Wie die Polizei in Bingen mitteilte, nahmen etwa 100 Personen an der Protestaktion am Samstag teil, die Veranstalter sprachen von 300. Die Demo stand unter dem Motto: "Erhalt Stift Sankt Martin". Der Demonstrationszug begann in dem Altenheim und führte über die Mainzer Straße durch die Innenstadt und Fußgängerzone. Die Abschlusskundgebung fand auf dem Bürgermeister-Neff-Platz statt. Laut Polizei verlief der Protest friedlich.
Träger kann Binger Pflegeheim nicht mehr finanzieren
Mit der Demo wollten Beschäftigte, Bewohner des Heims und deren Angehörige für Öffentlichkeit sorgen. Der Hintergrund: Der Träger des Seniorenzentrums Stift Sankt Martin, die katholische Carl Puricelli'sche Stiftung "Sophienhaus", kann das Alten-und Pflegeheim nicht mehr finanzieren. Sie hat den Bewohnern und ihren Angehörigen vor einer Woche mitgeteilt, dass das Alten-und Pflegeheim im Juni 2026 schließen wird. Bis dahin müssen die Bewohner umziehen.
Man habe kein Geld mehr für den Betrieb und einen Investor habe man nicht finden können, so der Träger. Begründet wird die Schließung vor allem mit der geringen Belegung des Hauses, weil auch Pflegepersonal fehle. Außerdem sei das 50 Jahre alte Gebäude dringend sanierungsbedürftig.
Eine Bewohnerin lebt schon 23 Jahre im Binger Seniorenzentrum Stift St. Martin
Die Frauen und Männer im Stift Sankt Martin sind zwischen 81 und 104 Jahre alt. Eine Bewohnerin lebt sogar schon seit mehr als 20 Jahren hier. Für sie alle muss in den nächsten Monaten ein neues Zuhause gesucht werden. Eine Frau, die ihre Mutter dort untergebracht hat, versucht bereits, ein geeignetes neues Heim zu finden. Sie kommt aus Bacharach und sagt, Bingen sei ideal.
Kurze Wege für ihren Sohn und für sie selbst, wenn die Mutter Unterstützung braucht. Ein anderes Heim, in einem anderen Ort - da müsste man länger fahren. Deshalb könnten die Verwandten auch nicht mehr so oft vorbeikommen.
Mitarbeitervertretung zeigt sich kämpferisch
Die Mitarbeitervertretung will die geplante Schließung des Seniorenzentrums Stift St. Martin nicht hinnehmen. Sie kritisiert den Träger in mehreren Punkten. Er habe unter anderem das Heim mehrere Jahre ohne Führung gelassen, die Finanzsituation gegenüber den Beschäftigten nicht transparent gemacht. Außerdem gehe er unfair mit den Mitarbeitenden um. Es gebe für sie keinen Sozialplan sondern nur betriebsbedingte Kündigungen.