Statiker schlagen Alarm

Zwei Tonnen schwere "Ecclesia" am Wormser Dom muss weg

Eigentlich sollte das Südportal des Wormser Doms nur gereinigt und saniert werden. Aber dann gab es eine Überraschung für die Denkmalpfleger: Die Figur der "Ecclesia" ist so marode, dass sie droht herabzustürzen.

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Von Autor/in Christiane Spohn

Seit mehr als 700 Jahren ziert die Figur der "Ecclesia" das Südportal des Wormser Doms. Die stolze Frauenfigur mit einer Krone soll das Christentum darstellen. Bei den Sanierungsarbeiten am Wormser Dom haben aber Denkmalpfleger festgestellt, dass die "Ecclesia" gar nicht gut aussieht.

"Ecclesia" hat starke Witterungsschäden

Sie haben ein Gutachten in Auftrag gegeben. "Das kam sehr klar zu dem Schluss, dass die Figur durch Witterungsschäden in einem so desolaten Zustand ist, dass sie nicht mehr am angestammten Platz verbleiben kann", so Architekt Jürgen Hamm. Er ist für die Außenrenovierung des Wormser Doms zuständig.

Ein Statiker hat geraten, die Ecclesia dringend abzunehmen, weil ihre Standfestigkeit nicht mehr gegeben ist.

Auch ein hinzugezogener Statiker habe Alarm geschlagen. Er habe geraten, die Figur sofort abzunehmen, so Hamm weiter, weil sie drohe herabzustürzen. "Schweren Herzens haben wir uns in der Dombaukommission beraten und und den Entschluss gefasst, die Figur abzunehmen", so Propst Tobias Schäfer.

"Ecclesia" soll in Worms bleiben

Da die "Ecclesia" eine absolute Rarität sei und zum Wormser Dom gehöre, sei schnell klar gewesen, dass sie auf keinen Fall in irgendeinem Depot oder Museum landen wird, so der Propst. Die "Ecclesia" soll künftig geschützt im Inneren des Doms an einer Wand erhöht angebracht werden.

Die Abnahme der zwei Tonnen schweren Figur sei aber eine logistische Herausforderung, so Propst Schäfer. Die Dombaukommission habe ein spezielles Restaurierungsunternehmen beauftragt.

Logistische Meisterleistung: Abbau der "Ecclesia"

Nach und nach werden die einzelnen Teile der "Ecclesia" abgetragen. Los geht es am nächsten Mittwoch. Ende März soll die Ecclesia komplett von ihrem Sockel gehoben und ins Dominnere gebracht werden.

Die einzelnen Schritte seien generalstabsmäßig geplant, so die Domgemeinde. "Für die einzelnen Teile sind passgenaue Schutzverkleidungen angefertigt worden, damit die mehr als 700 Jahre alte Figur nicht beschädigt wird", erklärt Restaurator Quentin Saltzmann.

Die "Ecclesia" werde erst einmal im Dominneren restauriert. Später komme sie dann an ihren dauerhaften Platz.

Ersatz für "Ecclesia" noch nicht gefunden

Eine große Frage bleibt aber noch: Was kommt an die leere Stelle am Südportal des Wormser Doms? "Dies können wir im Detail noch nicht beantworten", so Rainer Cebulla vom Diözesanbauamt des Bistums Mainz.

Da für das Südportal des Wormser Doms bei den Restaurierungsarbeiten eigentlich nur eine Überarbeitung vorgesehen war, gebe es jetzt keine finanziellen Mittel, um die "Ecclesia" zu ersetzen.

Experten beraten über Leerstelle am Wormser Dom

Kunsthistoriker, Denkmalpfleger, Restauratoren und die Domgemeinde müssten darüber beraten. Dafür solle es Ende November eine Fachtagung in Worms geben, so Cebulla. "Nicht zuletzt brauchen wir auch Spender und Sponsoren."

Über den aktuellen Stand der Außenrenovierung des Wormser Doms wird es zudem am 21. Mai im Haus am Dom in Worms einen öffentlichen Vortrag geben. Am 30. Mai lädt die Domgemeinde zu einer Baustellenbegehung ein.

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Christiane Spohn
Christiane Spohn ist Reporterin im SWR Studio Mainz

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