Schwarzes Jahr geht zu Ende

Südpfalz: Bei diesen Unternehmen haben Hunderte ihren Job verloren

Es war ein schwarzes Jahr für die Industrie in der Südpfalz. Bei vielen Firmen fielen Hunderte von Stellen weg.

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Von Autor/in Cosima Galm

Das Unternehmen Eberspächer catem in Herxheim hat über 10.000 Mitarbeitende und rund 80 Standorte in 30 Ländern. Der Hauptsitz ist in Esslingen am Neckar. 

Kyra Reinhard hat auf den Tag genau 32 Jahre und acht Monate bei Eberspächer gearbeitet. Die 56-Jährige war die Dienstälteste in der Produktion. Die meisten anderen Kolleginnen und Kollegen wurden von ihr eingelernt. Kurz vor Weihnachten 2024 kam dann der Schock: Die Produktion wird nach Polen und Bulgarien ausgelagert.

Viele Mitarbeiter bei Eberspächer sind in einer "Auffangfirma"

Laut Reinhard hätten einige Mitarbeitende die Hiobsbotschaft aus dem Radio erfahren. Daraufhin haben der Betriebsrat und die IG Metall lange gegen die Entscheidung gekämpft. Durch rechtliche Unterstützung konnte ein Ausgleich erwirkt werden und die Mitarbeitenden haben sowohl Abfindungen als auch eine Übernahme in einer Auffangfirma erhalten.

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Allerdings beschränkt sich diese Übernahme auf maximal ein Jahr. Wie es danach für sie weitergeht, ist noch offen.

Angst vor der Zukunft bleibt

Kyra Reinhard ist seit einem Monat in der Auffangfirma. Dort lernen die Ehemaligen, wie sie Bewerbungen schreiben und bekommen Jobs empfohlen. Doch die Angst vor der Zukunft bleibt. Produktionsstellen würden nicht mehr so gut bezahlt, sagt Kyra Reinhard: Sie habe Angst, in die Altersarmut abzurutschen.

Leben für die Firma gegeben

Das Verhalten von Eberspächer empfindet sie als respektlos: Jahrzehntelang hätten sie und die anderen Mitarbeiter aus der Produktion alles für ihre Arbeit gegeben. Wochenenden hätten sie durchgearbeitet und das Privatleben vernachlässigt. Eine höhere Abfindung und ein menschlicherer Umgang mit den ehemaligen Mitarbeitern – das sei doch das Mindeste gewesen, findet sie.

Stimmung jetzt bei Eberspächer ruhiger

Wie ein Sprecher des Betriebsrats von Eberspächer gegenüber dem SWR sagte, sei die Stimmung vor allem im Frühjahr und in der Übergangsphase sehr gedrückt gewesen.

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Seit die Produktion nicht mehr da ist, sei es ruhig im Unternehmen geworden. Es habe einige Umstrukturierungen in der Führungsebene gegeben und der Standort habe sich neu organisiert.

Keine Produktion mehr in Herxheim

Dort, wo jahrelang produziert wurde, findet nun hauptsächlich Controlling, Einkauf und Vertrieb statt. Durch die Neuausrichtung hat sich die sehr gedrückte Stimmung wieder verbessert. Außerdem rechne man nicht mehr damit, dass sich ein derartiger Stellenabbau wiederholen werde.

Kyra Reinhard widerspricht. Laut ihr sei die Stimmung weiterhin "miserabel". Viele Beschäftigte hätten Angst, dass es ihnen genauso ergeht wie ihren Ex-Kollegen. Daran könne auch die Neuausrichtung des Standorts in Herxheim nichts ändern.

Aber sie berichtet auch von anderen Ehemaligen, die neue Jobs gefunden haben. Die meisten sind bei Leiharbeitsfirmen untergekommen.

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Die IG Metall hat den Mitarbeitenden aus der Produktion von Eberspächer im Gerichtsverfahren und bei den Kündigungsprozessen geholfen. Marc Tinger, erster Bevollmächtigten der IG-Metall Landau, sieht vor allem die Politik in der Verantwortung für faire Kündigungsverfahren.

Außerdem ist ihm wichtig zu betonen: "Was wir im Moment merken, da wo wir keine IG Metall haben, da wo wir keine IG Metall Betriebsräte haben, da sind Belegschaften schutzlos, absolut schutzlos." Für ihn ist eine starke Gewerkschaft essentiell.

Wie steht es sonst um die Industrie in der Südpfalz?

Bei Ronal in Landau wurde dieses Jahr das komplette Werk geschlossen. Im April 2024 hatte das Unternehmen die Schließung angekündigt und im März 2025 vollzogen. Das Ergebnis: Knapp 500 Menschen, die Ronal teilweise jahrzehntelang ihren Arbeitgeber nannten, wurden arbeitslos.

Auch bei Tenneco sind in den letzten Jahren viele Stellen weggefallen

Nach Angaben der IG-Metall Landau seien auch beim Autoteilehersteller Tenneco in Edenkoben in den letzten vier Jahren ein Viertel der Stellen gestrichen worden. Tendenz steigend. Denn laut Marc Tinger gelten dort zwar IG Metall Tarifverträge, aber die stärkste Gewerkschaft ist die CGM (Christliche Gewerkschaft Metall). Diese sei laut Tingers Aussage eine sehr betriebsnahe Gewerkschaft und würden nicht stark genug gegen den Stellenabbau kämpfen. 

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Laut IG Metall Ludwigshafen-Frankenthal sei außerdem Borg Warner aus Kirchheimbolanden vom Stellenabbau betroffen. Dort wurden in den letzten vier Jahren 500 Menschen entlassen.

Auch bei TE in Speyer sind circa 200 Menschen betroffen. Diese sollen durch Freiwilligenprogramme, durch Abfindungen und Prämien, aus ihrem bisherigen Arbeitsverhältnissen entlassen werden.

Es bleibt also fraglich, was das neue Jahr für die Industrie in der Südpfalz bringt.

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