"Zuversicht ist nicht nur ein Gefühl, sie ist auch eine Entscheidung", sagte der Neustadter Oberbürgermeister Marc Weigel (Freie Wähler) bei seiner Neujahrs-Ansprache Anfang Januar im Saalbau - und nannte kurze Zeit später den Entwicklungsschub, den die Stadt Neustadt durch die Landesgartenschau bekommen wird.
Insolvente Firmen sorgten für Verzögerungen Neustadt: Wird die Landesgartenschau 2027 um ein Jahr verschoben?
Im Jahr 2027 sollte die Landesgartenschau in Neustadt eröffnen. Jetzt prüfen das Land Rheinland-Pfalz und die Stadt Neustadt, ob sie erst ein Jahr später starten soll.
Jetzt, wenige Tage später, sieht die Situation etwas anders aus: Die Stadt und das Land wollen prüfen, ob die Landesgartenschau verschoben werden kann. Baumaßnahmen dauern länger als geplant, verzögern den Ablauf. Wie gut ist es denn nun bestellt um die Zuversicht in Neustadt?
Oberbürgermeister Marc Weigel (Freie Wähler) kann die Empfehlung, die LGS um ein Jahr zu verschieben, nachvollziehen und unterstützt sie auch. Obwohl er gleichzeitig auch unglücklich darüber ist. Aber, es sei ihm wichtiger, dass die Landesgartenschau für alle eine "gute Sache" wird und die "Besucher nicht enttäuscht werden". Wie viel das die Stadt Neustadt kosten wird, dazu konnte er noch nichts sagen. In jedem Fall würden die Kosten zwischen Land und Stadt aufgeteilt werden müssen.
Am 3. Februar soll der Stadtrat darüber entscheiden.
Bürger in Neustadt: "Traurig, alle hatten sich gefreut"
"Mir war von Anfang an klar, dass das hier in Neustadt nicht funktioniert", sagt ein Mann in der Innenstadt. Die Verwaltung sei so schlecht und langsam, findet er. Für ihn ist es eine Schmach, dass die Stadt so etwas nicht rechtzeitig hinbekomme.
Neue Bäume, Arbeiten am Sportpark Landesgartenschau in Neustadt: Das steht 2026 an
In einem Jahr und vier Monaten wird die Landesgartenschau in Neustadt an der Weinstraße eröffnet. Bis dahin ist viel zu tun – auch im Jahr 2026 wird deswegen gepflanzt und gebaut.
"Ich find's sehr traurig für die Stadt. Jeder hat sich drauf gefreut und das Konzept war überzeugend", sagt eine Passantin. "Warum hat man nicht früher angefangen?", fragt eine weitere Passantin. "Ich konnte mir das schon denken, dass es verschoben wird. Die Stadt hat sich nicht weiterentwickelt, bis 2027 hätten sie es nicht gepackt", sagt ein Mann.
FDP-Politiker aus Neustadt: "Wollen gute Gastgeber sein"
Nicht nur die Bürger in Neustadt beschäftigt das Thema. Auch die Stadtpolitik wird sich damit befassen - der Stadtrat muss einer möglichen Verschiebung zustimmen.
Man habe bis zuletzt um den Zeitplan gekämpft, schreibt der Parteikollege von Weigel, Christoph Bachtler, in einer Stellungnahme an den SWR. "Bevor wir Kompromisse eingehen müssen, die Anpflanzung zu spät erfolgen und Teile nicht rechtzeitig fertig werden, ist es besser die Gartenschau um ein Jahr zu verschieben", sagt er. Die FWG sei nicht glücklich darüber und es koste zusätzlich Geld. Aber: "Die Gartenschau ist uns zu wichtig, für halbe Sachen."
Stadtrat Neustadt: Parteien zeigen Verständnis für Verschiebung
Auch die SPD-Fraktion Neustadt hat Verständnis für die Verzögerungen: "Eine mögliche Verschiebung ist kein Abrücken vom Projekt, sondern, wenn sie notwendig ist, ein Schritt, um Qualität, Sicherheit und Umsetzbarkeit zu gewährleisten", so SPD-Vorsitzender Pascal Bender. "Entscheidend ist, dass die LGS am Ende ein Erfolg für Neustadt wird."
Matthias Frey, Fraktionschef der FDP sieht das ähnlich. Er bedauert zwar, dass die Veranstaltung wohl verschoben werden muss. Aber: "Wenn der Zeitplan aufgrund von Verzögerungen nicht zu halten ist, ist die Verschiebung zwingend", sagt er. "Wir wollen ja in Neustadt gute Gastgeber sein und den Gästen eine perfekte Schau bieten."
"Panoramabar" und "Sportlandschaft" In Neustadt wird fleißig für die Landesgartenschau 2027 gebaut
Ende Oktober beginnen Arbeiten für "Highlights" bei der Landesgartenschau (LGS). Um welche zwei Projekte es sich dabei in Neustadt handelt.
Martin Rössler, Fraktionschef der AfD, fordert Transparenz über Termine und Kosten: "Die Landesgartenschau darf nicht zu einem Risiko für die Steuerzahler werden." CDU-Fraktionschef Clemens Stahler hat Verständnis für eine mögliche Verschiebung: "Unser Ziel ist eine Landesgartenschau, die für Neustadt ein voller Erfolg wird. Dafür sind verlässliche und sorgfältige Vorbereitungen notwendig."
Zuspruch aus Landau
Sollte die Landesgartenschau in Neustadt verlegt werden müssen, wäre das kein Drama – findet der frühere Landauer Oberbürgermeister Hans-Dieter Schlimmer: Er war Stadtchef in Landau als dort die Landesgartenschau 2014 um ein Jahr verlegt werden musste, weil Weltkriegsbomben auf dem Areal gefunden wurden. Klar, sei das zuerst ein Schock gewesen: "Da hatte ich natürlich Fracksausen!" Aber: Rückblickend sei die Verlegung sogar "ein Glücksfall" gewesen. Die zusätzliche Zeit habe der Schau gut getan: "Die Vegetation hatte ein Jahr länger Zeit, Bauten und Anlagen konnten ohne Hektik fertiggestellt werden, und unterm Strich hat zur Eröffnung dann alles gepasst."
Auch für Neustadt könnte eine Verlegung am Ende von Vorteil sein, glaubt Schlimmer: "Die Leute kommen, um Blumen zu sehen: die Hyazinthen, die Tulpenblüten…wenn Du da acht bis zehn Wochen später eröffnest, ist das alles vorbei."
Ein weiterer Vorteil aus seiner Sicht: "Ich habe mal nachgeschaut: 2028 ist das Osterwochenende genau Mitte April. Das muss man mitnehmen. Da hat man durch die Osterferien locker mal hunderttausend Besucher mehr."