. Sie hat Nächtelang geschrien. Das waren die schlimmsten Verhaltensweisen im ersten halben Jahr", erzählt Pflegemutter Doris Müller.

Geholfen habe nur Geduld im Umgang mit Marielle, sehr viel Geduld. "Sie wollte überleben", erklärt die Pflegemutter. Dazu gehörte auch, dass sie sich bei nichts helfen lassen wollte. Sie verweigerte, gefüttert zu werden, obwohl sie noch so klein war. "Aber sie hatte gelernt, nur wenn ich selbst den Löffel halte, erhalte ich auch sicher Nahrung", so Doris Müller.

In einer Pflegefamilie aufzuwachsen ist eine große Chance für die Kinder

Erzählungen, die schockieren, traurig machen und einen sprachlos zurücklassen. Gerade, wenn man Marielle jetzt begegnet: ein munterer, fröhlicher Wirbelwind. "Wenn Pflegekinder das Glück haben, in einer Pflegefamilie aufwachsen können, die ihnen Sicherheit, Geborgenheit und Liebe gibt, dann ist das für die Kinder eine ganz tolle Chance, später zu einer tollen Persönlichkeit heran reifen zu können", weiß Martha Spieß (Name von der Redaktion geändert) vom Pflegekinderdienst des Kreises Südliche Weinstraße.

Pflegefamilie Jugendamt
Schutz, Geborgenheit und Liebe - das erfahren die Pflegekinder bei ihren Pflegeeltern

109 Pflegekinder leben aktuell bei 90 Pflegeeltern im Kreis Südliche Weinstraße. Im Durchschnitt muss das Jugendamt acht bis zehn Kinder im Jahr an Pflegeeltern vermitteln, da die Kinder nicht in ihren Herkunftsfamilien verbleiben können.

Kreis SÜW: Pflegeeltern dringend gesucht

Zur Zeit sucht das Jugendamt für fünf Kinder Pflegeeltern, darunter wieder ein Kind, das wenige Monate alt ist. Gerade sehr kleine Kinder, unter zehn Jahre, benötigen eine eins zu eins Betreuung bei einer Pflegefamilie. Sie sind in Heimen nicht optimal untergebracht, so die Mitarbeiterin des Jugendamts.

Kurzfristig können sie zu Bereitschaftspflegeeltern kommen, also Pflegeeltern, die kurzfristig einspringen, wenn Kinder aus ihren Familien herausgenommen werden müssen. Aber dort können die Kinder nicht dauerhaft bleiben. Daher bildet der Kreis Südliche Weinstraße einmal im Jahr neue Pflegeeltern in einem Seminar aus, damit diese wissen, was auf sie zukommt.

Die Kinder kommen mit einem schweren Rucksack

Pflegeltern, die Kinder dauerhaft bei sich aufnehmen, müssen wissen, dass die Knirpse mit einem schweren Rucksack voller seelischer Nöte kommen. Sie müssen wissen, dass sie regelmäßig mit Jugendamtsmitarbeitern zu tun haben. Und dass auch der Kontakt zu den leiblichen Eltern gehalten werden muss, etwa wenn die Kinder ihre Eltern besuchen dürfen, erklärt das Jugendamt Südliche Weinstraße.

"Aber es ist eine ganz wunderbare Aufgabe. Wir hatten auch einen Abend, an dem andere, erfahrene Pflegeeltern von der Aufgabe erzählt haben. Das hat mir sehr gut getan, zu hören, das lohnt sich, das macht Spaß, das ist toll!" erzählt Pflegemutter Doris Müller. Ein Blick auf Marielle genügt und man weiß, dass es stimmt: Den Pflegekindern eine Chance auf eine unbeschwerte Kindheit zu geben, muss eine wunderbare Sache sein.

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