Bilanz nach erstem Jahr

Inklusive Fahrradwerkstatt und Autowaschanlage in Ingelheim laufen gut

Seit einem Jahr reparieren in Ingelheim Menschen mit und ohne Behinderung Fahrräder und waschen Autos. Der Inklusionsbetrieb wird in der Stadt gut angenommen.

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Von Autor/in Sarina Fischer

Gerhard Mann kurbelt an den Pedalen eines aufgehängten Fahrrads und testet, ob die Kette einwandfrei läuft. Der 50-Jährige ist herzkrank und von Anfang an Teil des Teams im neuen Inklusionsbetrieb in Ingelheim von der Gesellschaft für Teilhabe und Integration in.betrieb.

Dort fühlt er sich sehr wohl. "Wir sind mittlerweile fast eine richtige kleine Familie geworden", schwärmt Gerhard Mann, "die Arbeit hier ist super."

14 Arbeitsplätze für Menschen mit und ohne Behinderung in Ingelheim

Insgesamt 14 Arbeitsplätze in Vollzeit gibt es in der inklusiven Fahrradwerkstatt und Autowaschanlage, davon sind sieben für Menschen mit einer Schwerbehinderung. In den Räumen vom "wasch.werk" und "rad.werk" ist alles etwas großzügiger und mit mehr Platz gestaltet als in herkömmlichen Werkstätten - und natürlich barrierefrei. Wie Gerhard Mann sind die meisten Beschäftigten schon länger fester Bestandteil des Teams.

Dadurch habe sich seit der Eröffnung des Betriebs im Frühjahr 2024 eine sehr gute Arbeitsatmosphäre entwickelt, erzählt auch der Betriebsleiter, Nico Ferger: "Es ist toll, wie sich das Team gefunden hat, wie es sich engagiert, wie vernünftig es miteinander umgeht und sich gegenseitig unterstützt, bei der Arbeit, aber auch bei anderen Themen."

Große Nachfrage nach Fahrradinspektion und E-Bike-Service

Das Angebot des Inklusionsbetriebs ist groß. In der Fahrradwerkstatt kümmern sich Gerhard Mann und seine Kolleginnen und Kollegen um Fahrradinspektionen, die Montage von Zubehör und Reparaturen jeglicher Art, zum Beispiel an den Bremsen oder am Rahmen.

Außerdem gibt es einen E-Bike-Service. Vorbeikommen kann man zu den Öffnungszeiten spontan, für größere Eingriffe empfiehlt sich aber eine vorherige Terminvereinbarung.

All diese Dienste der inklusiven Fahrradwerkstatt seien sehr gefragt, berichtet der Geschäftsführer der Gesellschaft für Teilhabe und Integration in.betrieb, Michael Huber: "Die Fahrradwerkstatt war innerhalb von kürzester Zeit ausgebucht, wir haben Nachfrage ohne Ende. Das freut uns sehr."

Noch Luft nach oben in der Autowaschanlage

Auch in der Autowaschanlage und der Fahrzeug-Innenpflege laufe es gut. Hier hätten sie nach dem ersten Jahr aber noch Luft nach oben, so Huber. "Da werben wir noch um weitere Kundschaft." Viele Leute kämen derzeit zum Beispiel vom angrenzenden Gelände des Pharmakonzerns Boehringer Ingelheim. Das sei eine Win-Win-Situation auch für ihre Beschäftigen, bestätigt der Geschäftsführer Personal von Boehringer, Christian Knudsen.

"Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter können auf dem Weg zu und von der Arbeit ihr Auto oder Fahrrad abgeben, und es hinterher wieder sauber und zum Teil repariert wieder zurückbekommen."

Der Konzern hat auch das Grundstück für die Werkstatt und Waschanlage in Erbpacht zur Verfügung gestellt. "Dafür sind wir sehr dankbar", sagt in.betrieb-Geschäftsführer Huber.

In der inklusiven Autowaschanlage in Ingelheim arbeiten Menschen mit und ohne Behinderung zusammen.
In der inklusiven Autowaschanlage in Ingelheim arbeiten Menschen mit und ohne Behinderung zusammen.

Neue Kooperation von in.betrieb mit dem Kreis Mainz-Bingen

Um den Betrieb vor allem der inklusiven Autowaschanlage und -pflege in Ingelheim weiter anzukurbeln, haben in.betrieb und der Kreis Mainz-Bingen nun auch eine eigene Kooperationsvereinbarung unterschrieben. Darin erklärt sich der Kreis bereit, zunächst einmal zwei Jahre lang jeden Monat etwa 35 bis 40 Dienstfahrzeuge in dem Inklusionsbetrieb waschen zu lassen.

"Und das Schöne dahinter ist auch die Botschaft: was der Landkreis kann, können andere natürlich auch.", sagt Michael Huber zwinkernd und hofft auf weitere Kundschaft und Kooperationen. Dadurch könnten in Zukunft dann wiederum auch neue inklusive Arbeitsplätze geschaffen werden.

Teilhabe für alle und Inklusion in die Arbeitswelt

Das ist schließlich auch ein Ziel von in.betrieb. Die Gesellschaft für Teilhabe und Integration ist ein Unternehmen, das sich unter anderem um die Eingliederung von Menschen mit geistigen und körperlichen Einschränkungen kümmert. Es geht darum, dass sie sowohl am Arbeitsleben als auch an der Gesellschaft teilhaben können.

"Es ist wichtig, dass wir als Gesellschaft damit aufhören, in vorgefertigten Mustern zu denken", findet der Ingelheimer Betriebleiter von in.betrieb, Nico Ferger. „Und dass wir sehen, dass Menschen, unabhängig davon, ob sie eine Behinderung haben oder nicht, ein unglaubliches Potenzial in sich tragen und leistungsfähig sind." Dazu würden die inklusive Fahrradwerkstatt und Autowaschanlage in Ingelheim hoffentlich ein Stück beitragen.

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