Es ist eng, bedrückend und etwas unheimlich im Weltkriegsbunker in der Valentin-Bauer-Straße. "Das Besondere an diesem Bunker ist, dass er in dem Zustand erhalten ist, wie er 1945 verlassen wurde! Danach wurde nichts mehr verändert", sagt Klaus Jürgen Becker vom Ludwigshafener Arbeitskreis Bunkermuseum. "Es wurde nicht mehr gemalert und ein wesentlicher Teil der Infrastruktur - wie die Belüftungsanlagen - sind noch vorhanden."
Als Museum soll der Bunker ab Juli für die Öffentlichkeit zugänglich sein. Dafür hat der Arbeitskreis Bunkermuseum gesorgt. Seit 1. Mai hat der Verein den Bunker von der Stadtverwaltung Ludwigshafen gemietet.
Der Ludwigshafener Bunker von innen
Der Bunker im Stadtteil West wurde 1941 gebaut, ist fast 20 Meter hoch und hat fünf Etagen. Während der Bombenangriffe im Zweiten Weltkrieg konnten hier 140 Menschen unterkommen. Jahrelang stand das Gebäude leer - seit Mai gibt es nun Strom und Einrichtung. Wegen Brandschutz ist allerdings nur das Erdgeschoss begehbar. Die Räume sind überraschend klein und eng. Es gibt sogar einen Entbindungsraum im Bunker. Hier kamen also auch Babys zur Welt.
Bombenangriffe auf Ludwigshafen dauerten lange
Ein Raum war damals für den Bunkerwart reserviert. Er sorgte für Ordnung und kontrollierte den Zugang zum Bunker. Oft waren die Räume auch bei anderen Luftangriffen so überfüllt, dass Menschen im Gang stehen mussten. Die Luftschläge gingen meist mehrere Stunden. Kinder in Ludwigshafen entfernten sich beim Spielen nicht sehr weit vom Bunker, so dass sie bei einem Angriff schnell reinrennen konnten. Einen Angriff habe man in dem Bunker wie einen Knall auf den Kopf wahrgenommen, sagt Becker. Diese bedrückende Stimmung soll im Museum beim Gang durch die Räume vermittelt werden.
Familien hausten im Bunker
Zimmer 10 beispielsweise war ein Aufenthaltsraum. Früher standen hier sechs Betten, ein Schrank und ein Klappstuhl. Der Raum ist sehr eng und lässt kein Sonnenlicht rein, und heute hört man den Straßenlärm durch die dicken Wände und es gibt fast keine Belüftung. Manche Familien hausten hier - schwer vorstellbar - sogar mehrere Jahre. Daneben befinden sich ein Toilettenraum mit zwei Toiletten und zwei Waschbecken für die Frauen. Die Männer mussten eine Etage rauf.
Vom 5. auf den 6. September 1943 kam es zu einem britischen Großangriff - dem schlimmsten Bombenangriff auf Ludwigshafen und Mannheim. Zehntausende Brandbomben wurden abgeworfen. Rund 55.000 Menschen wurden obdachlos. Auch bei diesem verheerenden Angriff suchten Menschen in Ludwigshafen Schutz im Bunker.
Bunker in Ludwigshafen in gutem Zustand
Der Bunker in der Valentin-Bauer-Straße wurde während des Krieges nicht beschädigt und sei in einem guten Zustand, sagt Klaus Jürgen Becker. Auch die Verfärbungen an der Wand sind originaltreu, weil die Menschen vor mehr als 80 Jahren daran angelehnt haben. Die Einrichtung ist noch nicht abgeschlossen: Es sollen weitere Gegenstände dazu kommen wie Betten und Bilderrahmen. Das geschehe immer in Absprache mit Historikern und dem Denkmalschutz - denn alles soll authentisch sein und so aussehen wie es damals war.
Wir wollen, dass die Schrecken des Zweiten Weltkrieges verstanden werden
Führungen immer am ersten Samstag im Monat
Immer am ersten Samstag im Monat sind ab Juli öffentliche Führungen im Bunkermuseum geplant. Die Führung ist für jedermann gedacht – Kinder müssen allerdings begleitet werden. Der Eintritt ist kostenlos, um Spenden wird gebeten. Für Schul- und Kindergartenführungen gibt es Gruppenpreise. Bereits jetzt gebe es viele Anfragen den Bunker besichtigen zu können, sagt Becker.
Über den Verein
Der Arbeitskreis Bunkermuseum Ludwigshafen e.V. wurde am 23. Februar 2017 gegründet – mit dem Ziel, ein Bunkermuseum zu gründen. Der Verein setzt sich für den Erhalt und die Nutzung der Ludwigshafener Bunker ein und will die Geschichte der Stadt während beider Weltkriege über Führungen, Vorträge und Workshops vermitteln.
Noch 45 Bunker in Ludwigshafen
In Ludwigshafen stehen noch 45 alte Hoch und Tiefbunker, die unter Denkmalschutz stehen. Die Bunker stehen in Nähe der BASF oder in der Nähe von Eisenbahnen und Industriegebieten, da damals die Arbeitskräfte geschützt werden sollten. Mittlerweile sind die meisten Bunker nur noch Lagerräume oder stehen leer. Manche werden auch als Wohnraum genutzt, sofern es genug Treppen gibt.