Hilfe nach OP, Unfall oder Krankheit

Genesungszimmer für Menschen ohne Krankenversicherung

Seit kurzem gibt es in Mainz drei sogenannte Genesungszimmer. Dort können Menschen, die keine Wohnung und Krankenversicherung haben, betreut und in Ruhe gesund werden.

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Von Autor/in Damaris Diener

Tobias sitzt auf seinem Bett in einem der drei Genesungszimmer. Er hält sich an seinem Rollator fest, dann steht er auf. Der Rollator ist wichtig für den 56-Jährigen. Denn er hat ein Taubheitsgefühl in den Beinen, erzählt er.

Tobias heißt eigentlich anders, aber seinen richtigen Namen will er lieber nicht in den Medien lesen. Insgesamt gibt es seit kurzem drei Patientenzimmer, die zum Verein "Armut und Gesundheit" gehören. Im Genesungszimmer werden die Patienten behandelt und unterstützt, bis sie die Einrichtung auf der Mainzer Zitadelle wieder verlassen können.

Zimmer sollen gemütlich sein

Tobias Zimmer ist sandfarben gestrichen, an den Wänden hängen Strand-Bilder. "Wir haben uns bei der Einrichtung der Zimmer Mühe gegeben, dass sie nicht aussehen wie in einer Klinik", erklärt Marius Schäfer. Er kümmert sich beim Verein "Armut und Gesundheit" um die Genesungszimmer.

Zu wenig Hilfe für Menschen ohne Krankenversicherung

Ein Zimmer gibt es schon seit drei Jahren, die beiden anderen sind jetzt neu dazugekommen. Trotzdem reichen die Plätze vorne und hinten nicht, sagt Marius Schäfer. Die Zimmer werden durch Spenden finanziert.

Es muss sich strukturell etwas verändern. Es braucht mehr Unterbringungsmöglichkeiten für Menschen, die keine Krankenversicherung haben.

In die Genesungszimmer kommen Menschen, die der Verein "Armut und Gesundheit" schon durch das Arztmobil oder die Ambulanz kennt. "Wahrscheinlich würden die Patienten sterben, wenn wir sie nicht aufnehmen würden", sagt Marius Schäfer.

Erholung nach OP oder Unfällen

In den Zimmern hat sich schon ein Mann erholen können, dem die Gallenblase entfernt wurde. Ein anderer hatte einen komplizierten Sprunggelenksbruch. Auf der Straße seien die Menschen oft auf sich allein gestellt, erzählt Marius Schäfer.

Hier haben die Menschen einen Ort der Ruhe und Sicherheit.

Die Genesungszimmer und das Behandlungszimmer sind gemütlich eingerichtet. Sie sind für Wohnungslose ohne Krankenschein.
In den Genesungszimmern und auch im Behandlungszimmer hängen Fotos von Wäldern, Stränden und Wiesen an den Wänden. Sie sollen den wohnungslosen Patienten helfen, zur Ruhe zu kommen.

Genesungszimmer ist Ort der Sicherheit und Ruhe

Das Team gibt zum Beispiel Medikamente oder hilft bei der Versorgung von Wunden. Aber die Mitarbeitenden helfen auch Anträge beim Sozialamt zu stellen, gehen gemeinsam mit den Patienten einkaufen und haben einfach ein offenes Ohr.

Wie lange Tobias in dem Genesungszimmer bleibt, ist noch nicht klar. Für seine Zukunft wünscht sich der 56-Jährige vor allem eins: "Gesundheit. Dass ich nicht in Krankheit leben muss."

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Damaris Diener
Damaris Diener ist Reporterin im SWR Studio Mainz und bei Das Ding

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