Neustart bei der Stadt Bad Kreuznach

Elffache Oma startet nochmal durch: Azubine mit 54

Während andere in ihrem Alter wohl schon an die Rente denken, fängt Tanja Runggas nochmal ganz neu an. Die 54-Jährige ist in ihrem zweiten Ausbildungsjahr bei der Stadt Bad Kreuznach.

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Von Autor/in Sibylle Jakobi

Nein, sie hätte es sich niemals träumen lassen, nochmal eine Ausbildung zu machen, sagt Tanja Runggas. Die 54-Jährige macht gerade Station beim Bauamt der Stadt Bad Kreuznach. Sie gibt Rechnungen ein und kontrolliert sie. Ihre Aufgaben, die Computerprogramme, das alles sei komplett neu für sie.

Fünffache Mutter und elffache Oma

Als junge Frau hatte sie schon mal eine Ausbildung zur Floristin angefangen. Als sie ihr erstes Kind bekommen hat, musste sie die abbrechen. Mehr als 30 Jahre ist das her.

Tanja Runggas hat fünf Kinder und inzwischen auch elf Enkelkinder. Jahrelang arbeitete sie als Reinigungskraft, angestellt bei der Stadt Bad Kreuznach.

Krankheit bietet Chance für Neuanfang

Dann aber machte ihr Knie nicht mehr mit. Sie war lange krank, wurde mehrmals operiert.

Irgendwann war klar, als Reinigungskraft kann sie nicht mehr arbeiten. Und dann kam die Möglichkeit, stattdessen nochmal eine Ausbildung zu machen. Jetzt wird sie Verwaltungsfachangestellte.

Ich wollte einfach nur wieder arbeiten.

Zuhause sei ihr die Decke auf den Kopf gefallen und sie habe einfach nur wieder arbeiten wollen, das habe den Ausschlag gegeben, sagt sie: "Ich wollte mich wieder am Berufsleben beteiligen und irgendwo dabei sein."

Tanja Runggas pflegt auch ihre Mutter

Seit vergangenem Jahr ist sie nun dabei. Die Ausbildung macht sie in Teilzeit, 30 Stunden pro Woche, denn zuhause kümmert sie sich auch noch um ihre demenzkranke Mutter.

Ihre Kollegin Bettina Seifert sitzt am Nachbarschreibtisch und ist beeindruckt: "Ich finde das schon bewundernswert, weil sie auch privat noch sie viel zu erledigen hat und ihre Mutter pflegt."

Tanja Runggas hat eine große "Mut-mach" -Tasse auf ihrem Schreibtisch. Auf ihr steht: "Du schaffst das."
Wenn sich Tanja Runggas selbst Mut zusprechen will, reicht ein Blick auf ihre Tasse. privat

Die Anerkennung der Kollegen und Kolleginnen tue ihr gut, freut sich Tanja Runggas. Und dann hat sie ja auch noch ihre "Mut-mach" -Tasse, denn es gab auch schon Rückschläge.

Erst wieder das Lernen lernen

Die größte Herausforderung sei die Schule, sagt sie. Ihre erste Arbeit wurde mit einer fünf bewertet. "Da habe ich schon gedacht, was tust Du Dir da an," so die 54-Jährige.

Sie habe erst wieder das Lernen lernen müssen und dafür ihre eigenen Tricks gefunden. Jetzt spricht sie ihren Lernstoff in ein Diktiergerät und hört ihn, wann immer sie Zeit hat.

Ziel fest im Blick

Ihren jüngeren Mitschülerinnen und Mitschülern falle es deutlich leichter in der Schule, findet sie. Ihre Kollegin Bettina Seifert dagegen sieht auch einen großen Vorteil in ihrem Alter. "Tanja hat mehr Erfahrung als andere Auszubildende und arbeitet selbständig," sagt sie.

Die Arbeit mache ihr viel Spaß, so Tanja Runggas. Und allen Herausforderungen zum Trotz hat sie ein großes Ziel: "Etwas zu erreichen, was man in seinem ganzen Leben noch nicht erreicht hat."

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Sibylle Jakobi
Sibylle Jakobi ist Reporterin im SWR Studio Mainz

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