Laut Anklage hat der 68-Jährige im März dieses Jahres versucht, seine Schwester im Garten ihres Hauses zu töten. Zuerst soll er die Frau mit einem Elektroschocker attackiert und danach ein Seil um ihren Hals gelegt haben, um sie zu erdrosseln.
In Handschellen in den Gerichtssaal geführt
Der Angeklagte wurde in Handschellen von Justizvollzugsbeamten in den Gerichtssaal geführt. Er wirkte gebrechlich und resigniert. Er sprach recht leise und hatte Probleme, die Richterin zu verstehen. Zur Tat wurde er am Donnerstag nicht befragt, er äußerte sich zunächst zu seiner Person. Demnach war er erst mehrere Jahre selbstständig und später jahrelang arbeitslos. In dieser Zeit habe er nur von seinen Ersparnissen gelebt, erzählt der Mann, er habe keinerlei Sozialleistungen bezogen und auch keine Schulden gehabt.
Der Angeklagte berichtete, dass er in der U-Haft fast 20 Kilogramm abgenommen habe und der Verdacht bestehe, dass er unter Hautkrebs leidet. Wenige Wochen nach seiner Festnahme habe er einen Selbstmordversuch unternommen, sagte er. Er leidet nach eigenen Angaben an Epilepsie und ist seit seiner Geburt halbseitig gelähmt.
Schwester tritt als Nebenklägerin auf
Auch die Schwester des Angeklagten war beim Prozessauftakt anwesend und tritt als Nebenklägerin auf. Ihr Anwalt teilte mit, dass es der 71-Jährigen den Umständen entsprechend gut gehe und dass "sie sich tapfer halte". Sie ist bei dem Angriff im März schwer verletzt worden. Über diesen Angriff berichteten Polizisten, die als Zeugen geladen waren. Ein Polizist gab an, dass er am Tag der Tat gerade mit anderen Polizisten in einem Streifenwagen war, als mehrere Male ein Funkspruch einging. Laut dem Funkspruch sei eine Frau wohl in Lebensgefahr. "Eine Frau braucht Hilfe und lebt nicht mehr lange", hieß es.
Zeugen gesucht Haßloch: Mann greift Schwester mit Elektroschocker und Seil an
Ein Mann soll am Donnerstag in Haßloch (Kreis Bad Dürkheim) versucht haben, seine Schwester zu erwürgen. Dabei erlitt die 71-Jährige schwere Verletzungen.
Als die Polizisten dann zum Tatort fuhren, hätten bereits mehrere Menschen in der Nähe gestanden. Ein Polizist berichtete: "Beide (der Angeklagte und seine Schwester) lagen am Boden. Er lag press auf ihr drauf. Das sah man erst bei Nahem. Die untere Person lag dem Polizisten zufolge auf dem Bauch, die obere Person lag mit dem Bauch auf ihr und zog mit beiden Händen am Strick." Der Strick sei der Frau zweimal um den Hals gelegt worden.
Polizist stieß Angeklagten nach eigenen Angaben vom Opfer weg
Der Polizist soll geschrien haben: "Lassen Sie die Frau in Ruhe!" und den Mann von der Frau weggestoßen haben. Die Frau sei erst nicht ansprechbar gewesen, habe geblutet und ihr Kopf sei ein bisschen blau angelaufen. Sie wurde dann vom Rettungsdienst betreut und kam schwer verletzt in ein Krankenhaus. Im Gericht wurden Polizeifotos gezeigt: Es wurden unter anderen Fotos vom Angeklagten am Tatort, von einem Elektroschocker, dem Strick und dem Opfer gezeigt. Die Polizisten erkannten den Angeklagten im Gerichtssaal wieder.
Als die Polizisten von ihren Erlebnissen berichteten, zeigte sich der Angeklagte ungerührt. Auch vor Ort bei der Tat habe der Angeklagte "gleichgültig" auf den beteiligten Polizisten gewirkt. Der Angeklagte habe sich widerstandslos festnehmen lassen "und so etwas gesagt wie: Ihr habt mich", berichtete ein Beamter vor Gericht.
Erbstreit als mögliches Tatmotiv
Im Prozess wurde deutlich, dass sich der Angeklagte und seine Schwester schon seit mehreren Jahren um das Erbe ihrer Mutter streiten. Im März 2024 hatte die Frau von ihrem Bruder gefordert, dass er einen Geldbetrag in Höhe von mehr als 78.000 Euro zurückzahlt. Denn er soll das Geld unbefugt vom Bankkonto der verstorbenen Mutter abgebucht haben. Bei dem Streit um dieses Geld vor Gericht soll er seinem Anwalt eine gefälschte Vollmacht der Mutter gegeben haben. Das wirft die 71-Jährige dem Angeklagten vor.
Das Gericht will diese Vollmacht nun überprüfen lassen. Außerdem streiten sich der Angeklagte und die 71-Jährige auch um das von der Mutter hinterlassene Haus in Naumburg in Sachsen-Anhalt, in dem der Angeklagte mit seiner Frau und zwei Kindern zurzeit lebt. Der Angeklagte hatte sich um seine Mutter gekümmert, als sie noch am Leben war. Einem Klinikbericht zufolge, der während des Prozesses verlesen wurde, ist die Mutter des Angeklagten ein Pflegefall gewesen. Sie litt unter anderem an Demenz.
Verhandlungstermine bis Ende November
Der 68-Jährige muss sich wegen versuchten Mordes, gefährlicher Körperverletzung, versuchten Prozessbetrugs und Urkundenfälschung verantworten. Verhandlungstermine sind bis Ende November angesetzt.