Heime und Verbände fordern Hilfe

Mit 92 bei 29 Grad? Wie sich Seniorenheime gegen Hitze rüsten

Alte Menschen leiden besonders unter der Hitze - auch in Rheinland-Pfalz. Denn die meisten Gebäude sind nicht für die hohen Temperaturen ausgelegt.

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Stand

Von Autor/in Gesa Walch

29 Grad warm ist es am Mittwoch im ASB Seniorenzentrum "Karl Delorme Haus" in Mainz. Temperaturen, bei denen die Bewohnerinnen und Bewohner oft lethargisch werden, sagt Leiterin Bernhild Braun. Ihre Zimmer werden abgedunkelt, werden zu Höhlen gegen die Hitze. Auch die Pflegerinnen und Pfleger leiden unter den Temperaturen. "Die Denkfähigkeit ist deutlich eingeschränkt", so Braun.

Mit Trinkprotokollen achten die Pfleger streng darauf, dass alle Bewohner genug Flüssigkeit zu sich nehmen. Sie legen den Senioren kalte Lappen auf oder waschen sie ab, es gibt Schüsseln mit Wasser zum Kühlen oder ein Eis.

In Krankenhäusern und Pflegeheimen leiden viele ältere Menschen unter der Hitze.
Vor allem ältere Menschen leiden unter großer Hitze und viele trinken zu wenig.

Raus aus der Hitze-Hölle: Klimaanlage für die Gemeinschaftsräume

Kleine Akuthilfen in Hitzephasen. Aber nichts für die Zukunft. "Wir sind für extreme Wärme nicht gerüstet", sagt Bernhild Braun. Dabei tut sie schon, was sie kann: Das in die Jahre gekommene Seniorenzentrum soll saniert werden.

"Die Klimaschutzmaßnahmen ziehen wir um ein Jahr vor, 2026 geht es los", so Braun. Das Dach soll neu isoliert werden, in den Gemeinschaftsräumen und Dienstzimmern wird eine Klimanlage installiert. Finanziert werden die Kosten von mehreren hunderttausend Euro vom Träger, dem Arbeiter-Samariter-Bund.

Forderung: Geld vom Bund für Umrüstung von Pflegeheimen

"Es müsste eigentlich eine gesetzliche Grundlage für eine Refinanzierung vom Bund geben", fordert Bernhild Braun. Die Seniorenheime richtig gegen Hitze zur rüsten, könnten sich die Träger gar nicht leisten.

Selbst bei großen Anbietern ist das ein Problem. Die Seniorenheimgruppe Korian ist einer der größten Pflegeheimbetreiber in Deutschland. 20 von 70 Einrichtungen stehen in Rheinland-Pfalz.

Energetische Sanierungen und Klimaanlagen

"Wir beobachten die klimatischen Entwicklungen sehr genau und planen, den baulichen Hitzeschutz in unseren Einrichtungen schrittweise weiter auszubauen", heißt es von dem Pflegedienstleister. Geplant sind: energetische Sanierungen, Dach- und Fassadenbegrünung oder Klimaanlagen in Neubauten. Das sei jedoch kostenintensiv und werde größtenteils aus Eigenmitteln getragen.

Weiteres Problem: Rechtliche Klarheit fehlt

"Um langfristig die Versorgungssicherheit in Pflegeeinrichtungen unter zunehmend extremen Wetterbedingungen gewährleisten zu können, wünschen wir uns gezielte Förderprogramme für klimatische Anpassungsmaßnahmen in der stationären Pflege", teilt die Korian-Gruppe mit. Außerdem fehle rechtliche Klarheit, zum Beispiel bei baulichen Auflagen oder Energieeffizienzstandards. "Pflegeeinrichtungen müssen in die Lage versetzt werden, nachhaltig und klimaresilient zu planen – dafür braucht es eine stärkere Unterstützung durch Bund und Länder."

"Es ist eine große Gefahr, wenn gerade ältere Menschen nicht ausreichend Kühlung bekommen."

VdK: Geld vom Bund für Sanierung von Seniorenheimen

Das fordert auch der Sozialverband VdK. Seniorenheime benötigten Unterstützung aus dem Infrastruktursondervermögen des Bundes, damit sie umgerüstet und nachgerüstet werden können, sagt Verena Bentele, VdK-Präsidentin. Bei vielen Einrichtungen reichten die finanziellen Mittel nicht, um selbst eine Klimaanlage oder gute Rollos zum Verschatten einbauen zu können. Außerdem sei es wichtig, das Personal für Situationen mit extremer Wärme besonders zu schulen.

Auch Marlene Mann vom Bundesverband Volkssolidarität kritisiert, dass Förderprogramme für Seniorenheime begrenzt und nur schwer zugänglich seien. Zwar würden Seniorenheime über ausreichend Hitzeschutzkonzepte verfügen, doch die Umsetzung sei oft nur schrittweise möglich.

Arbeiten in extremer Wärme: Pflegekräfte an Belastungsgrenze

Im ASB-Seniorenzentrum in Mainz stoßen bei der aktuellen Hitze auch die Mitarbeiter an ihre Grenzen. Bei den Temperaturen zu arbeiten, sei eine große Belastung. In anderen Pflegeheimen ist die Situation ähnlich. Heimleiterin Bernhild Braun hat Verständnis für ihre Pflegekräfte. "Ich sag immer: Macht langsam", sagt sie. "Macht so, wie ihr es von der Energie her könnt." Im Hinblick darauf, dass Hitzewellen im Zuge des Klimawandels häufiger und intensiver werden, stellt sich die Frage, ob Verständnis da noch ausreicht.

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