Datenbank soll die Infos liefern

Interview: Wie Rheinland-Pfalz künftig Gleise und Straßen vor Hangrutschen schützen will

Das Land hat eine sogenannte Rutschungsdatenbank. Darin werden zum Beispiel alle Hangrutsche oder Felsstürze erfasst. Mit den Daten sollen jetzt genauere Risiko-Karten entstehen.

Teilen

Stand

Ansgar Wehinger ist Referatsleiter im Landesamt für Geologie und Bergbau Rheinland-Pfalz und betreut die Rutschungsdatenbank. Mit ihm sprechen wir über die Bedeutung der Datenbank und was hinter der neuen Risiko-Karte steckt.

SWR Aktuell: Was kann die Rutschungsdatenbank überhaupt?

Ansgar Wehinger: Die Idee dahinter ist, die auftretenden Massenbewegungen systematisch zu sammeln, in einer Datenbank zu archivieren und für Auswertungen verfügbar zu machen. Dadurch kann man beliebige Abfragen erstellen. Zum Beispiel: Wirf mir alle Rutschungen im Mainzer Becken aus und unterscheide, in welchen Jahreszeiten und Schichten diese aufgetreten sind. Diese Datenbank ermöglicht, Zusammenhänge zu erkennen, die man im bloßen Einzelfall gar nicht so sieht.

SWR Aktuell: Wie wird denn zum Beispiel ein Erdrutsch oder Felsschlag in der Rutschungsdatenbank erfasst?

Wehinger: Wir machen in aller Regel eine Ortsbesichtigung und geben Empfehlungen zur weiteren Vorgehensweise ab. Es erfolgt dann auch eine Stellungnahme. Und die haben wir systematisch ausgewertet, aus den letzten 60 bis 70 Jahren. Der Datensatz wird ergänzt durch andere Quellen wie Diplomarbeiten oder Projekt-Kartierungen. Auch die Schadensfälle des Landesbetriebs Mobilität durften wir auswerten.

Ansgar Wehinger versorgt die Rutschungsdatenbank des Landes Rheinland-Pfalz mit Daten. Aus ihnen entstehen neue Risiko-Karten.
Ansgar Wehinger ist Referatsleiter Ingenieurgeologie und Erdbebendienst am Landesamt für Geologie und Bergbau Rheinland-Pfalz. Zu seinen Zuständigkeiten zählt die Rutschungsdatenbank. Landesamt für Geologie und Bergbau Rheinland-Pfalz

SWR Aktuell: Ihnen liegen also viele Zahlen vor. Aber was hat die Datenbank bisher gebracht?

Wehinger: Die Datenbank ermöglicht Zusammenhänge zu erkennen, um vorsorglich für anfällige Flächen Auskunft geben zu können. Wir sind als Haus auch Träger öffentlicher Belange und werden bei Bauverfahren beteiligt. Wir prüfen zum Beispiel, wie weit ein Baugebiet in Hanglage schon in der Vergangenheit Probleme mit der Stabilität gemacht hat. Hier kommen die Erkenntnisse der Rutschungsdatenbank ins Spiel.

SWR Aktuell: In einem nächsten Schritt soll nun eine Art Risiko-Karte entstehen. Wie sollen diese Karten künftig aussehen? Es gibt zum Beispiel schon die Karte GeoPortal.EBA vom Eisenbahn-Bundesamt.

Wehinger: Von der Darstellungsweise wird es keine großen Unterschiede geben. Es wird einen Karten-Viewer geben, der verschiedene Themen abbildet, wie zum Beispiel Rutschungsgefährdung. Der Unterschied liegt in der Daten-Grundlage. Das Eisenbahn-Bundesamt schaut auf Deutschland, wir betrachten nur Rheinland-Pfalz und viel mehr Einzelfälle. Wir hoffen, dass wir dadurch eine höhere Aussagekraft hinkriegen.

SWR Aktuell: Das heißt, Sie können mit den neuen Risiko-Karten bis auf die Straße genau sagen, wo zum Beispiel ein Hang abrutschen kann?

Wehinger: Ja, wir wollen am Ende schon sagen, welcher Straßenabschnitt einer Gefahr von Massenbewegungen ausgesetzt ist. Es geht nicht darum, dass am Ende auf der Karte überall rote Flächen sind, sondern es geht darum, die Punkte auszumachen, wo noch Handlungsbedarf ist.

Kleiner Hangrutsch auf eine Straße nach Starkregen. Die Straße ist nicht mehr befahrbar.
Ein kleiner Hang ist auf die Straße gerutscht. Solche Vorkommnisse werden in Rheinland-Pfalz in der Rutschungsdatenbank erfasst und dokumentiert. Einsatzdoku.at/APA/picturedesk.com

SWR Aktuell: Bis wann soll die neue Risiko-Karte fertig werden?

Wehinger: Wir haben vor, im Jahr 2026 Karten zur Verfügung zu stellen. Hausintern nutzen wir schon die Ergebnisse. Aber weil wir noch bestimmte Flächen abdecken wollen und zum Teil noch datenschutzrechtliche Gründe zu klären sind, werden wir sie voraussichtlich erst im nächsten Jahr veröffentlichen können.

Rheinland-Pfalz

Nach Zugunglück bei Riedlingen in BW Hangrutsche in RLP: Viele Bahnstrecken sind gefährdet

Viele Bahnstrecken in Rheinland-Pfalz sind von einem Hangrutsch bedroht. Das ist ein Risiko für Reisende. Der Fahrgastverband ProBahn fordert deswegen eine bessere Überwachung.

SWR4 am Dienstag SWR4

Riedlingen

Flugzeug, Bahn, Schiff und Auto Nach dem tödlichen Unglück bei Riedlingen: So sicher ist Zugfahren im Vergleich mit anderen Verkehrsmitteln

Am Sonntag ist in Riedlingen (Kreis Biberach) ein Zug entgleist. Drei Menschen starben, etliche wurden verletzt. Wie sicher ist Zugfahren im Vergleich zu anderen Verkehrsmitteiln?

Riedlingen

"Diesel lief mir über das Gesicht" Zug bei Riedlingen entgleist: Wie ein Fahrgast das Unglück erlebt hat

Joscha Loibl hat das Zugunglück vom Sonntagabend bei Riedlingen (Kreis Biberach) leicht verletzt überlebt. Er ist einer von 36 Verletzten und berichtet unter anderem von der großen Hilfsbereitschaft unter den Fahrgästen.

SWR Extra: Zugunglück bei Riedlingen SWR