Dass er als Chef der sogenannten Briefkasten-Bande agierte, sei ihm nicht nachzuweisen, sagte die Vorsitzende Richterin bei der Urteilsbegründung am Mittwoch. Sie ordnete zudem an, dass der Mann mehr als 8.000 Euro Beutegeld zurückzahlen muss. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.
Das Gericht blieb beim Strafmaß unter der Forderung der Staatsanwaltschaft. Die hatte im Prozess gegen den mutmaßlichen Kopf der Bande sieben Jahren und acht Monate Gefängnis für den 23-Jährigen gefordert, wegen versuchten schweren Raubs und wegen schweren Bandendiebstahls.
Fünf junge Männer angeklagt Landau: Prozess um gestohlene und manipulierte Post hat begonnen
Am Montag hat am Landgericht in Landau ein Prozess gegen mehrere junge Männer begonnen. Sie sollen aus Briefkästen Rechnungen gestohlen, manipuliert und die Fake-Rechnungen dann weitergeschickt haben.
Verteidigung nennt kein Strafmaß
Die Verteidigung forderte am Mittwoch eine deutlich mildere Strafe. Der Anwalt argumentierte, bei den Taten 20-Jährige sei keineswegs der Bandenchef und die Taten gemeinschaftlich geplant worden. Die Verteidigung nannte kein konkretes Strafmaß.
In seinem Schlusswort hatte der Angeklagte auch nochmal beteuert, nicht der Kopf der Bande gewesen zu sein: "Weder die Idee noch der Schlüssel (Anm. der Redaktion: für die Postbriefkästen) kommt von mir." Er sei von den anderen Mitgliedern der Bande zum "Sündenbock" gemacht worden. Die Mittäter sind bereits verurteilt.
Schaden beträgt rund 32.000 Euro
Das Gericht sah als erwiesen an, dass die Bande öffentliche Briefkästen geknackt, Briefe mit Rechnungen geöffnet, eingescannt und auf den Formularen ihre eigenen Konten eingetragen haben. Dann warfen sie die Briefe wieder in den Kasten. Die Empfänger der Rechnungen überwiesen - ohne es zu wissen - Geld auf die Konten der Bande. Der Schaden soll rund 32.000 Euro betragen. Betroffen waren vor allem Rechnungen von lokalen Firmen, zum Beispiel einer Reinigungsfirma und einem Bestattungsinstitut, aber auch von Arztpraxen.
Angeklagter hat sich selbst gestellt
Der 23-jährige hatte von der Türkei aus agiert und war mit internationalem Haftbefehl gesucht worden. Im September 2025 hatte er sich bei seiner Einreise nach Deutschland selbst gestellt und saß seitdem in Untersuchungshaft.
Bande soll Rechnungen geklaut haben So reagiert die Deutsche Post auf den Briefkasten-Betrug in der Südpfalz
Die Staatsanwaltschaft Landau hat Anklage gegen fünf Männer erhoben. Sie sollen aus den gelben Briefkästen der Post Rechnungen gestohlen und manipuliert haben. Die Deutsche Post hat darauf reagiert.
Briefkästen in der Südpfalz geplündert
Die Staatsanwaltschaft war davon ausgegangen, dass der 23-Jährige als Bandenanführer die Idee zu dem Betrug gehabt und die anderen jungen Männer angeworben hatte. Dem folgte das Gericht nicht. Mit einem Generalschlüssel hatten sie im Sommer 2024 Postbriefkästen in Landau, Offenbach, Essingen und Hatzenbühl geöffnet.
Post-Betrug in Landau: Angeklagter hat Schulden
Vor dem Landgericht gab der Angeklagte am ersten Prozesstag Auskunft über Privates. Er habe Spielschulden von rund 100.000 Euro, sei THC- und alkoholabhängig gewesen.