Die pfälzische Kirchenpräsidentin Dorothee Wüst hat der evangelischen Kirche Ignoranz und Lieblosigkeit im Umgang mit Betroffenen von sexuellem Missbrauch vorgeworfen. Das hat der Evangelische Pressedienst vom Kirchentag in Hannover mitgeteilt. Die Kirche predige laut Wüst vom barmherzigen Samariter und weise dennoch den Verletzten die Tür, so Wüst am Donnerstag, die auch Sprecherin der kirchlichen Beauftragten im Beteiligungsforum Sexualisierte Gewalt in der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) ist. "Die Tür müsste weit offen stehen. Sie tut es nicht."
Wüst: Kirche solle erkennen, wenn sie "verkackt" habe
Dafür trage auch sie selbst als leitende Theologin Verantwortung. Wüst sprach innerhalb eines Workshops mit Nany Janz, der Betroffenenvertreterin im Beteiligungsforum. Dem Gespräch lag ein Text aus dem Markusevangelium zugrunde, in dem Jesus zunächst hochmütig eine Hilfe suchende fremde Frau abweist, sich dann aber durch deren Hartnäckigkeit belehren lässt. Sie wünsche sich eine Kirche, die letztlich wie Jesus erkennt, wenn sie es "verkackt" habe. "Kirche muss sich grundsätzlich, konsequent und nachhaltig unterbrechen lassen (...), selbst in Haushaltsplänen."
Nancy Janz schilderte in der fast voll besetzten Marktkirche, wie die Kirche sie als Betroffene von sexuellem Missbrauch als Störerin abgewiesen und im Stich gelassen, ihr sogar die Schuld zugeschrieben habe. Dennoch mache die Geschichte vom lernenden Jesus ihr Hoffnung. Heiligkeit bestehe nicht darin, keinen Fehler zu machen, sondern bereit zu sein, Fehler einzugestehen und zu lernen. "Meine Hoffnung: Auch das innere Kind in mir, in anderen Betroffenen, kann frei werden, wenn unser Widerspruch endlich ernst genommen wird."