Ein Brand in der Silvesternacht 2024/2025 ist Peter Eymann von der Feuerwehr Speyer besonders im Gedächtnis geblieben. Eine Familie verlor ihr Zuhause - durch eine Silvesterrakete.
Silvester in Speyer: Haus von Familie abgebrannt
Die junge Familie mit zwei Kindern feierte gemeinsam Silvester, schaute das Feuerwerk um Mitternacht und ging schlafen. Am Neujahrsmorgen werden sie plötzlich von ihren Rauchmeldern geweckt: Die Dachterrasse brennt. Alle Löschversuche sind vergebens, die Familie kann sich nur noch in Sicherheit bringen und den Notruf wählen. Die Feuerwehr Speyer rückt an und löscht den Brand stundenlang.
Die Bilanz: Nach dem Feuer sind das Dachgeschoss und das darunterliegende Stockwerk nicht mehr bewohnbar. Der Grund für den Brand: eine fremde Feuerwerksrakete war auf die Dachterrasse des Hauses geflogen und hatte das Holz in Brand gesteckt.
Intensive Nacht für Einsatzkräfte
Silvester bedeutet für die Feuerwehr meist Ausnahmezustand: "An Silvester kann es durchaus vorkommen, dass es schon mal bis zu 20 Einsätze in Speyer sind", erzählt Eymann. In normalen Nächten fahre die Feuerwehr im Schnitt zwei Mal raus, oft auch gar nicht.
Für die Feuerwehr beginnt Silvester eigentlich schon am 30. Dezember - denn dann werden die ersten Böller geworfen und erste Raketen abgeschossen.
In der Silvesternacht dann gehe es oftmals erst gegen 1 Uhr richtig los, wenn die ersten Feiernden anfangen, die Reste der Böller aufzuräumen. Das kann gefährlich sein. "Wenn überall die Lichter ausgehen und die Leute aufhören zu feiern, dann rollen wir nochmal los."
Wie können Brände und Unfälle mit Böllern verhindert werden?
Ein Tipp von Peter Eymann, um Brände zu verhindern: Müll von Balkon und Terrasse entfernen und auch Gegenstände, die brennen könnten. Denn Raketen fliegen oft kreuz und quer. "Selbst wenn man die Flammen nicht direkt sieht, kann es bereits kokeln", sagt der Katastrophenschutz-Experte.
Wer ein Feuerwerk entzündet soll Abstand halten zu Bäumen und Wohnhäusern, rät Eymann. Wichtig sei auch, Feuerwerk nur auf einem festen Untergrund zu zünden. So könne man vermeiden, dass Raketen auf einen Balkon oder in ein Haus fliegen wie in Speyer.
Niemals eine Rakete aus der Hand zünden, sagt Eymann. Der Experte rät, Getränkekisten mit leeren Glasflaschen zu verwenden, die als "Abschussrampe" genutzt werden können. Außerdem sei es ratsam, immer einen Eimer Wasser bereitstehen zu haben, um kleine Brände im Notfall selbst löschen zu können. Dann sei es aber trotzdem wichtig, die Feuerwehr zu rufen. Die könne sicherstellen, dass der Brand vollständig gelöscht sei.
Was tun bei Blindgängern?
Wenn ein Böller nicht explodiere, abzuwarten und auf Abstand bleiben, betont Eymann. Falls der Böller auch nach mehreren Minuten nicht explodiert sei, könne man ihn selbst entschräfen: Vorsichtig mit einer Zange oder einer Schaufel aufheben und in einen mit Wasser gefüllten Eimer legen.
Besonders wichtig sei, den Böller nicht noch einmal anzuzünden, warnt Eymann. Das seien oftmals die Fälle, bei denen es zu gefährlichen Verletzungen an den Händen oder dem Gesicht komme.
Schwere Verletzungen müssen schnell behandelt werden
Genau solche Verletzungen werden in der BG Klinik in Ludwigshafen behandelt, wo viele der Schwerverletzten an Silvester eingeliefert werden. Die Ärzte operieren rund um die Uhr - auch in der Nacht. Nach der Einlieferung in die BG Klinik zähle jede Minute sagt Böcker, wenn es darum geht, Hände oder Arme zu retten.
Die Verletzungen sind oft so heftig, dass Arne Böcker, Chefarzt für Hand- und Nervenchirurgie für ein Böllerverbot plädiert: "Das geht an einem Chirurgen nicht spurlos vorbei, wenn man einen jungen Familienvater sieht, der sich mehrere Finger amputiert hat."
Was die Ärzte zu sehen bekommen in einer Silvesternacht reicht von kleineren Verbrennungen an der Hand, bis hin zum Verlust von ganzen Gliedmaßen. Die Spezialisten könnten in den meisten Fällen Hände zwar wiederherstellen, aber das sei oftmals nur "Schadensbegrenzung". Böcker warnt vor selbstgebauten Böllern: Sie verursachten meist schwere Verletzungen durch ihre enorme Sprengkraft.